Nuklearstreit mit Iran Chancen auf Durchbruch bei Atomgesprächen schwinden

Die Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm müssen wohl noch einmal verlängert werden. Kurz vor Ablauf der Frist schrauben US-Außenminister Kerry und Bundesaußenminister Steinmeier der Erwartungen herunter.

Iranisches    Atomkraftwerk    Bushehr: Verhandlungen verlängert
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Iranisches Atomkraftwerk Bushehr: Verhandlungen verlängert


Wien - Am Montag läuft die Frist ab - doch eine Einigung bei den internationalen Verhandlungen über Irans Atomprogramm ist nicht in Sicht. Trotz einiger Fortschritte gebe es große Hürden, sagte US-Außenminister John Kerry am Samstag.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier schraubte die Erwartungen herunter. Der Ausgang der Gespräche sei "völlig offen", sagte der SPD-Politiker. Iran müsse jedoch erkennen, dass "wir sicher sein müssen, dass es keinen Weg und keinen Rückweg zu einer atomaren Bewaffnung des Irans gibt", betonte Steinmeier.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen EU-Insider mit den Worten, die Chancen, dass die Frist eingehalten werden, seien "sehr gering". Die Verhandlungspartner hätten sich in Kernfragen kaum angenähert. Strittig sind seit langem die genauen Konditionen für Irans Urananreicherung und die Frage, welche Sanktionen wie stark aufgehoben werden.

Die USA und die anderen vier Uno-Vetomächte Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland verhandeln mit Iran seit gut einem Jahr über sein Atomprogramm. Der Westen wirft dem Land vor, unter dem Deckmantel der Energiegewinnung nach Atomwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Die Sechsergruppe will erreichen, dass Iran alles unterlässt, was zum Bau von Atomwaffen führen könnte. Die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen sollten bis zum 24. November abgeschlossen werden.

Vor einem Jahr hatten die Verhandlungspartner in Genf eine Übergangslösung erzielt, wonach Iran Teile seines Atomprogramms aufgeben und tägliche Kontrollen ermöglichen soll. Im Gegenzug versprach der Westen die Lockerung von Wirtschaftssanktionen. Eigentlich hätte ein dauerhaftes Abkommen bereits bis zum 20. Juli stehen sollen. Schon damals war die Frist bis zum 24. November verlängert worden.

ssu/AFP/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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mattijoon 22.11.2014
1. Gespräche sind eine Farce
Das was jetzt vermutlich passiert, habe ich schon zu Anfang vorhergesagt: Die USA werden irgendwann Forderungen stellen, denen Iran nicht nachgeben kann. Danach wird man lesen, dass Iran die Kooperation verweigert hat.Es bräuchte einen Kompromiss, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können - denn sowohl bei den Amerikanern als bei den Iranern gibt es kriegslüsterne Falken, die das Gegenüber als Todfeind betrachten. Aber warum sollten die Amerikaner Iran den Gefallen tun und damit ihre engsten Verbündeten (Israel und Saudi-Arabien) in der Region aufbringen.Weder Saudi-Arabien noch Israel haben ein Interesse an einem starken Iran, egal ob atomwaffenfrei oder nicht, und deshalb wird es keinen Frieden geben.
AndreasWolf 22.11.2014
2. Wer jemals daran glaubte...
hat die Realität verdrängt. Der Iran bzw. die dortige politische und theokratische Oberschicht hat doch niemals ernsthaft einen erfolgreichen Abschluß der Atomgespräche im Sinn gehabt. Außer der israelischen Regierung haben sich doch alle anderen Verhandlungsteilnehmer seit Jahren Illusionen hingegeben...
Paradox77 22.11.2014
3. Umstrittenenes
Atomprogramm.Wieso umstritten? Iran ist im Gegensatz der BRD ein souveräner Staat.Fazit; Deshalb kann er, ja er muß sogar, wenn er es für erforderlich hält eine Atomare Verteidigung aufbauen.Der US Außenminister Kerry sollte mal besser den Ball flach halten, den die USA sind dabei, ihre Kompetenz maßlos zu überschätzen.Die US Hegemonie ist engültig Vergangenheit. UND DAS IST GUT SO
iranowich 23.11.2014
4. iranowich
Diese verhandlung wird nicht in positive richtung gelangt.die einzige möglichkeit nach negative ergebnisse werde für iran nur entziehung NPT Vertrag, wie Müster Nord korea.Dann iran hat Freiheitliche Manover...Das wäre Shach Mat für West und Nato...
uvg 23.11.2014
5. Solange ...
Russland atomar im Iran helfend mitmischt, wird es keine Übereinkunft in der Frage einer effektiven Nuklearkontrolle geben. An dieser Tatsache kommt nichts und niemand vorbei. Und deshalb sind die Verhandlungen überflüssige Show-Veranstaltungen, die viel Geld kosten, die Völker bewusst in die Irre führen und keine Ergebnisse haben.
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