Iran: Atomwissenschaftler bei Bombenanschlag getötet

Anschlag in Teheran: Bei einer ferngezündeten Bombenexplosion kam ein Universitätsprofessor ums Leben. Laut der Nachrichtenagentur Fars handelt es sich um einen Atomwissenschaftler. Die Hintergründe der Tat sind bislang völlig unklar.

Bildausschnitt von iranischem Sender Press-TV: Anschlag vor dem Haus des ProfessorsZur Großansicht
AFP/ PRESS TV

Bildausschnitt von iranischem Sender Press-TV: Anschlag vor dem Haus des Professors

Teheran - Bei einem Bombenanschlag in Teheran ist nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders Press TV am Dienstag ein Universitätsprofessor getötet worden. Massud Mohammadi wurde dem Bericht zufolge bei der Explosion eines ferngezündeten Sprengsatzes vor seinem Haus im Norden der iranischen Hauptstadt getötet. Die Bombe war an einem geparkten Motorrad befestigt. Die halbamtliche Nachrichtenagentur ISNA berichtete, die Teheraner Staatsanwaltschaft habe den Tod des Universitätsprofessors bestätigt. Massud Ali-Mohammadi sei Atomwissenschaftler gewesen, sagte Chefankläger Abbas Dschafari Dolatabadi der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars zufolge.

Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar: Laut dem englischsprachigen Sender Press TV hatte Mohammadi die Revolution 1979 unterstützt. Andere Quellen beschreiben den Professor als Held der grünen Oppositionsbewegung. Ob Mohammadi mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm in Verbindung stand, war zunächst nicht bekannt.

Der Staatssender Irib sprach von einem Terrorakt und machte antirevolutionäre Kräfte und indirekt den Westen verantwortlich. Der amtlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge könnten noch weitere Menschen bei dem Anschlag getötet worden sein.

Unterdessen hat die Führung in Teheran der US-Regierung vorgeworfen, den Streit über das iranische Atomprogramm eskalieren zu lassen. Mit scharfen Worten wies sie am Dienstag Äußerungen des US-Militärs über "Notfallpläne" für mögliche Militärschläge gegen iranische Nuklearanlagen zurück. "Das ist unverantwortlich, das Gegenteil der neuen Politik, die die neue US-Regierung verspricht, und stattdessen eine Rückkehr zu früheren Fehlern", erklärte ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums.

Der für die Region zuständige US-General David Petraeus hatte am Wochenende gesagt, es wäre unverantwortlich, wenn sich die Militärs nicht auf eine mögliche militärische Aktion vorbereiten würden. Er nannte aber keine Einzelheiten. Mit Blick auf stark gesicherte und teilweise unterirdische iranische Atomanlagen meinte der General lediglich, diese könnten dennoch getroffen werden.

Die USA und andere westliche Länder fürchten, dass Iran seine Urananreicherung zum Bau von Atombomben nutzen könnte. Dagegen betont Teheran, es handele sich bei seinem Programm ausschließlich um friedliche Nutzung von Nuklearenergie. Mitte Januar will die Sechser-Gruppe - USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland - über nächste Schritte diskutieren. Iran erklärte, es sei nach wie vor bereit, die Verhandlungen fortzusetzen.

anr/APN/AFP

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  • Dienstag, 12.01.2010 – 09:35 Uhr
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Republik Iran
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.


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