Kriegsschiff-Attrappe Iran baut riesigen Fake-Flugzeugträger

Iran baut einen amerikanischen Flugzeugträger nach, allerdings ohne Atomantrieb und im Maßstab zwei zu drei. Das US-Militär rätselt über den Sinn der Aktion - denn für den Einsatz ist das "Kriegsschiff" wohl untauglich.

U.S.S. "Nimitz": Vorbild für Irans Fake-Flugzeugträger
REUTERS

U.S.S. "Nimitz": Vorbild für Irans Fake-Flugzeugträger


Washington - Die US-Armee hat auf Satellitenbildern iranischer Militäranlagen einen amerikanischen Flugzeugträger entdeckt. Oder zumindest etwas, was dem ziemlich ähnlich sieht. Wie die "New York Times" berichtet, entdeckten Analysten der US-Armee die gewaltige Kriegsschiff-Attrappe schon im vergangenen Sommer auf Aufnahmen von der Gachin-Werft nahe Bandar Abbas am Persischen Golf.

Demnach handelt es sich in Form und Anstrich um den Nachbau eines Kriegsschiffs der Nimitz-Klasse - allerdings mit einigen entscheidenden Modifikationen. Dem Schiff fehlt laut "New York Times" der Atomantrieb. Außerdem sei es um ein Drittel kürzer als die rund 330 Meter langen Nimitz-Flugzeugträger und damit wohl auch nur sehr eingeschränkt als Start- und Landeplattform geeignet. Immerhin seien auf dem Deck auch Fake-Flugzeuge zu erkennen.

Tatsächlich handele es sich eher um ein großes Frachtschiff, das einem Kriegsschiff sehr ähnlich sehe, sagte ein Sprecher der U.S. Navy der Zeitung. Am nächsten liege die Erklärung, dass Iran es zu Propagandazwecken gebaut habe. Womöglich, mutmaßt das US-Militär, solle das Schiff auf offenem Meer zerstört werden, um so medienwirksame Bilder zu gewinnen.

US-Militär rätselt über den Sinn der Aktion

Über die genauen Beweggründe kann auch die US-Armee nur rätseln. Auch deshalb habe man sich zur Veröffentlichung der Beobachtungen entschlossen, heißt es in dem Artikel. Gespräche um Irans umstrittenes Atomprogramm stehen unmittelbar bevor.

Iran wiederum hat immer wieder mit Militärpropaganda Stärke zu demonstrieren versucht - mitunter mit seltsamen Auswüchsen. Im vergangenen Jahr montierte die staatliche Nachrichten-Website einen neuen Kampfjet per Photoshop vor ein Bergpanorama. Bei einem mutmaßlichen Drohnenfang vor zwei Jahren überschlug sich die staatliche iranische Nachrichtenagentur fast vor Stolz und Freude. Damals zitierte sie Marinegeneral Ali Fadawi mit den Worten: "Solche Drohnen werden in der Regel von großen Kriegsschiffen abgeschossen."

usp

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