Streit über Atomprogramm: Iran beschleunigt Bau von Uran-Zentrifugen

Iran forciert offenbar sein Nuklearprogramm. Nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde soll Teheran in den vergangenen Monaten tausend neue Zentrifugen installiert haben, mit denen Uran angereichert werden kann. Israels Verteidigungsminister Barak drängt auf einen Militärschlag.

Anlage nahe Ghom: Tausend neue Zentrifugen angeschafft?Zur Großansicht
AP/ DigitalGlobe

Anlage nahe Ghom: Tausend neue Zentrifugen angeschafft?

Berlin - An diesem Freitag wird wieder verhandelt: In Wien treffen sich Vertreter Irans mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), um über eine friedliche Lösung des Atomstreits zu beraten. Im Kern soll es bei den Gesprächen um die Versuchsanlage Parchin in der Nähe von Teheran gehen. Die IAEA will ihren Kontrolleuren Zutritt zu dem Komplex verschaffen, das iranische Regime lehnt dieses Ansinnen bislang ab. Parchin sei eine militärische Anlage, die nichts mit dem Atomprogramm zu tun hat - das laut Angaben Teherans ohnehin nur zivilen Zwecken dient.

Doch sowohl die IAEA als auch der Westen bezweifeln diese Darstellung. Und die Skepsis wächst. Inspektoren der Atomenergiebehörde haben offenbar herausgefunden, dass Iran in den vergangenen Monaten Hunderte neuer Zentrifugen installiert hat, mit denen Uran angereichert werden kann. Die Zentrifugen seien in eine unterirdische Anlage nahe der Stadt Ghom gebracht worden, die vor Bombenangriffen aus der Luft besonders geschützt ist.

Entsprechende Erkenntnisse werde die IAEA in Kürze in einem Bericht vorlegen, berichtet die "New York Times". Nach Angaben von Olli Heinonen, ehemaliger Chef-Inspektor der IAEA, hätte das Regime die Zahl der Zentrifugen um ein Fünftel erhöht. Die Kontrolleure bestätigen damit die Äußerung eines iranischen Offiziellen, der Ende Juli damit geprahlt hatte, dass sein Land tausend neue Zentrifugen produziert habe.

Die Inspektoren hätten auch herausgefunden, dass Iran seine Bemühungen verstärke, Uran bis auf eine Reinheit von 20 Prozent anzureichern. Teheran erklärt, das Material für einen Reaktor zu benötigen, der ausschließlich medizinischen Zwecken diene. Gleichzeitig ist es von auf 20 Prozent angereichertem Uran technisch gesehen nur noch ein kleiner Schritt, um waffenfähiges Uran zu produzieren. Zum Vergleich: Für zivile Atomkraftwerke benötigt man nukleares Material, das auf drei bis fünf Prozent angereichert ist.

Deshalb hat die sogenannte 5+1-Gruppe - bestehend aus den fünf Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien sowie Deutschland bei ihren jüngsten Verhandlungen mit der iranischen Regierung darauf gedrängt, dass Teheran aufhört, Uran bis zu einer Reinheit von 20 Prozent anzureichern. Iran hat diese Forderung wiederholt zurückgewiesen.

Barak drängt auf Militärschlag

Trotz des beschleunigten Zentrifugen-Baus: Bislang hat das Regime die neuen Anlagen offenbar nicht in Betrieb genommen. Und selbst wenn die Zentrifugen rotieren sollten, benötige Iran noch mindestens zwei Jahre, um einen einsatzfähigen Nuklearsprengkopf herzustellen, so die "New York Times" unter Berufung auf Schätzungen der US-Regierung.

Der angekündigte IAEA-Bericht lasse zudem offen, ob Teheran überhaupt schon die Entscheidung getroffen hat, Atomwaffen zu produzieren. Die Regierung in Washington sei der Überzeugung, dass dieser Entschluss noch nicht gefällt sei. Offenbar strebe Iran aber an, so viel hochangereichertes Uran herzustellen, dass die Fertigstellung einer Atombombe gegebenenfalls innerhalb weniger Monate möglich sei.

Die neuen Erkenntnisse der IAEA stärken jene in den USA und Israel, die auf einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm drängen. Denn, so ihre Argumentation, Sanktionen, Sabotageakte und Cyber-Angriffe gegen die Anlagen können den Fortschritt des Nuklearprogramms nicht entscheidend bremsen. Besonders der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak drängt offenbar auf einen raschen Militärschlag. Zeitungen in Israel berichteten zuletzt, dass ein Angriff schon "innerhalb der nächsten zwölf Wochen" bevorstehen könne. Ähnliche Prophezeiungen waren in den vergangenen Jahren des Öfteren zu lesen, stets erwiesen sie sich als falsch.

Dennoch bleiben die Äußerungen aus Israel offenbar nicht ohne Wirkung. Als Kompromissangebot könnte Teheran daher doch noch einer Inspektion der Anlage in Parchin zustimmen. Entsprechende Vorbereitungen hätten die Iraner jedenfalls getroffen. Satellitenbilder sollen belegen, dass auf dem Gelände umfangreiche Aufräumarbeiten stattgefunden haben. Mögliche Beweise für Waffentests in Parchin wären damit bei einem Besuch der Inspektoren wohl längst vernichtet.

syd

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insgesamt 45 Beiträge
wschwarz 24.08.2012
" Mögliche Beweise für Waffentests in Parchin wären damit bei einem Besuch der Inspektoren damit wohl längst vernichtet." Dieser Satz reicht, um die Wahrheit des ganzen Artikels anzuzweifeln. Ich glaube, hier wird schon [...]
" Mögliche Beweise für Waffentests in Parchin wären damit bei einem Besuch der Inspektoren damit wohl längst vernichtet." Dieser Satz reicht, um die Wahrheit des ganzen Artikels anzuzweifeln. Ich glaube, hier wird schon mal vorsorglich Kriegshetze betrieben.
kantundco 24.08.2012
Vor dem Dollar-Crash kommt der Krieg als Ablenkungsmanöver. Man bereitet schon mal vor. Denn der Dollar ist reifer als Euro. Und die USA sind wirtschaftlich am Boden und haben nur noch militärisch etwas zu melden.
Vor dem Dollar-Crash kommt der Krieg als Ablenkungsmanöver. Man bereitet schon mal vor. Denn der Dollar ist reifer als Euro. Und die USA sind wirtschaftlich am Boden und haben nur noch militärisch etwas zu melden.
FunBaer 24.08.2012
Ich weiß Nichts, über den Wahrheitsgehalt der Meldung, aber Alles, was mit dem Iran und Atomwaffen zu tun hat, macht mir einfach Angst.
Ich weiß Nichts, über den Wahrheitsgehalt der Meldung, aber Alles, was mit dem Iran und Atomwaffen zu tun hat, macht mir einfach Angst.
Moxxo 24.08.2012
Und auch wenn die Geschichte vom nuklearen Perser hundertmal wiederholt wird: Uranzentrifugen sind als casus belli ziemlich dürftig. Und die beständigen Andeutungen, iranische AKW's zu zerstören und dafür weitflächige [...]
Zitat von sysopIrans Regime forciert offenbar sein Nuklearprogramm. Nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde soll Teheran in den vergangenen Monaten tausend neue Zentrifugen installiert haben, mit denen Uran angereichert werden kann. Israels Außenminister Barak drängt auf einen Militärschlag.
Und auch wenn die Geschichte vom nuklearen Perser hundertmal wiederholt wird: Uranzentrifugen sind als casus belli ziemlich dürftig. Und die beständigen Andeutungen, iranische AKW's zu zerstören und dafür weitflächige Strahlenverseuchung in Kauf zu nehmen, dürfte die Angelegenheit nicht eben entschärfen. Die bisherige Kanonenbootdiplomatie war jedenfalls ein Reinfall.
H.Baumler 24.08.2012
Wozu zählen Sie denn die Ermordung iranischer Physiker, die zT. auf offener Straße erschossen wurden oder mit Autobomben in die Luft gesprengt wurden? Aber: Also warum wollen der irren Barack und Netanjahu den [...]
Zitat von sysopIDie neuen Erkenntnisse der IAEA stärken jene in den USA und Israel, die auf einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm drängen. Denn, so ihre Argumentation, Sanktionen, Sabotageakte und Cyberangriffe gegen die Anlagen können den Fortschritt des Nuklearprogramms nicht entscheidend bremsen.
Wozu zählen Sie denn die Ermordung iranischer Physiker, die zT. auf offener Straße erschossen wurden oder mit Autobomben in die Luft gesprengt wurden? Aber: Also warum wollen der irren Barack und Netanjahu den Iran nochmal angreifen? Ach ja, wegen der vielzitierten, falschzitierten Rede von Ahmadinedschad? Wer meint das würde einen Militärschlag/Angriffskrieg rechtfertigen, hat meiner Meinung nach nicht mehr alle Tassen im Schrank! Schönen Tag!
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  • Freitag, 24.08.2012 – 11:43 Uhr
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

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Uran und Atomwaffen
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.

Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.


Republik Iran
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Chronik
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.



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