Zwischenfall mit US-Drohne: Iran bestätigt Schüsse auf unbekannte Maschine

Iran hat Angaben des Pentagon widersprochen, laut denen Kampfjets eine US-Drohne in internationalem Luftraum attackiert hätten. Das Militär habe auf eine "unbekannte" Maschine gefeuert, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Diese sei jedoch in den Luftraum Irans eingedrungen.

Spannung am Persischen Golf: US-Drohnen gegen Iran Fotos
USAF

Washington/Teheran - Die iranische Regierung hat sich zu US-Angaben geäußert, denen zufolge iranische Flugzeuge am 1. November eine amerikanische Drohne beschossen haben. Es sei auf eine "unbekannte" Maschine gefeuert worden, die in den iranischen Luftraum eingedrungen sei, sagte Verteidigungsminister Vahidi laut der Nachrichtenagentur Fars.

Das Pentagon hatte zuvor berichtet, dass zwei Kampfflugzeuge vom Typ "Su-25" die Aufklärungsdrohne während eines routinemäßigen Überwachungsflugs attackiert hätten - in internationalem Luftraum über dem Persischen Golf. Die Drohne sei jedoch unbeschadet zum Stützpunkt zurückgekehrt.

US-Drohnen würden nie im iranischen Luftraum operieren, sagte Pentagon-Sprecher George Little - und deutete mögliche Konsequenzen an: Es gebe eine "breite Palette von Optionen aus diplomatischen und militärischen Optionen, um Truppen und Einsatzgeräte zu schützen" - und "wenn es nötig ist, werden wir das tun". Man habe Teheran mitgeteilt, dass die Einsätze der Drohnen in der Golfregion fortgesetzt würden, sagte Little.

Neue Atomgespräche im Dezember

Die iranische Regierung reagierte nun Verhalten auf die Vorwürfe. Verteidigungsminister Vahidi nahm keinen Bezug auf die Anschuldigungen, präsentierte den Vorfall aber als Erfolg: "Dank der Wachsamkeit und Entschlossenheit der iranischen Kräfte war das Flugzeug gezwungen zu fliehen."

Beobachter werten die moderate Reaktion Irans als Zeichen dafür, dass die Regierung in Teheran womöglich Interesse an einer Entspannung der Beziehungen mit den USA hat. "Mit Obama kann Iran zumindest hoffen, aus der jetzigen Krise herauszukommen", sagte ein iranischer Politologe.

Das Land ist aufgrund des Atomstreits zunehmend isoliert und von harschen wirtschaftlichen Sanktionen betroffen. Die Landeswährung Rial hat seit Jahresanfang zwei Drittel ihres Wertes verloren.

Die USA und andere westliche Mächte verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel der friedlichen Kernkraftnutzung an einer Atombombe zu arbeiten. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA kündigte am Freitag an, im Dezember Atomgespräche mit Iran in Teheran zu führen. Das Treffen soll auf eine mögliche Wiederaufnahme der Atomverhandlungen mit Iran im neuen Jahr hinarbeiten.

usp/dpa/dapd

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1.
ruediger 10.11.2012
Zitat von sysopIran hat Angaben des Pentagon widersprochen, laut denen Kampfjets eine US-Drohne in internationalem Luftraum attackiert hätten. Das Militär habe auf eine "unbekannte" Maschine gefeuert, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Diese sei jedoch in den Luftraum Irans eingedrungen. Iran dementiert US-Angaben zur Attacke auf eine Drohne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-dementiert-us-angaben-zur-attacke-auf-eine-drohne-a-866429.html)
Ich denke, dass die Droheneinsätze (die natürlich auch im Luftraum von Ländern stattfinden, die diese nicht wolllen) von Friedensnobelpreisträger Obamaha sicher nicht in Ordnung gehen, sondern einen Akt terroristischer Bedrohung darstellen. Man muss sich nur mal vorstellen, wie die amerikanische Reaktion wäre, wenn eine bewaffnete iranische Drohne 20 km vor New York fliegen würde (geschweige denn, über New York). Die Lage in Pakistan, Sudan und Jemen zeigen deutlich, dass dem von den Drohnen ausgehenen Hegemonieanspruch entgegen getreten werden muss, wenn man verhindern will, dass ein amerianischer Präsident (welcher auch immer) die Ermordung beliebiger Zibikisten anordnen kann, ohne dabei eigene Soldaten zu gefährden.
2. öhm
ohnelos 10.11.2012
Die drohne ist sicher kein russisches fluggerät, deshalb wird sie wohl kaum eine su25 sein. Damit sind wohl die zwei iranischen abfangjäger gemeint. Wenn jedesmal abfangjäger starten würden wenn etwas vor dem iran in internationalem luftraum rumsegelt, dann hätte es sicher bald kein flugbenzin mehr im iran. Eine scheinheilige erklärung der amerikaner, die drohne hätte sich nicht über dem iran befunden..
3. Das ist zumindestens logisch.
arnsloth 10.11.2012
Was soll es für den Iran für einen Sinn machen, ein USA-Objekt in internationalen Räumen anzugreifen. Zumindestens Europäer dürften sich diese Frage stellen.
4.
marcshit 10.11.2012
Zitat von sysopDas Pentagon hatte zuvor berichtet, dass zwei Kampfflugzeuge die Aufklärungsdrohne vom Typ "Su-25" während eines routinemäßigen Überwachungsfluges attackiert hätten
Die Drohne war wohl eher vom Typ "Predator" und die angreifenden Flugzeuge vom Typ Su-25.
5. Kriegsdrohungen wegen einer Drohne.
rolandjulius 10.11.2012
George Little hat ein sehr kurzes Gedächtnis, denn wie kamen die Perser an die, auf ihrem Land , kürzlich abgestürzte Drohne? Die Amis, das haben wir aus der Geschichte gelernt,haben schon manchen Krieg durch Falschmeldungen provoziert. Gibt es denn dagegen über- haupt kein Mittel? Ich freue mich, wenn die Alleinherrschaft der Amis endlich vorbei ist. Dann gibt es wieder Kalten Krieg, der fordert aber weniger Tote.
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS
Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.