Reiche Iraner bei Instagram Die Angeber von Teheran

Protzen mit der Luxuskarre: In Iran sorgt das Instagram-Konto "Rich Kids of Tehran" für Wirbel. Reiche Bürger zeigen dort, was sie haben. Doch nun schlägt die "Unterschicht" zurück.

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Iranerinnen beim Shopping: Teherans Oberschicht lässt es sich gutgehen
AFP

Iranerinnen beim Shopping: Teherans Oberschicht lässt es sich gutgehen


Teheran - Die Fotos geben direkte Einblicke in die Welt der superreichen Iraner. Die Kinder der Mächtigen - oder die Mächtigen selbst - posieren mit dicken Sportwagen und übergroßer Rolex am Handgelenk. Seit einigen Wochen gibt es den Instagram-Kanal "Rich Kids of Tehran", wie das auf den Nahen Osten spezialisierte Nachrichtenportal "Al-Monitor" berichtet. Und er sorgt für mächtig Aufregung.

Auf den Fotos sind junge Frauen in Bikinis am Pool zu sehen, während auf der Straße strenge Kleidervorschriften gelten. Alkohol fließt reichlich, die Luxusgesöffe aus dem Westen, mitten in der Islamischen Republik.

Im Schatten des undurchsichtigen, autoritären Systems blüht die Korruption. Wer mit den richtigen Leuten auf gutem Fuß steht, kann Millionen verdienen. Das spiegelt sich im Kaufverhalten der Oberschicht wider. In keiner Stadt im Nahen Osten hat Porsche 2011 mehr Autos verkauft als in Teheran - selbst in Dubai oder Riad nicht, berichtete das britische Magazin "The Economist".

Die Superreichen sind oft Ex-Revolutionsgardisten, Religiöse oder Mitglieder einflussreicher Kaufmannsfamilien. Der Ajatollah selbst steht mehreren Islam-Stiftungen vor, die immense Vermögen verwalten. Die Organisation "Transparency International" zählt Iran zu den korruptesten Ländern der Welt.

Das Leben der meisten Iraner sieht anders aus

Das Leben der meisten Iraner sieht anders aus, als es bei "Rich Kids of Tehran" erscheint. Die harschen Sanktionen und die verheerende Wirtschaftspolitik des Ex-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad haben der Wirtschaft schwer geschadet. Viele Iraner müssen schauen, wie sie über die Runden kommen.

Selbst für Mitglieder der Mittelklasse ist beispielsweise Hühnchenfleisch inzwischen ein seltener Luxus. Die Preise waren unter Ahmadinedschad rasant gestiegen. Nachfolger Hassan Rohani versucht, die Inflation in den Griff zu bekommen.

Als Antwort auf die Protzbilder der Reichen zeigt nun das Instagram-Konto "Poor Kids of Tehran", wie es denjenigen am Rande der Gesellschaft ergeht. Dort sind Kinder zu sehen, die sich als Straßenverkäufer durchschlagen oder betteln müssen.

Ein anderes Foto schneidet einen Superreichen mit seinem teuren deutschen Importauto und seiner Luxusuhr gegen einen normalen Iraner. Dieser bewegt ein einfaches Zamyad-Auto aus Irans einheimischer Produktion und trägt eine Billiguhr.

Die Macher der Instagram-Accounts sind unbekannt. Die Fotos der "Rich Kids" legen aber zumindest nahe, dass hier jemand tatsächlich in höchsten Kreisen verkehrt. Hinter den "Poor Kids" steckt hingegen vermutlich kein verarmter Iraner - der hätte kaum eine Kamera und einen Internetzugang. Wahrscheinlicher sind politisch engagierte Iraner, die Veränderungen in der Gesellschaft fordern. 2009 erschütterten ihre Proteste als "Grüne Bewegung" das Land.

Auf Instagram haben sich die "Poor Kids" vorerst durchgesetzt. Nachdem internationale Medien wie die britische BBC über die Superreichen berichteten, ist ihr Konto nun vorerst stillgelegt. Die Rich Kids selbst begründen diesen Schritt mit vermeintlich verzerrender Berichterstattung.

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insgesamt 34 Beiträge
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jjcamera 12.10.2014
1. Harsch
Die "harschen" Sanktionen des Westens haben im Iran anscheinend auf die, die sie treffen sollen, keine Wirkung. So ist es auch in Russland: die Reichen werden noch reicher, die wegen der Sanktionen gestiegenen Preise für den Lebensunterhalt zahlt der kleine Mann, nicht Herr Putin.
fleischwurstfachvorleger 12.10.2014
2. Rich kids of Germany
Lächerlich - bei uns sind doch die Verhältnisse sehr ähnlich! Die Super-Super-Reichen protzen allerdings nicht mit ihrem Geld, sondern genießen es still unter ihresgleichen.
mail-sms 12.10.2014
3. Der ganz normale Wahnsinn einer Diktatur
so wie es vor tausend Jahren war, so wie es Heute ist. Nur die Luxus-Objeke sind die anderen.
megamekerer 12.10.2014
4. Es ist lächerlich...
in Iran geht ums Leben und Tod, diese Leute, die ihre Reichtum hier zeigen sind alle Kinder der Mullahs, Revolutionsgarden, Paramilitär, und Regierungsangehörige, ich wurde mich nicht wundern wenn der Sohn von Ahmadienejad mit dem Sohn von Rohanie ein Rennen mit ihre Lambo auf teheraner Straßen veranstalten. Bei alle andere Menschen in Iran geht es darum wie bekomme ich meine Kinder heute satt. Iran ist in eine schlimme Zustand, als der Schah Iran verließ gab es in Teheran kein Obdachlose, niemand schlief auf der Straße. vor ein paar Jahren habe ich von eine Geschwister gehört die Nachts in einen Zelt schliefen und den Zelt mit Stein-Kohle wärmten, man fand diese Kinder am nächsten Tag erstickt in ihrem Zelt. In Iran gilt keine Menschenrechte, dort sind das Wohl der Kinder egal, der religiöse Führer verlangt vom Volk mehr Kinder (Söhne) zu machen um mehr Soldaten für die Zukünftige Kriege an der Front senden zu können. Iran plant nur Kriege, das Regime in Teheran kennt keine Frieden und keine Menschlichkeit, für sie zählt nur Schaaria und tägliche Hinrichtung als Abschreckung des Volkes. Mit Angst und Schrecken bewahrt das Regime in Teheran seinen Macht und bereitet sich vor Israel anzugreifen. Es ist lächerlich solche dumme Nachrichten aus Instagram in Spon zu lesen, Spon ist beste politische Nachrichtenportal in Deutschland, haltet bitte euch an wichtigere Themen und bleibt Sachlich.
tomcat247 12.10.2014
5. es läuft ...
... von irgendwas muß ja audi etc. leben. oder sehe ich was verkehrt?
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