Massenproteste Trump stellt sich hinter iranische Regimegegner

Mehr als 20 Menschen starben bislang, Hunderte wurden bei den Protesten in Iran festgenommen: US-Präsident Trump hat den Demonstranten nun Unterstützung zugesagt - "zu gegebener Zeit".

Regimekritischer Protest in Iran am Samstag
AP

Regimekritischer Protest in Iran am Samstag


US-Präsident Donald Trump hat den in Iran protestierenden Menschen Respekt gezollt. "Das iranische Volk versucht, seine korrupte Regierung abzusetzen", schrieb Trump auf Twitter. Er versprach: Man werde "zu gegebener Zeit eine kräftige Unterstützung seitens der Vereinigten Staaten" erleben. Trump hatte bereits zuvor mitgeteilt, in dem Land sei es an der "Zeit für Wechsel".

Wann und wie er den Menschen in Iran helfen will, ließ Trump offen. Viele Iraner protestieren vor allem gegen ihre schlechte wirtschaftliche Lage, gegen die Preise für Lebensmittel und gegen die Arbeitslosigkeit. Inzwischen richten sich die Stimmen auch gegen das Regime selbst: Auf den Straßen sind Rufe wie "Wir wollen keine Islamische Republik" zu hören.

Trump lobte die Demonstranten dafür, "endlich gegen das brutale und korrupte iranische Regime vorzugehen". In Anspielung auf mögliche Sanktionen als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen sagte Trump, die Vereinigten Staaten würden die Situation genau überwachen. Er twitterte: "Die USA schauen zu!"

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Proteste gegen das Regime: Gewalt auf Irans Straßen

Für den US-Präsidenten könnten die Proteste eine willkommene Gelegenheit sein, gegen die iranische Führung zu mobilisieren - das 2015 geschlossene Atomabkommen mit dem Land lehnt er entschieden ab. Nach seinem Amtsantritt erließ er ein Einreiseverbot gegen Menschen aus dem muslimisch geprägten Land.

Seit Ausbruch der Proteste vor rund einer Woche ließ die iranische Führung Hunderte Demonstranten festnehmen. Dem Uno-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein zufolge kamen mehr als 20 Menschen ums Leben. Die Kundgebungen begannen in der zweitgrößten Stadt des Landes, Mashhad, und breiteten sich von dort aus.

Um den Protestierenden in der Islamischen Republik Rückhalt zu zeigen, hat die US-Botschafterin bei der Uno, Nikki Haley, nun eine Sitzung des Sicherheitsrats zu dem Thema angeregt. "Wir wollen die Stimmen des iranischen Volkes verstärken", sagte Haley.

Die Vorwürfe, die Proteste würden von den USA, Saudi-Arabien und Großbritannien geschürt, seien "kompletter Unsinn" - die Unzufriedenheit sei hausgemacht. Das Regime in Teheran hatte zuvor mitgeteilt, "Feinde von Iran" im Ausland würden versuchen, das Land zu destabilisieren.

Der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Khamenei, behauptete, die Länder würden mit Geld, Waffen, Politik und Spionen versuchen, "dem islamischen System, der Islamischen Republik und der Islamischen Revolution Probleme zu bereiten".

Über die genauen Hintergründe der größten Proteste seit den Präsidentschaftswahlen 2009 ist insgesamt noch wenig bekannt. Das Regime mobilisierte laut Staatsfernsehen inzwischen aber auch selbst seine Anhänger. (Lesen Sie hier die Analyse: Blackbox Iran)

Video zu Iran-Protesten: Tote bei Angriff auf Polizeistation

apr/AP/dpa

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