Iran Scharfmacher Ahmadinedschad zum Schlichter ernannt

Neuer Job für Irans Ex-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad: Ausgerechnet der berüchtigte politische Hassprediger soll künftig bei Konflikten zwischen dem Parlament und dem religiösen Wächterrat vermitteln.

Wutredner Mahmud Ahmadinedschad (Archiv): Jetzt soll er Frieden stiften
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Wutredner Mahmud Ahmadinedschad (Archiv): Jetzt soll er Frieden stiften


Teheran - Zwei Tage nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt ist Mahmud Ahmadinedschad zum Mitglied im Schlichtungsrat ernannt worden. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei würdigte die "reichhaltige Erfahrung", die der bisherige Präsident "während der acht Jahre wertvoller Bemühungen" erworben habe - und ernannte den 56-Jährigen zum Mitglied des Gremiums. Der Schlichtungsrat wird von dem früheren Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani geleitet, der ein scharfer Kritiker Ahmadinedschads ist.

Der Rat wurde in den Achtzigern geschaffen, um bei Konflikten zwischen dem Parlament und dem Wächterrat zu vermitteln. Zudem berät der Rat das geistliche Oberhaupt, das die Mitglieder ernennt und dem Gremium laut Verfassung jede Art von Aufgaben übertragen kann. Zwar ist die Entsendung früherer Regierungsmitglieder in den Schlichtungsrat üblich, doch die Ernennung Ahmadinedschads überrascht - auch weil sein Verhältnis zu Chamenei zuletzt gespannt war.

Während seiner achtjährigen Amtszeit legte sich Ahmadinedschad wiederholt mit dem geistlichen Oberhaupt an. Auch mit Parlament und Justiz lieferte sich der Holocaust-Leugner einen erbitterten Streit um Kompetenzen. Für einen Eklat sorgte im Februar sein öffentlich ausgetragener Schlagabtausch mit Parlamentspräsident Ali Laridschani, dem er Korruption und Vetternwirtschaft vorwarf.

Sein Nachfolger im Präsidentenamt ist Hassan Rohani. Er wurde am Sonntag vereidigt.

mon/AFP



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