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08. November 2017, 20:00 Uhr

Kampf um Vorherrschaft

Irans gefährlicher Siegeszug

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Die iranische Führung knüpft geschickt neue Bündnisse, stärkt ausländische Milizen - und setzt aggressiv ihre Interessen durch. Die Regionalmacht destabilisiert den gesamten Nahen Osten.

Die Stimmung ist gut, wenn man in diesen Tagen mit iranischen Diplomaten spricht. Kein Wunder, denn Teheran erringt in diesen Tagen in der angespannten Lage im Nahen Osten einen Sieg nach dem anderen - politisch, wirtschaftlich und militärisch.

Seit Langem strebt Irans Führung an, das Land wieder als die Regionalmacht zu etablieren und damit auch die Macht der Schiiten in der islamischen Gemeinschaft zu stärken. In den zurückliegenden Wochen und Monaten ist es Iran gelungen, seine Interessen durchzusetzen und seine Position zu stärken - unabhängig von den internationalen Sanktionen, die trotz des vor zwei Jahren unterzeichneten Atomabkommens zum Teil greifen:

Doch der wachsende Einfluss Teherans sorgt auch für eine Destabilisierung in der Region: Am Beispiel Libanon wird besonders deutlich, dass im Zentrum der einzelnen Konflikte meist die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran steht - und damit zwischen Sunniten und Schiiten, für die diese beiden Länder stellvertretend stehen. Beide religiösen Strömungen innerhalb des Islam streiten seit 1300 Jahren über die Erbfolge und mithin darüber, wer den "wahren" Islam vertritt.

Hinzu kommt die Feindschaft zwischen Iran und Israel, stellvertretend für die zwischen Muslimen und Juden - hier wiederum funktioniert das Prinzip "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" nicht, Saudi-Arabien ist keineswegs ein Verbündeter Israels, sondern steht diesem Staat ebenso feindselig gegenüber wie Iran.

Diese aus Sicht Irans außenpolitischen Erfolge nutzen dem Regime in Teheran auch innenpolitisch, denn das sitzt längst nicht so fest im Sattel, wie es den Anschein haben mag. Iran, bis zur "Islamischen Revolution" 1979 durch Ajatollah Khomeini ein durchaus modernes, aber vom Schah von Persien autoritär regiertes Land, in dem die Menschen sich zum Beispiel kleideten, wie sie wollten, ist bis heute tief gespalten. Die iranische Gesellschaft ist zerstritten über die Frage, ob die Islamische Republik Iran wirklich ein Gottesstaat sein soll oder doch eine säkulare Republik.

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