Umgehung von Sanktionen Iranisches Gericht verurteilt Milliardär zum Tode

Mit zwielichtigen Geschäften soll der Oligarch Babak Zanjani der Regierung in Teheran jahrelang geholfen haben, das Ölembargo zu umgehen. Nun hat ein Gericht den Milliardär zum Tode verurteilt.


Im Kampf gegen die Korruption schreckt Iran auch vor der Todesstrafe nicht zurück. Das bekommt nun der schwerreiche Geschäftsmann Babak Zanjani zu spüren. Ein Gericht hat den Oligarchen und zwei mutmaßliche Komplizen wegen Untreue zum Tode verurteilt. Sie sollen der früheren iranischen Regierung um Präsident Mahmud Ahmadinedschad geholfen haben, die internationalen Ölsanktionen gegen das Land zu umgehen.

Das Islamische Gericht befand die Angeklagten für schuldig, "die Korruption auf der Welt verbreitet" zu haben, und verurteilte sie auch zur Rückzahlung von Geldern, die sie unter anderem von der staatlichen iranischen Ölgesellschaft veruntreut haben sollen. Das erklärte der Generalstaatsanwalt im iranischen Fernsehen. Die Verurteilten können noch Berufung gegen die Entscheidung einlegen.

Zanjani, der angeblich über ein Vermögen von rund zehn Milliarden Dollar verfügt, gilt als eine zentrale Figur beim Versuch der früheren iranischen Regierung, die ab 2010 geltenden Sanktionen gegen das Land zu umgehen. Über ein Netz von mehr als 60 Firmen mit Sitzen in den Vereinigten Arabische Emiraten, der Türkei und Malaysia soll er heimlich Millionen Barrel iranischen Öls verkauft haben. Der Geschäftsmann stand deswegen auch auf der schwarzen Liste der USA.

Nachdem der gemäßigte Hassan Rohani im Jahr 2013 das Präsidentenamt übernommen hatte, begannen intensive Ermittlungen gegen diverse Korruptionsbanden. Dabei wurde unter anderem Zanjani festgenommen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, dem Staat 2,7 Milliarden Dollar zu schulden.

Die internationalen Sanktionen gegen Iran wurden erst zu Beginn dieses Jahres zum Großteil aufgehoben. Im Gegenzug verpflichtete sich die Führung in Teheran, das Atomprogramm des Landes zurückzufahren und unter strenge Kontrollen zu stellen.

stk/Reuters/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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joG 06.03.2016
1. Um Gelder dieser Größenordnung. ....
.....veruntreut zu haben, müssen in Politik und Verwaltung viele Teil gehabt haben. Das ist vermutluch wie bei der fifa oder in Russland.
iansteiner 06.03.2016
2. Aufräumen..
Die Sanktionen sind weg und jetzt wird aufgeräumt. Öl kann jetzt ja wieder legal verkauft werden und da stören Zwischenhändler nur.
Fuscipes 06.03.2016
3.
Der Oligarch Babak Zanjani soll der Regierung in Teheran jahrelang geholfen haben, das Ölembargo zu umgehen. Das kann nur in beiderseitigem Interesse geschehen sein. Vermutlich hat er dabei zu sehr auf eigene Rechnung gearbeitet, daher geht man jetzt gegen ihn vor. Knapp 3 Mrd. sind kein Pappenstiel, die schwarze Liste der USA, da steht der Iran immer noch drauf, aber man wird der Rohani Regierung die entsprechenden Zahlen geliefert haben.
FischerKielSchwerin 06.03.2016
4. Korruption im Iran
Die Korruption ist ein Phänomen, das seit Jahrzehnten die gesamte iranische P olitik und Wirtschaft beherrscht. Obwohl sämtliche Regierungen diesem Phänomen den Kampf ansagten, hat sich die Korruption immer weiter ausgebreitet. Nun hat die Regierung Rohani eine Tagung veranstaltet, an der auch Vertreter der Legislative und Judikativ e teilnahmen. Hauptredner war der Präsident, der in seinem Redebeitrag versuchte, den Kern des Übels zu benennen. „Wenn sich Informationen, Waffen, Geld, Zeitungen, Agenturen und andere Machtinstrument in einer Hand konzentrieren, würde selbst ein Heiliger in dieser Lage dem Verderben anheimfallen", sagte Rohani. „Ein Teil der Menschen im Land glaubt, die Verantwortli chen seien über die Korruption informiert, leisten jedoch keinen Widerstand dagegen. Also sind sie selbst korrupt. Andere denken, die Verantwortlichen seien nicht in der Lage, den Kampf gegen die Korruption aufzunehmen. Beide Ansichten stellen das gesamte Staatssystem infrage und unterstellen der Regierung Unfähigkeit, eines der Ziele der Revolution, die Korruption auszurotten, zu erreichen", sagte Rohani (Zitat: Heinrich Böll Stiftung, 01/2015)
eckawol 06.03.2016
5. Alte Rechnungen begleichen,
das ist das Ergebnis im Zuge des Wandels in einem Staat wie der Iran
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