Iran: Gerüchte über Explosion in wichtiger Atomanlage
Es ist ein unbestätigter Bericht, der mit großer Vorsicht zu lesen ist - doch sollte er stimmen, dann muss Irans Atomprogramm einen schweren Schlag hinnehmen: In der unterirdischen Anlage von Fordo soll es eine Explosion gegeben haben, mehr als 100 Arbeiter wurden angeblich eingeschlossen.
Berlin - Der Fels unter Fordo birgt ein dunkles Geheimnis. In der Nähe des iranischen Örtchens betreibt das Regime in Teheran eine lange versteckt gehaltene Anlage seines umstrittenen Atomprogramms. Der Ende vergangenen Jahres fertiggestellte Komplex auf einem früheren Militärgelände ist zentral für die Uran-Anreicherung - auch wenn in der Anlage in Natans deutlich mehr Zentrifugen stehen.
Doch Fordo bietet der iranischen Führung einen anderen wichtigen Vorteil: Die Unterbringung tief im Fels schützt den Komplex vor Luftangriffen. Experten gehen davon aus, dass die Anlage selbst mit bunkerbrechenden Bomben nicht zu erreichen wäre. Auf Satellitenbildern sind die Eingänge des Tunnelsystems gut zu erkennen, doch was im Inneren passiert, ist nur schwer herauszubekommen.
Deswegen ist es auch sehr schwierig, ein derzeit kursierendes Gerücht zu bewerten: In Fordo, so heißt es, habe sich eine schwere Explosion ereignet. Quelle der Information ist der Iran-Experte Reza Khalili, der bereits am vergangenen Donnerstag auf der konservativen US-Webseite WND über die vermeintliche Detonation geschrieben hatte. Die Detonation habe sich am vergangenen Montag ereignet, also unmittelbar vor der Parlamentswahl in Israel.
Zeitungen wie das israelische Blatt "Yedioth Ahronoth", die inzwischen über die vermeintlichen Vorfälle berichten, berufen sich allesamt auf WND und Reza Khalili. Und der wiederum will die Information von dem früheren iranischen Geheimdienstler Hamid Reza Zakeri bekommen haben. Bestätigt wurde der Bericht freilich bis heute nicht, weder von iranischen Offiziellen noch von westlichen Geheimdiensten.
Aktion im James-Bond-Stil - oder doch nur Propaganda?
Allerdings will die "Welt am Sonntag" nun mit einem weiteren "Iran-Experten mit Geheimdienstkontakten" gesprochen haben. Und auch dieser Mann habe Informationen zu dem Zwischenfall, heißt es in einem Bericht der Zeitung. Bei der Explosion seien 190 Arbeiter der Nuklearanlage von der Außenwelt abgeschlossen worden.
Khalili hatte gar von 240 Eingeschlossenen berichtet. Die beiden Fahrstühle in der Anlage seien unbenutzbar, ebenso ein Not-Treppenhaus. Die iranischen Behörden gingen dem Bericht zufolge von einem Sabotageakt aus. Tagelang hätten Rettungstrupps es nicht geschafft, zu den Eingeschlossenen vorzudringen, so Khalili.
Würde der Bericht stimmen, dann müsste Iran einen schweren Schlag gegen sein umstrittenes Atomprogramm hinnehmen. Hat sich gar eine Aktion im James-Bond-Stil als wirksames Mittel erwiesen? Allen Schutzmaßnahmen zum Trotz? Die iranische Regierung hatte bereits in der Vergangenheit erklärt, Saboteure hätten Fordo heimgesucht. So sei die Stromzufuhr im August 2012 mit einer Bombe zerstört worden. Israels Heimatschutzminister erklärte nun gegenüber "Yedioth Ahronoth" etwas nebulös: Jede Explosion sei willkommen, die iranische Anlagen beschädige, aber keine Menschen verletze.
Man kann diesen Satz als Bestätigung für die Berichte aus Fordo sehen - man muss es aber nicht. Es ist durchaus möglich, dass es sich um eine gezielt gestreute Desinformation handelt. Natürlich mag es der eine oder andere im Akteur im Westen für erstrebenswert halten, die iranische Führung und ihr Atomprogramm als verwundbar darzustellen. WND verweist wiederum darauf, bereits in der Vergangenheit exklusive Nachrichten zum iranischen Atomprogramm verbreitet zu haben.
In Fordo wird Uran in mehr als 2000 Zentrifugen auf 20 Prozent angereichert. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Freitag einen ungenannten EU-Diplomaten zitiert, wonach die Anlage ihren Ausstoß kurzfristig vervierfachen könne.
Vor allem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat immer wieder vor der vermeintlichen Gefahr durch das auf 20 Prozent angereicherte Uran gewarnt. Einem IAEA-Bericht zufolge verfügte Iran im November vergangenen Jahres über 135 Kilogramm solchen Materials. Für eine Atombombe bräuchte man etwa 250 Kilogramm, die außerdem auf 90 Prozent angereichert werden müssten.
chs
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- Sonntag, 27.01.2013 – 17:23 Uhr
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Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.


Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.
Fläche: 1.648.195 km²
Bevölkerung: 74,962 Mio.
Hauptstadt: Teheran
Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei
Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad
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