Iran Rohani schließt Verhandlungen über Raketenprogramm aus

Die iranische Regierung weigert sich, Gespräche über das Waffenprogramm des Landes zu führen. Auch von einer Neuverhandlung des Atomabkommens will Präsident Rohani nichts wissen.

Hassan Ruhani
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Irans Präsident Hassan Rohani hat Verhandlungen über das iranische Raketenprogramm ausgeschlossen. "Wir werden mit niemandem über unsere Waffen verhandeln", sagte Rohani in Teheran. Iranische Raketen seien ausschließlich zur Verteidigung bestimmt. Auch seien sie nicht als Träger von Massenvernichtungswaffen gedacht, da Iran solche Waffen gar nicht besitze.

Rohani schloss auch eine Neuverhandlung des Atomabkommens aus. Es sei "weder verhandelbar, noch kann es neu geschrieben werden", sagte er angesichts des Drängens von US-Präsident Donald Trump, die internationale Vereinbarung von Juli 2015 zu ergänzen. Der Schlüssel zu den Problemen liege in Washington, sagte Rohani. Wenn die USA ihre Drohungen und Sanktionen beendeten, werde sich die Lage automatisch verbessern.

Trump droht seit seinem Amtsantritt immer wieder, das zwischen Iran und den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland geschlossene Atomabkommen aufzukündigen. Den Ausbau des iranischen Raketenprogramms sieht er als Verstoß gegen das Abkommen, obwohl dieses ausschließlich das Atomprogramm betrifft. Die EU-Staaten sind auch besorgt über das Raketenprogramm, wollen aber an dem Abkommen festhalten.

Türkei sollte Militäreinsatz in Syrien "schnellstens" beenden

Auch zum Militäreinsatz der Türkei in Syrien äußerte sich Rohani. Dieser müsse "schnellstens" beendet werden, sagte er. Eine ausländische Armee sollte nicht einfach in ein Land einmarschieren, ohne vorher die Zustimmung von Regierung und Volk dieses Landes zu haben, sagte Rohani: "Wenn dies nicht der Fall ist, dann sollte es auch nicht passieren."

Die militärischen Aktionen der Türkei würden nur zu weiteren Spannungen in der ganzen Region führen. Die territoriale Integrität Syriens solle respektiert werden. Außerdem kämen bei diesen Angriffen "sowohl unsere türkischen als auch kurdischen Brüder ums Leben". Davon würde keiner profitieren, und daher sei der Iran auch vehement gegen diese militärischen Operationen, sagte Rohani.

cte/AFP/dpa



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spontandemo 06.02.2018
1. Irgendwie verständlich
Kann man irgendwie verstehen, wenn man beobachtet, wie der ewige Kontrahent Saudi Arabien vom Westen auf- und hochgerüstet wird, das eine selbst hier Angst und Bange wird. Das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten kann man heute wohl vergleichen mit den Katholiken und Protestanten in der Zeit vor dem Westfälischen Frieden...
joG 06.02.2018
2. Wenn Iran Intercontinentalracketen....
....baut, kann es mit Nuklearbomben weltweit bedrohen. Sobald der Vertrag ausläuft, der die Entwicklung von atombomben verbietet, hat es dann das dazu notwendige Potential. Da mit den Achseln zu zucken ist grob fahrläßig. Aber wir wussten das, als der Vertrag unterzeichnet wurde. Unsere Politiker haben unverantwortlich bzw verantwortungslos gehandelt und Frankreich überstimmt als es die Entwicklung von Racketen im Vertrag haben wollte. Nun haben diese Politiker Ei auf der Weste und das aller grässlichste ist, dass man es sich von Einem wie Trump sagen lassen muss.
Celegorm 06.02.2018
3.
Solange die ganze Nachbarschaft und insbesondere Saudi-Arabien sich - u.a. mit tatkräftiger Unterstützung des Westens - hochrüstet und gerade die USA immer wieder Kriegsdrohungen verlauten lassen, solange scheint es geradezu bizarr, dass man einem spezifischen Land vorschreiben will, dass es keine Waffenentwicklung betreiben darf. Das würde ja auch kein anderes Land akzeptieren, schon gar nicht Staaten wie die USA oder Russland, die gar an neuen Atomwaffen basteln, Verträge hin oder her. Aber beim Iran muss offenbar unbedingt ein Kriegsgrund her..
M. Thomas 07.02.2018
4. Realsatire ... ?
Man kann an der Idee, ein anderes Land müsse willfährig seine geheimen Kammern öffnen, wenn ein machtvoller Gegner dies verlangt, erkennen, wie irre Weltpolitik mittlerweile geworden ist. Der Iran ist ein souveränes Land und steht gleichberechtigt neben anderen auf der Weltbühne. Wer also an den Iran Forderungen richtet, muss diese selbst erfüllen wollen und können, wenn sie an ihn selbst gerichtet würden. Man kann dem Iran sicherlich viel vorwerfen - aber wohl kaum, dass er sich aggressiver, unberechenbarer, dümmer, verrückter aufführe als die USA. Ich denke im Gegenteil, dass in Teheran ganz wesentlich ruhigere, besonnenere und zuverlässigere Verhandlungspartner sitzen als in Washington.
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