Fazit nach EU-Besuch Präsident Rohani feiert das "Ende der Iran-Phobie"

Hassan Rohani war gerade in Italien und Frankreich, nun zieht er Bilanz über die "wichtigsten Errungenschaften der Reise": Iran befinde sich wieder im Kreise der internationalen Gemeinschaft. Doch das ist nur die eine Seite.

Präsident Rohani (Archivbild 2014): Lob der Staatsbesuche in Italien und Frankreich
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Präsident Rohani (Archivbild 2014): Lob der Staatsbesuche in Italien und Frankreich


Nach dem Ende der Sanktionen gegen Iran ist Teheran wieder ein interessanter Geschäftspartner für das Ausland. Präsident Hassan Rohani besuchte kürzlich Italien und Frankreich, dort wurden milliardenschwere Wirtschaftsverträge geschlossen. Zurück in der Heimat hat Rohani nun während einer Kabinettssitzung ein positives Fazit seiner Reise gezogen.

"Das Ende der Iran-Phobie ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Reise gewesen", sagte er nach Angaben des Präsidialamtes. Rohani sehe sein Land nach langer Isolation wieder im Kreise der internationalen Gemeinschaft aufgenommen. Mit den unterzeichneten Verträgen werde dafür gesorgt, dass Iran sowohl von westlichen Investitionen als auch neuesten Technologien profitieren könne. Das werde im Land auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Das ist die eine Seite. Doch auf der anderen wird Rohanis Besuch nicht ausschließlich positiv in Erinnerung bleiben. In Italien beispielsweise herrschte große Empörung, weil für den Besuch aus Iran nackte antike Statuen verhüllt wurden - aus Rücksicht auf den muslimischen Glauben des Gastes. Und während Rohani in Europa weilte, erhob Amnesty International erneut schwere Vorwürfe gegen Iran: Dort drohe Dutzenden Jugendlichen die Hinrichtung, berichtete die Menschenrechtsorganisation.

Rohani plant weitere EU-Reisen

Rohani plant in diesem Jahr noch weitere Besuche in der EU: Nach Angaben seines Stabschefs Mohammed Nahawandian werde er nach Belgien und Österreich reisen. Ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest, meldete der iranische Nachrichtensender Press TV.

In Deutschland streitet die Große Koalition noch über die Frage, ob sie Rohani zu einem Besuch einladen soll. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist nach SPIEGEL-Informationen dafür, Kanzlerin Angela Merkel hält dagegen nichts von einem raschen Berlin-Besuch Rohanis. Iran unterstütze weiterhin die schiitische Hisbollah-Miliz, die Israel bedrohe und den Libanon destabilisiere, heißt es in ihrer Umgebung. Außerdem habe das Land im letzten Jahr 750 Menschen hingerichtet.

aar/dpa

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