Krieg in Syrien: Assad-Anhänger sollen in Iran ausgebildet werden

Assad-treue Kämpfer zeigen ihre Waffen in der Provinz Aleppo Zur Großansicht
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Assad-treue Kämpfer zeigen ihre Waffen in der Provinz Aleppo

Das Regime in Teheran hat offenbar seine Unterstützung für die Anhänger von Baschar al-Assad ausgeweitet. Einem Medienbericht zufolge werden regime-treue Milizionäre nach Iran eingeflogen. Dort werden sie in einem Trainingslager im Guerrilla-Kampf von Militärs unterrichtet.

Berlin - Assad-treue Milizionäre sollen zum Training nach Iran geschickt werden. Dies berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. Der Journalist hatte vier Unterstützer von Baschar al-Assad aus vier verschiedenen Milizen und Regionen unabhängig voneinander befragt. Ihre Berichte deckten sich.

"Es war ein 15-tägiger Kurs über Stadtkampf", sagte der Assad-Anhänger Samer dem Journalisten. Manche Ausbildungsgruppen hätten den Umgang mit Sturmgewehren und Boden-Luft-Raketen geübt. Andere seien Scharfschützen-Positionen zugeteilt worden.

"Der Kurs hat uns Guerrillakampf-Techniken gezeigt, und wie man am besten Überraschungsangriffe macht", berichtete Samer. Ein paar Gruppen der libanesischen Hisbollah seien zur selben Zeit in dem Lager ausgebildet worden. "Aber ich glaube ihr Training war härter."

Kurz nach Beginn des 15-jährigen libanesischen Bürgerkriegs hatte Iran begonnen, Libanesen militärisch zu trainieren. Daraus ging die Partei und Miliz Hisbollah hervor, die im Libanon zum wichtigsten Machtfaktor geworden ist. Im syrischen Bürgerkrieg verfolgt Teheran offenbar eine ähnliche Strategie, um sich Einfluss zu sichern - auch über ein mögliches Ende von Baschar al-Assad hinaus.

Iran unterstützt Syrien schon länger mit Militärausbildern und Beratern

Bisher war nur bekannt, dass Iran in Syrien selbst militärische Trainingskurse für Assad-Anhänger abhalten lässt. Der Chef der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Ali Dschafari, hatte im September 2012 erstmals bestätigt, dass Mitglieder seiner Truppe sich in Syrien aufhielten.

Erst kürzlich war es wohl syrischen Rebellen gelungen, einen Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden im syrisch-libanesischen Grenzgebiet zu töten. Zuvor hatten Syriens Aufständische monatelang iranische Revolutionsgardisten als Geiseln gehalten, bis Damaskus die 48 Iraner gegen mehr als 2000 syrische Aktivisten austauschte, darunter auch Rima Dali, die von Syriens Regime im November verhaftet worden war, weil sie ein Plakat mit der Aufforderung "Stoppt alle militärischen Operationen in Syrien" hochgehalten hatte.

Iran ist enger Verbündeter des syrischen Regimes und unterstützt es mit Geld und Waffenlieferungen. Im Januar stellte die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton fest, dass Iran angefangen habe, seine Unterstützung noch weiter auszubauen.

Auch Disziplin und Kampfgeist sollen auf dem Programm gestanden haben

Die vier Assad-Anhänger berichteten, dass sie vom Flughafen der syrischen Küstenstadt Latakia aus zum internationalen Flughafen von Teheran geflogen wurden. "Wir wurden sofort zu Bussen gebracht, und man sagte uns, wir sollten die Vorhänge geschlossen halten." Nach eineinhalb Stunden Fahrt sei man im Trainingslager angekommen. "Wir haben nichts außer dem Lager gesehen." Die meisten der iranischen Ausbilder hätten Arabisch gesprochen. Ein paar hätten Übersetzer zu Hilfe genommen.

"An unserem ersten Tag hat uns der iranische Offizier gesagt: 'Ich weiß genau, was in Syrien vorgeht, und ich sage euch eins - wenn ihr nur hier seid, weil ihr plündern wollt und nicht, weil ihr euer Land verteidigen wollt, dann werdet ihr einen grausamen Tod sterben und kommt in die Hölle!", erzählte der Milizionär Nabil aus der Stadt Homs.

Ein Großteil der ausgebildeten Milizionäre seien Alawiten gewesen, Mitglieder der konfessionellen Minderheit von Baschar al-Assads Clan. Der Rest der Gruppe habe sich aus Christen und Drusen zusammengesetzt. "Die Iraner haben dauernd wiederholt, dass dieser Krieg nicht gegen die Sunniten ist sondern für Syrien. Aber die Alawiten haben immer gesagt, sie wollen die Sunniten umbringen und ihre Frauen als Rache vergewaltigen", erzählte Samer.

Einige der grausamsten Massaker in Syrien im vergangenen Jahr gehen nach Berichten der Uno und internationaler Menschenrechtsorganisationen auf das Konto der Assad-treuen Milizen. Ihnen werden systematische Vergewaltigungskampagnen vorgeworfen. Inzwischen kommt es auch durch Aufständischengruppen immer häufiger zu brutalen Menschenrechtsverletzungen wie die Misshandlung und Ermordung von Menschen, die für Anhänger des syrischen Regimes gehalten werden.

ras

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insgesamt 25 Beiträge
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1. ...
ein anderer 04.04.2013
Zitat von sysopDas Regime in Teheran hat offenbar seine Unterstützung für die Anhänger von Baschar al-Assad ausgeweitet. Einem Medienbericht zufolge werden regime-treue Milizionäre nach Iran eingeflogen. Dort werden sie in einem Trainingslager im Guerrilla-Kampf von Militärs unterrichtet. Iran in Syrien: Teheran soll Assads Milizen im eigenen Land ausbilden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-in-syrien-teheran-soll-assads-milizen-im-eigenen-land-ausbilden-a-892559.html)
Die Rebellenmilizen werden vom Westen trainiet und die Rebellengegner vom Iran. War eigentlich nicht anders zu erwarten. Und es hat sich schon lange abgezeichnet, dass der Zusammenbruch der Armee der Anfang sein wird wo sich diese Millizen im Guerrilla-Kampf gegenüberstehen werden. Aber wer nun denkt, die Millizen kämpfen weniger mit Schweren Waffen und damit sollte es weniger Kollateralschäden geben der irrt gewaltig.
2. "Grausamkeitswettbewerb"?
el-gato-lopez 04.04.2013
Ach ja, wer ist jetzt "grausamer", Gruppe A mehr als B oder umgekehrt? Die westliche Berichterstattung ist von einer ermüdenden Plattheit geprägt. Ich würde jetzt mal ganz kühn behaupten, dass von saudischen Wahabiten-Fanatikern geschulte Todesschwadronen plus/minus gleich grausam sind, wie von iranischen Geheimdienstkämpfern geschulte Assad-Milizen. Der Unterschied ist einzig, dass unsere Befindlichkeitsjournalisten die erstgenannte Gruppe schon seit längerem zu den "guten" Grausamen umetikettiert haben. Da der heutige Journalistenschlag zudem mit einer ähnlich unterentwickelten Reflexionskompetenz gesegnet ist wie ein Opus Dei Mitglied, dürfte sich bis zum bitteren Ende (systematische "Bereinigung" Syriens von allem "Unsunnitischen" durch die freiheitsliebenden Rebellen) rein gar nichts ändern. Danach wird man in den Redaktionen erklären, dass "man das alles ja nicht so kommen sehen konnte" und zur Tagesordnung übergehen...
3. Iran unterstützt Syrien schon länger mit Militärausbildern
hajuqu 04.04.2013
Es sollte mal erwähnt werden, dass die offizielle syrische Armee zum grössten Teil immer noch eine Wehrdienstarmee ist. Warum kann den die Soldaten nicht im Iran ausgebildet werden. Wer bildet eigentlich die Rebellen militärisch aus, bestimmt auch nicht in Srien. Ganz nebenbei wird z.Zt. eine Söldner -Truppe der Rebellen in Jordanien mit Hilfe der CIA ausgebildet und ausgerüstet.
4.
porkypork 04.04.2013
Was dem einen recht ist, ist dem andern billig. Rebellen werden in der Türkei und Jordanien ausgebildet, nun werden im Gegenzug Milizen im Iran ausgebildet. Wobei mir nicht ganz klar ist, wozu der Iran diese Milizen im Umgang mit Boden-Luft-Raketen schulen soll. Bemerkenswerter finde ich, dass der Ausbilder den Rekruten klar macht, dass es eben kein Kampf gegen die Sunniten, sondern für Syrien sei. Auf Seiten der Rebellen wird den Kämpfern oft religiöser Rassismus eingetrichtert. Viele der in den letzten Monaten von Rebellen veröffentlichten Videos und die Kommentare ihrer Anhänger strotzen nur so von Hass gegen alles Nicht-Sunnitische.
5. Pakt der Schurken
seans 04.04.2013
Der Iran ist genau wie Syrien mehr oder minder eine Steinzeitdiktatur. Bezeichnend für den Iran ist der extreme Islamismus. Assad scheint in seiner Verzweiflung nun auch auf dieser Schiene fahren zu wollen. Dabei hat er schon sein halbes Land in Schutt und Asche gelegt. Es wird Zeit, dass diesem bizarren Diktator, der doch sehr stark an den jungen Nordkoreaner Kim Jong Un erinnert, das Handwerk gelegt wird. Es reicht nicht aus, nur die Rebellen auszurüsten, nein, man müsste zuvörderst Assads Luftwaffe ausschalten. Nur so kann man zur Befreiung Syriens nachhaltig beitragen. Der Iran wird sich für sein Treiben hier verantworten müssen.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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