Irans Militärberater in Syrien Operation Bürgerkrieg 

Iran mischt in Syrien auf Seiten Assads mit. Neue Videoaufnahmen geben detaillierte Einblicke in Teherans Mission. Sie zeigen einen iranischen Militärberater bei der Arbeit. Er schult Assad-treue Milizen und wirbt um die Sympathien der Bevölkerung.

Syriens Präsident Assad, Irans Ajatollah Chamenei: Massive Unterstützung durch Teheran
AFP

Syriens Präsident Assad, Irans Ajatollah Chamenei: Massive Unterstützung durch Teheran


Der iranische Militärberater ist zu Scherzen aufgelegt. Leger, im T-Shirt, sagt er in die Kamera: "Sie brauchen nur zwei Dinge, um zu kämpfen: Zigaretten und Mate-Tee." Sie, das sind die Syrer, die er zu Assad-treuen Milizen ausbildet, vermutlich schiitische Freiwillige. Mate-Tee, das südamerikanische Gebräu, ist auch in Syrien sehr beliebt. "Stimmt's, Hussein, ohne Zigaretten und Mate wäre euer Dschihad schnell vorbei", ruft er auf Arabisch einem der Kämpfer zu.

Nicht nur unter den Gegnern von Baschar al-Assad, auch unter dessen Anhängern gibt es einige, die den Machtkampf als Glaubenskrieg verstehen. "Das ist kein Krieg zwischen der syrischen Armee und dem Volk", sagt der iranische Militärberater. "Es ist ein Kampf zwischen dem Islam und den Ungläubigen, Gut gegen Böse. Wir sind die Guten, denn Irans Oberster Führer ist auf unserer Seite." Den Dschihadisten unter den Assad-Gegnern wiederum gelten die Schiiten und der Ajatollah als Irrgläubige, die es zu bekämpfen gilt.

Dass Teheran seinen Verbündeten Baschar al-Assad massiv unterstützt mit Geld, Waffen, Militärberatern und inzwischen sogar Trainingslagern für syrische Milizen in Iran, war bereits bekannt. Nun geben neue Aufnahmen einen bisher nie dagewesenen Einblick in die Arbeit von Irans Revolutionsgardisten in Syrien, die für die Militärausbildung zuständig sind.

Mobil-Nutzer können das Video hier sehen.

Offenbar hat ein Kameramann der Revolutionsgarde die Gruppe begleitet, um die Arbeit der Iraner in Syrien zu dokumentieren, womöglich für interne Zwecke. Am 19. August wurde die Gruppe jedoch vermutlich von syrischen Rebellen unter Beschuss genommen, die Iraner getötet. Die Rebellen fanden die Kamera und die Aufnahmen und übergaben sie dem Journalisten Roozbeh Kaboly vom öffentlich-rechtlichen niederländischen Fernsehsender NOS. Dieser zeigte am Freitag in der Nachrichtensendung "Nieuwsuur" einen Auszug daraus, der mit englischen Untertiteln auch online zu sehen ist.

Irans Staatsmedien bestätigen den Tod in Syrien

Viel spricht dafür, dass die Aufnahmen, insgesamt sechs Videos, authentisch sind, wie die "New York Times" auf einem ihrer Blogs berichtet. So sei im letzten Video tatsächlich zu sehen, wie die Iraner von syrischen Rebellen unter Beschuss genommen werden. Ein Video wiederum, das die syrische Rebellengruppe Liwa Dawud am 19. August auf YouTube stellte und das einen Kampf südlich von Aleppo zeige, scheine am gleichen Ort aufgenommen worden zu sein. Diese Gruppe hat die Videos sichergestellt.

Zudem haben offizielle iranische Medien den Tod des iranischen Militärs in Syrien bestätigt, der in den Videos interviewt wird. Auch meldeten Irans Staatsmedien den Tod von zwei iranischen Dokumentarfilmern - allerdings in der Nähe von Damaskus und ein paar Tage später. Die Ortsänderung könnte jedoch Rücksichtnahme auf religiöse Befindlichkeiten ausdrücken. In der Nähe von Damaskus steht ein für Iraner wichtiger schiitischer Schrein. Zu sterben, um dieses Heiligtum zu verteidigen, käme einem Märtyrertod gleich. Warum Iraner ihr Leben in Aleppo opfern sollten, wäre nur schwer vermittelbar.

Iran ist an Assad weniger aus religiösen als aus machtpolitischen Gründen gelegen. Der Syrer ist wie schon sein Vater wichtiger Bündnispartner im Konflikt mit Israel und dem Westen sowie Bindeglied mit der libanesischen Hisbollah.

Die von Iran ausgebildeten schiitischen Milizen in Syrien sind Teherans Plan B. Sollte Assad stürzen, hat man dank dieser Kämpfer weiterhin Einfluss und einen Fuß in der Tür. Eine ähnliche Strategie hat Iran bereits im libanesischen und irakischen Bürgerkrieg erfolgreich praktiziert.

Irans Militärberater verteilt Bonbons an syrische Kinder

Wie geschickt sich Teheran in Syrien anstellt, lässt sich in den Videoaufnahmen erahnen. Der iranische Militärberater predigt: "Derjenige, der Respekt erweist, wird ihn zurückbekommen." Aus seinem Auto heraus verteilt er Süßigkeiten an syrische Kinder und überlegt laut, ob er auch den Frauen welche geben sollte - so erobert man auf Iranisch die Herzen.

Seine syrischen Milizionäre, sagt der Iraner, behandle er stets mit Würde und Anstand. "Das muss ihre Armee noch lernen", kritisiert er die Assad-Generäle. Diese würden auf Zwang und Demütigung setzen. "Die Soldaten wollen zu uns kommen, nur weil wir sie mit Respekt behandeln", sagt der Iraner.

Damaskus ist längst auf die Unterstützung durch Milizen angewiesen, eigene sowie ausländische wie etwa die libanesische Hisbollah. Auch auf der Gegenseite mischen inzwischen eine Vielfalt unterschiedlicher Gruppen mit, nicht nur syrische, sondern auch ausländische Dschihadisten.

Auf dem Schlachtfeld arbeiten Assads verbliebene Soldaten mit den Milizen offenbar inzwischen eng zusammen. Regelmäßig werden die Paramilitärs von Menschenrechtsorganisationen in ihren Untersuchungen der großen Massaker als Mittäter bezeichnet wie etwa zuletzt nach denMassenexekutionen von Zivilisten in Baida und Banias.

insgesamt 129 Beiträge
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natonothanks 17.09.2013
1. Natürlich,
und die saudischen und die jordanischen Bürger die sich in Syrien befinden machen ja nur Urlaub - ist doch klar! Für wie böld hält uns der Mainstream eigentlich?
harmlos01 17.09.2013
2. Alle mischen mit
Auf Seite der Regierung mischen die Iraner und Russen mit und auf Seiten der Aufständischen die USA, Türkei, Jordanien, Frankreich, GB, Saudi Arabien und Katar. Wer aber glaubt, dass es irgendeiner Seite um das syrische Volk, Demokratie, oder Religion geht hat sich geschnitten. Allen geht es nur um die Durchsetzung von eigenen Zielen. Alle haben Blut an den Händen und niemand hat einen Plan, der bis zum Ende ausgereift ist. Mir tut das syrische Volk leid und dieser Krieg wird andere Völker davon abhalten sich zu erheben, denn das was dort passiert wollte anfangs garantiert niemand!
spon-facebook-10000523851 17.09.2013
3. Das einzige was mich...
an den Typen mit ihren mittelalterlich anmutenden Kostuemen interessiert, waeren die monatlichen kosten fuer Waeasche , Reinigung and buegeln. Dazu eventuell auch, wie lange man braucht sich einzuwickeln. Alles andere ist uniteressant und das ueblche Sandkastengehabe der Einmischer.
GeorgiosOrwellos 17.09.2013
4.
Naja, immerhin knabbert die eine Seite nicht an den Organen ihrer Feindeherum. Dennoch kann einem das syrische Volk einfach nur leid tun.
Nekromant 17.09.2013
5.
Zitat von harmlos01Auf Seite der Regierung mischen die Iraner und Russen mit und auf Seiten der Aufständischen die USA, Türkei, Jordanien, Frankreich, GB, Saudi Arabien und Katar. Wer aber glaubt, dass es irgendeiner Seite um das syrische Volk, Demokratie, oder Religion geht hat sich geschnitten. Allen geht es nur um die Durchsetzung von eigenen Zielen. Alle haben Blut an den Händen und niemand hat einen Plan, der bis zum Ende ausgereift ist. Mir tut das syrische Volk leid und dieser Krieg wird andere Völker davon abhalten sich zu erheben, denn das was dort passiert wollte anfangs garantiert niemand!
Dass wollte schon jemand. Nämlich der, der das Land destabilisieren will, um seine Ziele zu verfolgen.
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