Bericht des Präsidialamts In Iran wächst der Widerstand gegen den Kopftuchzwang

In Iran müssen schon Grundschülerinnen Kopftuch tragen. Wer sich nicht daran hält, kann festgenommen werden. Doch es regt sich Protest, räumt selbst die Regierung in Teheran ein.

Frauen in Teheran
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Frauen in Teheran


Immer mehr Iraner stellen sich gegen die Kopftuchpflicht für Frauen im Land. Das berichtet ausgerechnet das iranische Präsidialamt. In Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen sowie einen langen, weiten Mantel. Diese Regelung wurde 1979 nach der Islamischen Revolution eingeführt.

Der wachsende Widerstand gegen das Gesetz sei für das islamische Land besorgniserregend, heißt es in dem Bericht. Er wurde von der Nachrichtenagentur Isna veröffentlicht. Laut Präsidialamt hätten auch drastische Maßnahmen der Sittenpolizei, wie etwa Festnahmen von "unislamisch gekleideten Frauen" und Geldstrafen keine Wirkung gezeigt.

Nach Einschätzung von Beobachtern ist die Veröffentlichung des Präsidialamtsberichts ein großer Erfolg der Antikopftuchproteste von Frauen in Teheran und anderen iranischen Städten.

Seit Ende Dezember fordern immer mehr Frauen eine Abschaffung der Kopftuchpflicht. In den vergangenen Tagen wurden in den sozialen Netzwerken zahlreiche Fotos von Frauen verbreitet, die ihr Kopftuch auf offener Straße abgenommen und es wie eine Fahne an einem Stab in die Luft gehalten hatten.

Den Antikopftuchprotest gibt es unter dem Motto "White Wednesday" schon länger, dabei posieren Frauen demonstrativ ohne die vorgeschriebene Verschleierung.

Auch Musliminnen, die das Kopftuch freiwillig tragen, haben sich den landesweiten Protestaktionen angeschlossen - ebenso wie viele Männer, Abgeordnete im Parlament und offenbar auch einige Kleriker.

koe/dpa

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