Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Freigelassener "Washington-Post"-Reporter Rezaian: 544 Tage im iranischen Knast

Journalist Rezaian (2013): "Washington-Post"-Reporter in Freiheit Zur Großansicht
AP/dpa

Journalist Rezaian (2013): "Washington-Post"-Reporter in Freiheit

18 Monate verbrachte Jason Rezaian in iranischer Haft, nun schildert der "Washington-Post"-Reporter erste Details. Bewegen durfte er sich nur in einem kleinen Innenhof, bewacht von Revolutionsgarden.

"Ich möchte, dass die Leute wissen, dass ich mich körperlich gut fühle", sagt Jason Rezaian. Der Korrespondent der "Washington Post" erholt sich nach seiner langen Haft in Iran nun in Deutschland - im US-Krankenhaus in Landstuhl.

Der amerikanisch-iranische Journalist war nach 544 Tagen hinter Gittern am Samstag mit vier Gefangenen mit doppelter Staatsbürgerschaft freigelassen worden. Dies wurde unmittelbar vor dem Fall der Sanktionen gegen Iran verkündet. Die "Washington Post" veröffentlichte nun ein Foto des 39-Jährigen mit seiner Frau Yeganeh Salehi (2 v.l.), Mutter Mary Rezaian und Bruder Ali Rezaian.

Rezaian mit seiner Familie in Landstuhl Zur Großansicht
REUTERS/ Martin Baron/ The Washington Post

Rezaian mit seiner Familie in Landstuhl

Monatelang hatten Teheran und Washington um den Austausch der Gefangenen gepokert. Für Rezaian war es eine Zeit der Isolation im berüchtigten Evin-Gefängnis. Im Gespräch mit seiner Zeitung erzählt er nun, dass er 49 Tage in Einzelhaft verbringen musste. Später sei er in eine kleine Zelle gebracht worden, gerade einmal fünf mal sechs Meter groß, mit drei Feldbetten ohne Matratzen. Bewegen durfte er sich bis zu fünf Stunden in einem kleinen Beton-Innenhof, 2,5 mal 2,5 Meter groß.

Der Journalist schildert zudem, dass er von iranischen Revolutionsgarden gefangen gehalten wurde, den mächtigen Sicherheitskräften, die direkt Irans geistlichem Führer Ali Chamenei unterstellt sind. Revolutionsgarden seien es auch gewesen, die ihn ins Krankenhaus gebracht hätten - dort musste Rezaian während seiner Gefangenschaft dreimal behandelt werden: zweimal wegen einer Augeninfektion und einmal wegen Entzündung der Leisten.

Der Journalist war im Oktober 2015 von einem iranischen Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Spionage für schuldig befunden worden- ohne dass je klar wurde, was ihm konkret zur Last gelegt wurde.

Rezaian schildert laut "Washington Post" nur wenige Details seiner Haft, er sagte seinen Kollegen: "Ich weiß, dass die Leute begierig sind von mir zu hören." Er wolle aber nun das Erlebte erst einmal verarbeiten.

Der Journalist macht aber Angaben zu seiner Freilassung. Er sei erst wenige Stunden vor der Abreise aus Teheran zum Geheimdienstministerium gebracht worden - einer Behörde, die eng mit Präsident Hassan Rohani verknüpft ist. Im Flugzeug sei er Schweizer Vertretern übergeben worden.

Als das Flugzeug abhob, hätten die Passagiere applaudiert, auch seine Frau und seine Mutter seien an Bord gewesen, erzählt Rezaian. Ein zweites Mal habe es Beifall gegeben, als die Maschine den iranischen Luftraum verlassen habe.

Das iranisch-amerikanische Verhältnis ist seit der Islamischen Revolution 1979 und der anschließenden Geiselnahme von US-Diplomaten zerrüttet. Die Staaten unterhalten keine diplomatischen Verbindungen, deshalb vertrat die Schweiz die US-Interessen.

Rezaian war bis zu seiner Festnahme am 22. Juli 2014 der einzige US-Staatsbürger, der permanent als Auslandskorrespondent in der Islamischen Republik arbeiten durfte. Er lieferte seit 2012 ungewöhnliche Einblicke: In einer der letzten Geschichten vor seiner Festnahme berichtete der Korrespondent über eine Drogenentzugsklinik am westlichen Stadtrand von Teheran - einem Rehabilitationszentrum, in dem ausschließlich Frauen behandelt werden. Rund 700.000 Iranerinnen seien drogenabhängig, zitierte er aus einer vertraulichen Statistik.

heb

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 79,476 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: