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Iran-Konflikt: Großbritannien verweigert USA Nutzung von Militärbasen

Die enge Freundschaft der USA und Großbritannien hat im Atomstreit mit Iran offenbar Grenzen: Laut "Guardian" wollen die Amerikaner in dem Konflikt britische Militärbasen nutzen - London weist das Ansinnen zurück.

Atomstreit mit Teheran: Britisches Nein zu US-Anfrage Fotos
REUTERS

Washington/London - Die USA wollen die militärische Präsenz in der Golfregion erhöhen - und erleiden einen empfindlichen Rückschlag: Großbritannien hat laut einem Bericht des "Guardian" die Bitte Washingtons abgelehnt, britische Militärstützpunkte im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt nutzen zu dürfen. Dem Zeitungsbericht zufolge wurden entsprechende Anfragen von US-Diplomaten mit dem Argument zurückgewiesen, dass jegliche Hilfe für einen möglichen Präventivschlag gegen Teherans Atomprogramm ein Verstoß gegen internationales Recht sein könnte.

Die britischen Offiziellen verwiesen demnach auf ein Dokument der Generalstaatsanwaltschaft, das im Außen- und im Verteidigungsministerium zirkuliert. Darin heiße es, dass Iran derzeit "keine klare und gegenwärtige Gefahr" darstelle. Das Ergebnis des Dokuments ist unmissverständlich: Eine Unterstützung für einen Präventivschlag wäre ein "klarer Verstoß" gegen internationales Recht.

Die Anfrage der USA habe sich auf mehrere Militärbasen bezogen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf britische Regierungsvertreter. Es sei um Stützpunkte in Großbritannien und britische Militärbasen auf der Mittelmeerinsel Zypern gegangen. Ebenso bat Washington demnach darum, Militärflüge von den US-Basen auf der Südatlantik-Insel Ascension sowie von Diego Garcia im Indischen Ozean starten zu dürfen. Ascension gehört zum britischen Überseegebiet, Diego Garcia ist ebenfalls britisches Territorium.

Washington sei "überrascht" über die ablehnende Haltung Londons gewesen, sagte ein britischer Regierungsvertreter der Zeitung. Die USA hätten allenfalls mit Widerstand bei den Liberaldemokraten gerechnet, aber auch Tory-Politiker hätten ihr Nein signalisiert.

Eine Sprecherin der britischen Regierung sagte der Nachrichtenagentur AP, die britische Regierung sei in der Vergangenheit kooperativ gewesen, wenn es um die Nutzung britischer Militärbasen durch die USA ging. So nutzte das US-Militär britische Stützpunkte, um sich auf die Irak-Invasion im Jahr 2003 vorzubereiten.

Unterirdische Atomanlage zur Anreicherung von Uran

Iran steht im Verdacht, heimlich Atomwaffen entwickeln zu wollen, hat dies in der Vergangenheit aber stets bestritten. Der "New York Times" zufolge ist Teheran kurz davor, eine unterirdische Atomanlage zur Anreicherung von Uran in Fordo fertigzustellen. Das Land sei damit einen wichtigen Schritt weitergekommen, Atomwaffen herstellen zu können, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstexperten mehrerer Länder.

Israel fühlt sich vom Atomprogramm Irans bedroht und hat mehrfach signalisiert, im Notfall militärisch gegen Teheran vorgehen zu wollen. "Jene in der internationalen Gemeinschaft, die sich weigern, Iran rote Linien zu ziehen, haben kein moralisches Recht, Israel rotes Licht zu zeigen", hatte Premier Benjamin Netanjahu Mitte September gesagt und sich damit von den USA distanziert, die weiter auf Verhandlungen mit Iran setzen. "Die Welt sagt Israel: 'Wartet, es ist noch Zeit.' Und ich sage, 'warten worauf, warten wie lange'?", hatte Netanjahu hinzugefügt. Vor der Uno-Vollversammlung hatte Netanjahu Iran als größte Bedrohung der Menschheit bezeichnet.

Zuletzt hatte das Weiße Haus dementiert, dass es eine Übereinkunft mit Iran zu Zweiergesprächen über das Teheraner Atomprogramm nach der Präsidentenwahl in den USA am 6. November gebe. Zugleich wurde jedoch betont, dass die USA zu solchen bilateralen Kontakten bereit wären. Auch Iran erklärte, es gebe keinen Plan für derartige Gespräche.

hen/dpa/AP

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insgesamt 223 Beiträge
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1. Sehr überraschend - diese differenzierte Sicht der Dinge
gliese581c 26.10.2012
Ich dachte England wäre der 51. Staat der USA
2. optional
TeslaTraX 26.10.2012
RESPEKT vor dieser Entscheidung!
3. .
frubi 26.10.2012
Zitat von sysopREUTERSDie enge Freundschaft der USA und Großbritannien hat im Atomstreit mit Iran offenbar Grenzen: Laut "Guardian" wollen die Amerikaner in dem Konflikt britische Militärbasen nutzen - London weist das Ansinnen zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-konflikt-grossbritannien-verweigert-usa-nutzung-von-militaerbasen-a-863625.html
Es wäre auch wünschenswert, wenn die Amerikaner endlich ihre Soldaten aus Deutschland und den vielen anderen Staaten auf dieser Welt abziehen würde. Gerade im arabischen Raum würde das sofort für mehr Frieden sorgen und diese imperialistische Militärpräsenz ist sowieso einer der Hauptgründe, wieso so viele Menschen einen derart starken Hass auf Amerika haben.
4. optional
marauder_shields 26.10.2012
Allem anschein nach, möchten die Briten sich nicht wieder von den USA in einen Konflikt drängen lassen. Verständlich.
5. Wenn der Iran die größte
Lemmi42 26.10.2012
Bedrohung der Menschheit darstellt,was ist denn dann Israel Hr.Netanjahu ? Der größte Friedensengel ?
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