Iran-Konflikt Paris beteiligt sich an amerikanisch-britischen Resolutionsentwurf

Frankreich hat gemeinsam mit den USA und Großbritannien einen Entwurf für eine Uno-Resolution zu Iran erarbeitet. Laut einem Bericht der "International Herald Tribune" soll der Text jetzt im Weltsicherheitsrat eingebracht werden.


Paris - Mit der Resolution soll Iran zum Stopp seiner Nuklearaktivitäten bewegt werden, zitierte die "International Herald Tribune" heute den amerikanischen Außenstaatssekretär Nicholas Burns. Dem Bericht zufolge widersetzen sich die beiden anderen Vetomächte, Russland und China, jedoch der Resolution nach Kapital sieben der Uno-Charta, die den Weg für eine Verhängung von Sanktionen bis hin zur Anwendung von Gewalt freimachen würde.

Der Weltsicherheitsrat kommt heute gegen 22 Uhr MESZ in New York zu seinen ersten Konsultationen über den Iranbericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) zusammen. Im Vorfeld waren Vertreter der fünf Vetomächte sowie Deutschlands gestern in Paris zusammengetroffen.

Im Gegensatz zu Peking und Moskau will der Westen eine Uno-Resolution, die Sanktionen gegen das Regime in Teheran ermöglicht. Die USA, Großbritannien und Frankreich streben zielgerichtete und effektivere Sanktionen wie Handelsbeschränkungen für Güter an, die zivil und militärisch nutzbar sind, sowie Reiseverbote und das Einfrieren von Konten der iranischen Elite.

Iran hat 4,8-prozentiges Uran angereichert

Iran hat inzwischen die Anreicherung von Uran auf eine Konzentration von fast fünf Prozent bekannt gegeben. Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, sagte heute im Fernsehen, der letzte Wert betrage 4,8 Prozent. Sein Stellvertreter Mohammed Ghannadi betonte, es gebe eine Anweisung der politischen Führung, bei fünf Prozent aufzuhören. Für die Stromerzeugung wird Uran mit einem Anreicherungsgrad von 3,5 bis 5,0 Prozent benötigt. Am 11. April hatte Iran erstmals bekannt gegeben, dass ein Wert von 3,6 Prozent erreicht worden sei.

Laut Aghasadeh wurde dieser nunmehr auf fast fünf Prozent gesteigert. Ghannadi zufolge besteht keinerlei Absicht, über die Fünf-Prozess-Marke hinauszugehen. Dafür gebe es klare Anweisungen. Für die Herstellung von Atomwaffen ist ein Anreicherungsgrad von mehr als 90 Prozent notwendig.

Gestern hatte die iranische Atomenergiebehörde die Entdeckung von mindestens drei neuen Uran-Lagerstätten in der Landesmitte bekannt gegeben, die es nunmehr zu erschließen gelte. Heute verwies Aghasadeh auch noch auf neue Vorkommen nahe der Küstenstadt Bandar Abbas am Persischen Golf. Es seien große Investitionen geplant, um diese Stätten zu nutzen. Dies gab internationalen Befürchtungen über ein mögliches iranisches Atomwaffenprogramm neue Nahrung.

lan/dpa/AP



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