Iran-Krise Ahmadinedschad kündigt Freilassung britischer Soldaten an

Dramatische Wendung in der Iran-Krise: Die Islamische Republik will die am 23. März festgenommenen britischen Soldaten freilassen. Der iranische Präsident Ahmadinedschad kündigte auf einer Pressekonferenz an, die Seeleute zu begnadigen.


Teheran - Eine Stunde hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad auf seiner mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in Teheran bereits gesprochen - dann die Sensation: Er habe die im Persischen Golf gefangengenommenen britischen Soldaten begnadigt, sagte Ahmadinedschad. Im Namen des "großen iranischen Volkes" werde ihnen vergeben, sagte er. Die Freilassung sei ein Geschenk an Großbritannien, so der Staatschef. Die Soldaten sollten umgehend freikommen und unmittelbar nach der Pressekonferenz zum Flughafen gebracht werden, hieß es zunächst. Später erklärte ein iranischer Diplomat, die Seeleute sollten an die britische Botschaft in Teheran übergeben werden.

Die Regierung in London begrüßte die Ankündigung Ahmadinedschads. Ein Sprecher von Premierminister Tony Blair sagte jedoch in einer ersten Reaktion, zunächst müsse die genaue Bedeutung der Worte Ahmadinedschads festgestellt und das weitere Vorgehen abgewartet werden. Auch ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush begrüßte die Entwicklung. Außenminister und EU-Ratspräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, er "hoffe, dass dieser Ankündigung schnellst möglich Folge geleistet wird".

Ahmadinedschad hatte in seiner Pressekonferenz zuvor rund 45 Minuten geredet, ohne die Krise um die Soldaten auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Als er endlich auf das Thema zu sprechen kam, warf er Großbritannien vor, die Grenzen seines Landes verletzt zu haben. Das iranische Volk sei über das Eindringen von 15 britischen Marineangehörigen zutiefst empört, sagte er.

Ahmadinedschad zeichnet Revolutionsgarden aus

Dann folgte ein weiterer Akt der Provokation: Ahmadinedschad verlieh an jene iranische Marineoffiziere, die am 23. März an der Festnahme der Briten beteiligt waren, einen Orden. Er danke ihnen im Namen des Volkes dafür, dass sie die iranischen Hoheitsgewässer mutig verteidigt hätten, erklärte der Präsident. Iran werde niemals ein illegales Eindringen in sein Gebiet tolerieren. Erst dann, kurz vor Ende seiner rund einstündigen Ansprache vor den Journalisten kündigte er die Begnadigung der Seeleute an.

"Sie sind nach dieser Pressekonferenz frei und können zu ihren Familien zurückkehren", sagte Ahmadiendschad. Er warf der Regierung in London zwar vor, für das Eingeständnis ihres Fehlers nicht mutig genug gewesen zu sein. Er verlangte aber keine Gegenleistung für den iranischen Schritt und schloss einen Zusammenhang mit anderen Konflikten aus. "Sie wurden begnadigt", erklärte Ahmadinedschad. "Wir nehmen eine menschliche Haltung ein, keine materialistische oder politisierte."

Mitglieder der Revolutionsgarden hatten die Soldaten der Royal Navy im Mündungsbereich des Schatt al-Arab zwischen dem Irak und Iran gefangen genommen. Großbritannien hatte darauf beharrt, die Soldaten hätten sich in irakischen Gewässern befunden.

An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für erhebliche Erleichterung. Öl- und Goldpreis gaben deutlich nach. Aktienfutures zogen an.

Die Krise hatte die Spannungen zwischen der Islamischen Republik und dem Westen weiter verschärft. Der Vorfall ereignete sich einen Tag, bevor der Uno-Sicherheitsrat im Atomkonflikt mit Iran seine Sanktionen gegen die Regierung in Teheran verschärfte.

Gestern Abend waren erste direkte Kontakte zur Beilegung des Konflikts zwischen britischen Beamten und dem iranischen Chefunterhändler für Auslandsfragen, Ali Laridschani, bekannt geworden. "Beide Seiten verfolgen das gemeinsame Ziel einer frühen Lösung dieser Angelegenheit in direkten Verhandlungen", hieß es in einer Erklärung aus dem Büro des britischen Premierministers Tony Blair.

USA erlauben Iran Kontakt zu im Irak gefangenen Iranern

Heute Mittag hatte die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtet, iranische Beamte dürften in Kürze erstmals fünf von US-Streitkräften im Irak festgenommene Iraner treffen. "Ein Vertreter der iranischen Botschaft in Bagdad soll die Festgenommenen treffen", zitierte Irna eine nicht näher beschriebene Quelle, ohne allerdings Zeitpunkt oder Ort eines solchen Treffens zu nennen.

Die fünf Iraner waren im Januar von den US-Streitkräften in der irakischen Stadt Erbil festgenommen worden. Die USA werfen ihnen vor, zu den iranischen Revolutionsgarde zu gehören und schiitische Milizen im Irak unterstützt zu haben. Nach Angaben der iranischen Regierung handelt es sich dagegen um Diplomaten.

phw/AP/reuters/dpa



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