Iran-Krise: Ahmadinedschad verspottet Amerikaner als Schwächlinge

Die USA grollen, Iran lacht: Mit Hohn und Spott hat Präsident Ahmadinedschad auf die US-Drohung reagiert, das Mullah-Regime notfalls mit Gewalt zum Einlenken im Atomstreit zu zwingen: "Ein paar Schwächlinge" könnten gegen Iran nichts ausrichten.

Teheran - Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad strotzte heute bei einem Besuch in der Provinz Chorassan im Nordosten des Landes vor Selbstbewusstsein. "Gott sei Dank ist Iran heutzutage eine mächtige Nation, und wir werden aus einer Position der Stärke heraus mit der Welt im Dialog stehen", sagte er einem Fernsehbericht zufolge bei einer Rede im Nordosten des Landes. "Ein paar Schwächlinge" könnten gegen Iran nichts ausrichten.

Irans Präsident Ahmadinedschad bei seinem Auftritt im Nordosten des Landes: "Iran ist eine mächtige Nation"
REUTERS

Irans Präsident Ahmadinedschad bei seinem Auftritt im Nordosten des Landes: "Iran ist eine mächtige Nation"

US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte gestern die Verabschiedung einer Uno-Resolution gefordert, die den möglichen Einsatz von Waffengewalt einschließt. Dass Teheran die erfolgreiche Urananreicherung verkündet habe, müsse bei der nächsten Sitzung des Uno-Sicherheitsrates Folgen haben. Es gebe keinen Zweifel daran, "dass Iran sich weiterhin dem Willen der internationalen Gemeinschaft widersetzt". Teheran hatte am Dienstag offiziell verkündet, Uran erfolgreich angereichert zu haben.

Auf die darauf folgende internationale Kritik hatte Ahmadinedschad bereits scharf reagiert. Gegnern des Atomprogramms wünschte er den Tod: "Seid wütend und erstickt an eurer Wut." Heute wies Ahmadinedschad erneut die Forderung der Uno-Atombehörde (IAEA) zurück, sein Urananreicherungsprogramm einzustellen. Die Urananreicherung sei "unwiderrufliches Recht des iranischen Volkes, das wir entschieden in Anspruch nehmen - ohne Rücksicht auf Drohungen und Druck", sagte er im staatlichen Fernsehen. Nach Gesprächen mit Regierungsvertretern in Teheran hatte IAEA-Chef Mohammed al-Baradei Iran gestern zum wiederholten Mal dazu aufgefordert, sein Nuklearprogramm aufzugeben. Irans Chefunterhändler Ali Laridschani hatte dies als "irrational" bezeichnet, aber eine Antwort binnen zwei Wochen versprochen.

Baradei sagte nach dem Treffen, Iran habe Bemühungen bei der Beantwortung offener Fragen zu seinem umstrittenem Programm zugesichert. Beweise, dass Iran inzwischen erfolgreich Uran anreichern kann, habe die IAEA bislang nicht. IAEA-Inspektoren hätten Proben genommen und würden die Ergebnisse an das Direktorium der Behörde weiterleiten. Baradei soll dem Uno-Sicherheitsrat bis Ende April einen weiteren Bericht vorlegen, auf dessen Basis der Rat über nächste Schritte berät. Iran pocht auf sein Recht der friedlichen Nutzung von Atomenergie.

Russland lud die EU, die USA und China zu einer neuen Verhandlungsrunde über das iranische Atomprogramm ein. Die Gespräche sollten am kommenden Dienstag in Moskau stattfinden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax heute unter Berufung auf einen Sprecher des russischen Außenministeriums.

Ahmadinedschad stellt erneut Holocaust in Frage

Ahmadinedschad sprach heute auch erneut von einer bevorstehenden Vernichtung Israels. "Ob es einem gefällt oder nicht, das zionistische Regime geht der Auslöschung entgegen", sagte der Präsident in Teheran auf einer Konferenz zur Unterstützung der Palästinenser. Israel sei "ein verfaulter, dürrer Baum", der von einem einzigen Sturm entwurzelt werde. Die Existenz Israels sei "eine Ungerechtigkeit und per se eine ständige Bedrohung", fügte Ahmadinedschad hinzu.

Auf der Konferenz stellte Ahmadinedschad erneut den Holocaust in Frage. Es gebe "ernsthafte Zweifel", ob die Judenvernichtung tatsächlich stattfand. "Keinen Zweifel" gebe es hingegen an "der Katastrophe und dem Holocaust, welche die Palästinenser betreffen". Amadinedschad deutete an, dass er den Holocaust als Vorwand für die Schaffung des Staates Israel sieht. "Gewisse westliche Mächte glauben, dass im Zweiten Weltkrieg eine beträchtliche jüdische Bevölkerung getötet wurde, und um diese Katastrophe zu kompensieren, haben sie das zionistische Regime geschaffen." Der iranische Präsident äußert seit Monaten regelmäßig seine Zweifel am Holocaust, den er mehrfach als "Mythos" bezeichnete. Im Westen riefen seine Bemerkungen Abscheu und Empörung hervor.

phw/AFP/AP/dpa/Reuters

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