Bombenanschlag auf Atomwissenschaftler: Iran richtet angeblichen Mossad-Agenten hin

Er soll einen Bombenanschlag auf einen Atomforscher verübt haben, jetzt hat Iran das Todesurteil gegen den mutmaßlichen Attentäter vollstreckt. Der 24-Jährige soll ein Spion des israelischen Geheimdienstes Mossad gewesen sein.

Mutmaßlicher Attentäter Faschi im Gericht: Im Gefängnis in Teheran gehängt Zur Großansicht
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Mutmaßlicher Attentäter Faschi im Gericht: Im Gefängnis in Teheran gehängt

Teheran - Iran hat am Dienstagmorgen einen 24-Jährigen hingerichtet, der nach Ansicht Teherans für die Tötung des Teheraner Physikprofessors Massud Ali Mohammadi verantwortlich ist. Das berichtete das iranische Staatsfernsehen. Madschid Dschamali Faschi wird bezichtigt, ein Spion des israelischen Geheimdienstes Mossad zu sein.

Die amtliche Nachrichtenagentur Irna meldete, der "Mossad-Agent und Verantwortliche der Ermordung unseres Atomwissenschaftlers Massud Ali Mohammadi", sei am Morgen im Evin-Gefängnis in Teheran gehenkt worden.

Mitte Januar 2010 war der Atomphysiker Mohammadi durch die Explosion eines Sprengsatzes vor seinem Haus getötet worden. Die Bombe war an einem Motorrad befestigt. In der Öffentlichkeit war zuvor nichts über eine Verbindung Mohammadis zum iranischen Atomprogramm bekannt gewesen.

Das Revolutionsgericht in Teheran hatte den mutmaßlichen Täter Faschi für schuldig befunden, im Auftrag des Mossad gehandelt und für den Mord 120.000 Dollar entgegengenommen zu haben. Kurz vor dem Prozess wurde im Fernsehen ein Geständnis Faschis ausgestrahlt, in dem er sagte, er sei für die Tat in Israel ausgebildet worden.

Iran wird von mehreren westlichen Regierungen, allen voran von Israel und den USA, verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung von Atombomben zu arbeiten. Der Uno-Sicherheitsrat forderte Teheran in mehreren Resolutionen dazu auf, sein Atomprogramm überwachen zu lassen.

Seit der Ermordung Mohammadis wurden in Teheran drei weitere Atomforscher durch Bombenanschläge getötet. Die iranische Führung machte jeweils die USA und Israel dafür verantwortlich. Mehrfach gaben die iranischen Behörden im Zusammenhang mit den Anschlägen Festnahmen bekannt, Dschamali Faschi war bisher der einzige Verurteilte.

heb/dapd/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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1. Nun denn
ratxi 15.05.2012
Zitat von sysopREUTERSEr soll einen Bombenanschlag auf einen Atomforscher verübt haben, jetzt hat Iran das Todesurteil gegen den mutmaßlichen Attentäter vollstreckt. Der 24-Jährige soll ein Spion des israelischen Geheimdienstes Mossad gewesen sein. Iran lässt nach Anschlag auf Atomforscher angeblichen Attentäter hinrichten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833183,00.html)
Wohl auch in Israel oder den USA wäre ein für so eine Tat verurteilter wohl nicht mit dem Leben davongekommen.
2. Doch!
vlupme 15.05.2012
Zitat von ratxiWohl auch in Israel oder den USA wäre ein für so eine Tat verurteilter wohl nicht mit dem Leben davongekommen.
Man hätte wohl darauf gewartet ihn gegen einen anderen Agenten auszutauschen
3. Da der Iran
iketchup 15.05.2012
Zitat von sysopREUTERSEr soll einen Bombenanschlag auf einen Atomforscher verübt haben, jetzt hat Iran das Todesurteil gegen den mutmaßlichen Attentäter vollstreckt. Der 24-Jährige soll ein Spion des israelischen Geheimdienstes Mossad gewesen sein. Iran lässt nach Anschlag auf Atomforscher angeblichen Attentäter hinrichten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833183,00.html)
knüppelhart seine Linie durchzieht, muss sich der Iran nicht wundern, wenn Israel seine Linie knüppelhart durchzieht. Nur Leidtragende wird das Volk sein. Heinz Ketchup
4. Rechtsstaat IRAN ??
clausbremen 15.05.2012
In Weißrussland holt man sich nach einem Bombenattentat einen "Schuldigen" einfach von der Strasse, Geständnisse werden durch Folterung erpresst und hingerichtet wird schnell, binnen Tagen oder Wochen. Ist das in Iran völlig anders ? Arbeitet die iranische Justiz nach rechtsstaatlichen Grundsätzen ?
5. Mindestens
prospektor 15.05.2012
Zitat von ratxiWohl auch in Israel oder den USA wäre ein für so eine Tat verurteilter wohl nicht mit dem Leben davongekommen.
Ich denke, das würde dort von so manchen Politikern öffentlich als "Kriegserklärung" deklariert werden. Natürlich nur, solange das betreffende Land nur über ein paar Quadrate und Rechtecke auf Satellitenaufnahmen verfügt, und nicht über echte WMD.
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Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.