Annäherung an den Westen Iran lässt Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft frei

Iran hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft des Landes den "Washington-Post"-Reporter Rezaian freigelassen. Drei weitere Gefangene mit doppelter Staatsangehörigkeit seien ebenfalls aus der Haft entlassen worden.

Gespräche über das Atomprogramm (in Wien): Gefangenenaustausch erfolgreich
DPA

Gespräche über das Atomprogramm (in Wien): Gefangenenaustausch erfolgreich


Unmittelbar vor dem erwarteten Inkrafttreten des Abkommens zum iranischen Atomprogramm hat die Regierung in Teheran vier Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft in die Freiheit entlassen. Die Freilassungen erfolgten im "nationalen Interesse" im Rahmen eines Gefangenenaustauschs auf Anweisung des Nationalen Sicherheitsrates, teilte der Teheraner Generalstaatsanwalt Abbas Jafari Dolatabadi am Samstag mit.

In dem Land sind mehrere Iraner inhaftiert, die neben der iranischen auch die britische oder US-Staatsbürgerschaft besitzen, darunter der Pfarrer Said Abedini und Jason Rezaian, Korrespondent der "Washington Post". Rezaian war im Juli 2014 festgenommen und Ende November wegen Spionage zu einer Haftstrafe verurteilt worden, deren Länge nicht bekannt gegeben wurde.

Journalist Rezaian (2013): "Washington-Post"-Reporter w ieder auf freiem Fuß
REUTERS/Zoeann Murphy/The Washington Post

Journalist Rezaian (2013): "Washington-Post"-Reporter wieder auf freiem Fuß

Außer Rezaian und Abedini, dem die Untergrabung der nationalen Sicherheit vorgeworfen wurde, waren in Iran bisher zwei weitere US-Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft inhaftiert. Bei ihnen handelt es sich um den früheren Soldaten Amir Hekmati, der der Spionage bezichtigt wird, sowie den Geschäftsmann Siamak Namazi, der Ende Oktober festgenommen wurde.

Die iranische Nachrichtenagentur Irna teilte mit, dass auf US-Seite sieben iranische Gefangene freigelassen wurden, die wegen Verstoßes gegen Sanktionen festgenommen wurden. Ihre Namen lauten demnach Nader Modanlo, Bahram Mechanic, Khosrow Afghahi, Arash Ghahreman, Tooraj Faridi, Nima Golestaneh und Ali Sabouni. Die USA bezeichneten die Freilassung als humanitäre Geste, nicht als klassischen Gefangenenaustausch.

Die Ankündigung erfolgte, während in Wien der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zu Gesprächen über die Umsetzung des im Juli geschlossenen Abkommens zum iranischen Atomprogramm zusammenkam.

Es wird erwartet, dass die in Wien ansässige Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Iran noch am Wochenende bescheinigt, dass es seine wichtigsten Verpflichtungen aus dem Abkommen erfüllt hat. Dies ist die Voraussetzung für die Aufhebung der in dem Streit verhängten Finanz- und Handelssanktionen durch die EU, die USA und die Uno.

nck/Reuters/dpa



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