Teheran/Washington - Die Sanktionen gegen die iranische Rohstoffindustrie lassen das Regime in Teheran offenbar kreativ werden. Nach Informationen der "Washington Post" werden immer größere Mengen von Rohöl auf Tankschiffen gelagert. Diese schippern über die Meere - auf der Suche nach Abnehmern. Dabei schalten die Schiffe immer öfter ihre Satelliten-Peilsender ab, wie die Internationale Energiebehörde (IEA) bestätigte.
Mit dieser neuen Taktik will das Regime offenbar einer Überwachung seiner Tankerflotte entgehen und das Öl heimlich an den Mann bringen. Als Folge des Dauerstreits um Irans Atomprogramm bestehen umfangreiche Sanktionen. Vor allem der Verkaufsstopp für Rohöl trifft das Land hart, das zu großen Teilen vom Export des Rohstoffs abhängt.
Iran bezieht 70 Prozent seiner Einkünfte aus dem Ölexport und ist damit nach Saudi-Arabien zweitgrößter Förderer in der Opec. Ab Juli soll das Embargo auch in der EU greifen, dazu haben die USA, Japan, Südkorea, Indien und nicht zuletzt auch China ihre Einfuhren deutlich reduziert
Laut "Washington Post" beobachtet die IEA seit April eine wachsende Anzahl von Fällen, in denen die Tanker ohne GPS-Signal unterwegs sind. Nach Seefahrtsrecht ist ein Abschalten der Peilsender nur in absoluten Ausnahmefällen gestattet, etwa in Gewässern, in denen Piratenangriffe zu befürchten sind.
Trotz Embargo findet iranisches Öl Abnehmer
Experten werten den Schritt als Indiz für die zunehmende Frustration des Regimes in Teheran. Allerdings verspricht die Maßnahme nur begrenzten Erfolg. Hochauflösende Satelliten könnten die Hunderte Meter langen Schiffe auch ohne eingeschalteten Sender aufspüren.
Obwohl das Embargo bisher offenbar Wirkung zeigt, sind sich Marktbeobachter sicher, dass das iranische Öl mittelfristig trotzdem Abnehmer finden wird. Nicht zuletzt weil Iran mit drastischen Maßnahmen versucht, die Folgen des westlichen Embargos aufzufangen. Das Land akzeptiert bei Geschäften mit China nun auch den Renminbi als Zahlungsmittel. Die eingenommenen Devisen fließen im Gegenzug für importierte Waren und Dienstleistungen zurück in die Volksrepublik.
Zudem lockt die Regierung in Teheran ausgewählte Investoren inzwischen mit Discount-Deals. Vor allem asiatische Kunden sollen Lieferungen über einen Zeitraum von 180 Tagen zinsfrei bezahlen können, berichtete die "Financial Times" in der vergangenen Woche unter Berufung auf mehrere Brancheninsider. Bislang hatte Iran ausgewählten Abnehmerländern 60 bis 90 Tage Zahlungsaufschub gewährt.
Trotz dieser Maßnahmen ist Irans Ölproduktion laut IEA bereits jetzt so niedrig wie zuletzt 2002. Im Februar sei die Produktion um 50.000 Barrel pro Tag zurückgegangen - auf nun 3,38 Millionen Barrel. Die weltweiten Ölpreise sind durch das anstehende Embargo gestiegen.
Vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres steigt der weltweite Bedarf in der Regel deutlich. Schon jetzt beobachten Spekulanten die Entwicklung beim Kaufpreis für Öl aus Teheran aufmerksam. Sinkt dieser noch weiter, dürften sich irgendwann Abnehmer finden - Embargo hin oder her.
jok
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