Sanktionen: Iran lagert Millionen Tonnen Öl auf hoher See

Iran wird sein Öl nicht mehr los - und erfindet kreative Wege der Lagerung. Gewaltige Mengen des Rohstoffs schippern laut "Washington Post" auf Tankern über die Meere. Die Schiffe schalten ihre GPS-Peilsender oft über Wochen aus. So entziehen sie sich internationaler Kontrolle.

Iranischer Öltanker vor Singapur: Embargo umschifft? Zur Großansicht
REUTERS

Iranischer Öltanker vor Singapur: Embargo umschifft?

Teheran/Washington - Die Sanktionen gegen die iranische Rohstoffindustrie lassen das Regime in Teheran offenbar kreativ werden. Nach Informationen der "Washington Post" werden immer größere Mengen von Rohöl auf Tankschiffen gelagert. Diese schippern über die Meere - auf der Suche nach Abnehmern. Dabei schalten die Schiffe immer öfter ihre Satelliten-Peilsender ab, wie die Internationale Energiebehörde (IEA) bestätigte.

Mit dieser neuen Taktik will das Regime offenbar einer Überwachung seiner Tankerflotte entgehen und das Öl heimlich an den Mann bringen. Als Folge des Dauerstreits um Irans Atomprogramm bestehen umfangreiche Sanktionen. Vor allem der Verkaufsstopp für Rohöl trifft das Land hart, das zu großen Teilen vom Export des Rohstoffs abhängt.

Iran bezieht 70 Prozent seiner Einkünfte aus dem Ölexport und ist damit nach Saudi-Arabien zweitgrößter Förderer in der Opec. Ab Juli soll das Embargo auch in der EU greifen, dazu haben die USA, Japan, Südkorea, Indien und nicht zuletzt auch China ihre Einfuhren deutlich reduziert

Laut "Washington Post" beobachtet die IEA seit April eine wachsende Anzahl von Fällen, in denen die Tanker ohne GPS-Signal unterwegs sind. Nach Seefahrtsrecht ist ein Abschalten der Peilsender nur in absoluten Ausnahmefällen gestattet, etwa in Gewässern, in denen Piratenangriffe zu befürchten sind.

Trotz Embargo findet iranisches Öl Abnehmer

Experten werten den Schritt als Indiz für die zunehmende Frustration des Regimes in Teheran. Allerdings verspricht die Maßnahme nur begrenzten Erfolg. Hochauflösende Satelliten könnten die Hunderte Meter langen Schiffe auch ohne eingeschalteten Sender aufspüren.

Obwohl das Embargo bisher offenbar Wirkung zeigt, sind sich Marktbeobachter sicher, dass das iranische Öl mittelfristig trotzdem Abnehmer finden wird. Nicht zuletzt weil Iran mit drastischen Maßnahmen versucht, die Folgen des westlichen Embargos aufzufangen. Das Land akzeptiert bei Geschäften mit China nun auch den Renminbi als Zahlungsmittel. Die eingenommenen Devisen fließen im Gegenzug für importierte Waren und Dienstleistungen zurück in die Volksrepublik.

Zudem lockt die Regierung in Teheran ausgewählte Investoren inzwischen mit Discount-Deals. Vor allem asiatische Kunden sollen Lieferungen über einen Zeitraum von 180 Tagen zinsfrei bezahlen können, berichtete die "Financial Times" in der vergangenen Woche unter Berufung auf mehrere Brancheninsider. Bislang hatte Iran ausgewählten Abnehmerländern 60 bis 90 Tage Zahlungsaufschub gewährt.

Trotz dieser Maßnahmen ist Irans Ölproduktion laut IEA bereits jetzt so niedrig wie zuletzt 2002. Im Februar sei die Produktion um 50.000 Barrel pro Tag zurückgegangen - auf nun 3,38 Millionen Barrel. Die weltweiten Ölpreise sind durch das anstehende Embargo gestiegen.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres steigt der weltweite Bedarf in der Regel deutlich. Schon jetzt beobachten Spekulanten die Entwicklung beim Kaufpreis für Öl aus Teheran aufmerksam. Sinkt dieser noch weiter, dürften sich irgendwann Abnehmer finden - Embargo hin oder her.

jok

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insgesamt 69 Beiträge
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1. <->
silenced 14.05.2012
Mit welchem Recht wird es überhaupt wem verboten, mit seinem Öl zu handeln? Alle Welt schreit nach Öl und man verbietet es einem der wichtigsten Förderländer damit zu handeln, sehr paradox. Aber das sind alles Dinge, die muss man nicht verstehen, denn das ist höhere Politik aus der Traumwelt der involvierten Politiker.
2. zigtausende
einsteinalbert 14.05.2012
Autofahrer werden taglich auf den Strassen georrtet. Trotz sogenannten Spionagesatelilten soll es nicht möglich sein, einige Riesentanker zu orten . . . . das glaube wer mag. Man hat einfach kein Interesse dran, diese zu finden . . . GPS an oder nicht.
3.
Europas 14.05.2012
Und wahrscheinliche sind die Schiffe auch mit raketengetriebenen Granaten ausgestattet und sie transportieren Traktoren? GPS ist ein passives System zur eigenen Positionsbestimmung. DAS werden die garantiert nicht ausschalten, wozu auch? Das informationen aussendende System ist AIS.
4.
innajjanni 14.05.2012
Zitat von sysopDas Land akzeptiert bei Geschäften mit China nun auch den Renminbi als Zahlungsmittel. Die eingenommenen Devisen fließen im Gegenzug für importierte Waren und Dienstleistungen zurück in die Volksrepublik. Iran lagert Öl auf Tankern ohne GPS - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833104,00.html)
Das ist ja gerade das Problem: Libyen und Syrien wollten ihr Öl auch nicht mehr in Dollar tauschen und man sieht ja was draus wird...
5. Es gibt kein gutes oder böses Öl
4qfghei3pers 14.05.2012
Ebensowenig wie es keine gute oder schlechte Atombombe gibt, gibt es kein gutes oder böses Öl. Es ist eine Ware, die dringend gebraucht wird und die an den Mann gebracht werden soll. Man kann auch niemandem verbieten, dieses oder jenes Öl zu kaufen. Der Westen sollte sich an die eigene Nase fassen, wenn es um Menschenrechte oder Bedrohung des Weltfriedens geht. Sind Hunderttausende irakische Tote nicht genug, um endlich eine vernünftige Politik zu machen? Haben wir nicht genug Lügen und Verleumdungen gehört?
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