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Frauen in Iran: Die rätselhaften Säureattacken von Isfahan

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Iranerin in Isfahan: In der Stadt hat es mehrere Säureangriffe auf Frauen gegeben. Zur Großansicht
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Iranerin in Isfahan: In der Stadt hat es mehrere Säureangriffe auf Frauen gegeben.

Die Täter lauern an Ampeln und im Stau: Mindestens vier Säureangriffe auf Frauen am Steuer hat es in Iran schon gegeben. Stecken selbst ernannte Sittenwächter dahinter?

Isfahan - Vor drei Wochen haben die Attacken angefangen, jedes Mal laufen sie nach demselben Muster ab. Männer auf Motorrädern fahren an ein Auto heran, das gerade an einer roten Ampel, im Stau oder an einer Kreuzung wartet. Es ist warm, viele Menschen haben ihr Autofenster geöffnet. Sitzt eine Frau am Steuer, handeln die Angreifer blitzschnell: Sie schütten der Fahrerin Säure ins Gesicht - und verschwinden im Verkehr.

Mindestens vier solcher Attacken hat es nach Angaben der örtlichen Polizei schon gegeben. Medien in Iran berichten sogar von bereits 14 Fällen.

Rätselhaft ist das Motiv. Möglicherweise wollten die Angreifer Frauen bestrafen, die Irans Kleidungsvorschriften nicht einhielten. Einen solch politischen Hintergrund vermuten zumindest manche Iraner, wie die halboffizielle Nachrichtenagentur ISNA berichtet.

In Iran gibt es immer wieder Proteste von Erzkonservativen, die eine Sittenverrohung beklagen. Sie treten für eine strengere Umsetzungder Kleidungsvorschriften ein. Eine iranische Journalistin hatte vor Kurzem eine Onlinekampagne gegen die Schleierpflichtgestartet.

Frauen müssen in der Islamischen Republik eigentlich ihr Haar bedecken und weite Kleidung tragen, die ihre Körperformen verbirgt. Doch gerade in Großstädten wie Isfahan, einem der wichtigsten Touristenziele des Landes, sehen viele das lockerer. Dort kommt es vor, dass junge Frauen in Leggings herumlaufen - höchst umstritten in Iran - und das Kopftuch gerade noch ihren Pferdeschwanz verhüllt.

"Was war ihr Vergehen? Sie war eine selbstbewusste junge Frau"

Die 27-jährige Soheila Jurkesch war das erste Opfer. Sie hielt gerade kurz am Straßenrand im Zentrum von Isfahan - weil ihre Mutter auf dem Handy anrief. Die junge Frau habe die beiden Männer auf dem Motorrad kaum gesehen, erzählte ihr Vater der Agentur ISNA.

Die Folgen des Anschlags sind schrecklich. Säure traf Jurkesch im Gesicht, am Hals, den Händen und Beinen. Mit ihrem einen Auge wird sie nie wieder sehen können, auf dem anderen hat sie nur noch 20 bis 30 Prozent Sehvermögen. "Was war ihr Vergehen?", fragt der Vater aufgebracht. "Sie hat kein einziges Verbrechen begangen. Sie war eine selbstbewusste, stolze junge Frau." Nun habe sie ihren Lebensmut verloren.

Viele in Isfahan deuten die Säureangriffe als Einschüchterung von Frauen, die nicht den Vorstellungen der Konservativen entsprechen. Sie verfehlen ihre Wirkung offenbar nicht. "Jedes Mal, wenn ich ein Motorrad höre, bekomme ich Angst", sagte eine Iranerin der Nachrichtenagentur ISNA. Sie wollte anonym bleiben. Über ein solch heikles Thema mit Journalisten zu sprechen, ist in Iran riskant.

Eine andere Iranerin, die ebenfalls ihren Namen nicht veröffentlichen wollte, sagte: "Ich lasse jetzt immer die Autofenster oben und versuche, so selten wie möglich, aus dem Haus zu gehen." Eine iranische Studentin berichtete der amerikanischen Zeitung "New York Times", ihre Freundinnen würden auf einmal kein Make-up mehr tragen.

Säureangriffe sind in Iran eher selten, anders als in Pakistan oder Indien. Internationale Schlagzeilen machte 2011 eine private Fehde: Das iranische Gericht gestand dem entstellten Opfer, der 34-jährigen Amene Bahrami zu, ihren Peiniger mit Säure zu blenden. Die Frau verzichtete damals.

Der Parlamentarier glaubt an eine Verschwörungstheorie

Die offiziellen Stellen des Landes verurteilen die jüngsten Angriffe scharf. Doch einen politischen Hintergrund wollen sie darin nicht sehen. Ein Sprecher der Justiz sagte, die Attacken hätten nichts mit mangelhafter Verschleierung zu tun, ohne jedoch zu erklären, wie er zu diesem Schluss kommt.

Überhaupt bemühen sich die Behörden um Beschwichtigung. Der stellvertretende Innenminister Morteza Mirbagheri behauptete gar, es gäbe keinerlei Zusammenhang zwischen den Taten. "Die Säureangriffe von Isfahan sind keine Serienverbrechen." Man habe drei oder vier Verdächtige bereits festgenommen - kein Grund zur Panik. Das Justizministerium allerdings dementierte, dass es bereits Festnahmen gegeben habe.

Eine krude Erklärung für die Taten lieferte schließlich Abbas-Ali Mansouri, ein Mitglied des Sicherheitskomittees im Parlament laut ISNA. Er vermutete "ausländische und zionistische Geheimdienste" hinter den Attacken. Ihr Ziel: dem Ansehen des Islam zu schaden.

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