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Iran: Neuer Bericht über Angriffspläne des Pentagon

Im Pentagon soll eine Arbeitsgruppe mit Vorbereitungen für einen Angriff auf Iran befasst sein. Das US-Verteidigungsministerium dementierte den Bericht des "New Yorker" umgehend. Die Regierung in Teheran gab derweil bekannt, auf einen Krieg vorbereitet zu sein.

Washington - Diesmal ist es die renommierte Zeitschrift "The New Yorker", die über angebliche Planungen der US-Armee für einen Angriff auf Iran berichtet. Eine Arbeitsgruppe im Amt der Generalstabschefs habe den Auftrag, Bombenangriffspläne zu erstellen, die binnen 24 Stunden nach Anordnung von Präsident George W. Bush umgesetzt werden könnten, so das Blatt in seiner jüngsten Ausgabe.

US-Flugzeugträger "John G. Stennis" auf dem Weg an den Persischen Golf: Stets bereit zum Einsatz
AP

US-Flugzeugträger "John G. Stennis" auf dem Weg an den Persischen Golf: Stets bereit zum Einsatz

Der "New Yorker" beruft sich auf nicht näher genannte Geheimdienstvertreter. Ursprünglich habe die Arbeitsgruppe den Angriff auf atomare Anlagen in Iran und einen Regimewechsel im Visier gehabt. Zurzeit gehe es jedoch darum, Ziele ausfindig zu machen, die Aufständische im Irak versorgten. Bei der Verfolgung iranischer Agenten hätten US-Sondereinheiten vom Irak aus auch die Grenze zu Iran überschritten.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, wies den Bericht zurück. "Die Vereinigten Staaten planen nicht, gegen Iran in den Krieg zu ziehen. Alle gegenteiligen Behauptungen sind schlicht falsch, irreführend und bösartig." Nach Angaben von Ministeriumsvertretern gibt es für dutzende potenzielle Krisengebiete Notfallpläne der USA. Diese würden regelmäßig aktualisiert.

Selbstbewusst teilte Iran unterdessen mit, man sei im Streit über das Atomprogramm "sogar auf Krieg" vorbereitet. Auch weitere Uno-Sanktionen würden die Islamische Republik nicht zum Stopp der Arbeiten bewegen, sagte der stellvertretende Außenminister Manutschehr Mohammadi laut der Nachrichtenagentur Isna. Auch Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich in der Atomfrage entschlossen.Iran bewege sich bei diesem Thema wie ein Zug ohne "Bremsen und Rückwärtsgang", zitierte Isna den Politiker.

Berichte über Angriffspläne gegen Iran, dem vorgehalten wird, heimlich Atomwaffen zu entwickeln, sind nicht neu. Sie tauchen seit Monaten regelmäßig in diversen Medien auf.

Erst vor wenigen Tagen hatte der britische Sender BBC berichtet, das US-Militär habe bereits Details für einen möglichen Militärschlag gegen Iran festgelegt. Geplant habe das Zentralkommando des US-Militärs in Florida Luftangriffe sowohl gegen die Atomanlagen als auch gegen die wichtigsten Militäreinrichtungen Irans, berichtete der Sender unter Berufung auf nicht näher genannte Diplomaten. Das unterirdische Atomforschungszentrum Natans in Zentraliran solle etwa mit sogenannten bunkerbrechenden Bomben angegriffen werden, die aus B2-Stealth-Langstreckenbombern abgeworfen werden sollen.

Ebenso tauchen regelmäßig Berichte auf, wonach Israel an eigenen Plänen für einen Angriff auf die Nuklearanlagen bastelt. So hatte die britische Zeitung "The Daily Telegraph" kürzlich geschrieben, Israel habe bei der US-Regierung angefragt, ob israelische Jets im Falle einer Entscheidung für einen solchen Angriff den irakischen Luftraum überfliegen dürften.

Anfang Januar hatte die britische Zeitung "Sunday Times" ebenfalls Angriffspläne der Israelis erwähnt. Zwei Flugstaffeln der israelischen Luftwaffe würden für die Zerstörung iranischer Atomanlagen in Natans, Isfahan und Arak mit bunkerbrechenden Nuklearbomben ausgebildet, berichtete die Londoner Zeitung damals. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums dementierte den Bericht als "ungenau". Israel unterstütze zu 100 Prozent die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Einstellung des iranischen Atomprogramms.

Unklar bleibt, wieviel Wahrheitsgehalt die in fast schon regelmäßigen Abständen erscheinenden Berichte über Angriffspläne enthalten - oder ob sie gezielt gestreut werden, um Iran über die Haltung der US-Regierung zu täuschen. So hatte auf seiner jüngsten Reise nach Australien US-Vizepräsident Dick Cheney bekräftigt, dass die US-Regierung alles tun werde, damit Iran nicht in den Besitz von Nuklearwaffen gelange. "Alle Optionen bleiben auf dem Tisch", erklärte er vergangene Woche während einer Pressekonferenz mit dem australischen Regierungschef John Howard in Sydney. Zugleich fügte er aber auch hinzu, dass die USA und seine Verbündeten zunächst den diplomatischen Weg verfolgten.

sev/Reuters

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