Teheran/Gaza/Tel Aviv - Zum ersten Mal hat sich ein iranischer Spitzenpolitiker zur Militärhilfe für die Hamas gegen Israel bekannt. "Die arabischen Länder veranstalten Konferenzen und reden nur, aber sie müssen wissen, dass die Palästinenser dies nicht brauchen. Wir sind daher stolz zu verkünden, dass unsere Hilfe für die Hamas finanziell und militärisch ist", sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars.
Auch im jüngsten Gaza-Konflikt hatte das Regime in Teheran bisher stets behauptet, die Hamas und Palästina nur politisch und nicht militärisch zu unterstützen. "Wir sind stolz darauf, dass wir stets an der Seite von Palästina und Hamas gewesen sind und dies auch, sogar unter schlimmsten Umständen, in der Zukunft sein werden", rühmte Laridschani die Haltung Irans. Zu Details der militärischen Hilfe sowie dazu, ob sie auch der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad zukomme, äußerte sich Laridschani nicht.
Der Chef der Gruppe Islamischer Dschihad, Ramadan Abdallah Tschallah, hatte am Dienstag gesagt, die im Gaza-Konflikt gegen Israel eingesetzten Waffen kämen größtenteils aus Iran. Es handele sich im wesentlichen um "iranische Waffen oder mit finanzieller Hilfe Irans erworbene Waffen".
Teheran wird vor allem für die Lieferung von Raketen vom Typ Fadschr-5 verantwortlich gemacht, die eine Reichweite von bis zu 75 Kilometern haben. Solche Geschosse wurden zuletzt wiederholt vom Gaza-Streifen aus auf Tel Aviv abgefeuert.
Der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Ali Dschafari, sagte laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna, Teheran liefere "technische und technologische Hilfe an alle Muslime", die sich gegen den Westen auflehnten. Es seien aber keine Fadschr-5-Raketen, sondern nur deren Technologie geliefert worden. Die Raketen könnten von den Palästinensern aber "leicht hergestellt" werden.
Hamas jubelt über den Anschlag in Tel Aviv
Ziel der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" ist es, das Waffenarsenal der Hamas weitgehend zu zerstören. Die permanenten Angriffe der israelischen Luftwaffe waren jedoch offenbar bereits erfolgreich: Das Arsenal gefährlicher Raketen radikaler Palästinensergruppen im Gaza-Streifen sei so gut wie zerstört, sagte Vizeregierungschef Mosche Jaalon schon vor wenigen Tagen. "Ich weiß nicht, ob sie noch ein oder zwei Raketen übrig haben", so der Politiker. "Aber sie haben keinen Vorrat, der das Zentrum Israels bedrohen kann."
Umso mehr jubelte die militärisch so geschwächte Hamas denn am Mittwoch auch über den Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv. Mindestens 20 Menschen wurden dabei verletzt. "Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat", hieß es in einer Mitteilung, die über die Lautsprecher von Moscheen im Gaza-Streifen verlesen wurde. Es handele sich um eine "natürliche Reaktion" auf die Tötung von Zivilisten durch die israelische Luftwaffe, hieß es im Hamas-Fernsehsender. Zwar bekannte sich keine Organisation zu dem Anschlag, doch in Gaza wurden nach israelischen Medienberichten Freudenschüsse in die Luft gefeuert, als die Nachricht von dem Attentat bekannt wurde.
Bisher starben im Gaza-Streifen etwa 140 Menschen durch israelische Angriffe, darunter viele Zivilisten.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde das Zitat des Islamischer-Dschihad-Chefs Tschallah falsch wiedergegeben. Tschallah sagte nicht, die von Israel eingesetzten kämen größtenteils aus Iran, er sprach von den gegen Israel eingesetzten Waffen. Wir haben den Artikel dementsprechend geändert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.
als/dpa/Reuters/AFP
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