Iran Proteste gehen weiter - angeblich Schüsse auf Polizisten

Die Lage in Iran ist unübersichtlich: In Teheran kommt es erneut zu Protesten, in Nadschafabad soll ein Polizist erschossen worden sein. Die EU ruft Teheran zur Wahrung der Meinungsfreiheit auf.

Demonstranten an Polizei-Absperrung in Teheran
AFP/ HO / MEHR NEWS

Demonstranten an Polizei-Absperrung in Teheran


In der iranischen Hauptstadt Teheran hat es am Montagabend erneut Proteste gegen die Regierung gegeben. Laut Online-Medien waren seit Einbruch der Dunkelheit kleinere Gruppen von Demonstranten in der Innenstadt unterwegs und riefen regierungskritische Parolen.

Auch Bilder von brennenden Autos waren zu sehen. Die Nachrichtenagentur Mehr meldete, ein "Unruhestifter" habe ein Taxi in Brand gesetzt und sei danach geflohen. Auch die Nachrichtenagentur Fars verbreitete das Foto von einem brennenden Wagen.

Die landesweiten Proteste hatten am Donnerstag begonnen. Sie richteten sich zunächst vor allem gegen die hohe Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen, inzwischen zielt die Kritik jedoch gegen die Führung des Landes. (Lesen Sie hiereine Analyse zur Situation in Iran)

Mindestens zwölf Menschen wurden seit Beginn der Proteste getötet und Dutzende festgenommen. Es sind die größten Unruhen seit der gewaltsam unterdrückten Protestbewegung gegen die Wiederwahl des damaligen ultrakonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad 2009. Das iranische Geheimdienstministerium erklärte, die Anstifter der Unruhen seien identifiziert, einige von ihnen seien festgenommen worden.

Die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP meldeten unter Berufung auf das staatliche iranische Fernsehen, dass es erstmals seit Beginn der Proteste am vergangenen Donnerstag ein Todesopfer bei der Polizei gegeben haben soll. Wie eine Onlineseite des Staatsfernsehen berichtete, kam demnach es bei einer Kundgebung in der zentraliranischen Stadt Nadschafabad zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ein "Unruhestifter" habe daraufhin mit seinem Jagdgewehr auf die Sicherheitskräfte gezielt und einen Polizisten erschossen sowie drei weitere verletzt. Unklar ist, wann sich der tödliche Vorfall ereignet haben soll.

Aufruf der EU

Die Europäische Union ruft die iranische Führung angesichts der Unruhen im Iran zur Wahrung des Demonstrationsrechtes auf. "Wir haben die Kundgebungen iranischer Bürger während der vergangenen Tage beobachtet", erklärte ein EU-Sprecher am Montagabend in Brüssel. "Wir waren in Kontakt mit den iranischen Behörden und nach den öffentlichen Erklärungen von Präsident Rohani erwarten wir, dass das Recht auf friedliche Demonstrationen und die Meinungsfreiheit garantiert werden. Wir werden die Entwicklungen weiter beobachten."

Zuvor hatte bereits Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) die Führung in Teheran aufgefordert, die Versammlungsfreiheit zu respektieren. Er sei "sehr besorgt" angesichts der Meldungen über getötete Demonstranten und zahlreiche Verhaftungen bei den Protesten im Iran, erklärte Gabriel in Berlin. Demonstranten hätten das Recht, "sich zu versammeln und frei und friedlich ihre Stimme zu erheben".

Nach den Konfrontationen der vergangenen Tage sei es "umso wichtiger, allseits von gewaltsamen Handlungen Abstand zu nehmen", erklärte Gabriel.

Die Proteste in Iran sorgen auch für neuen Zündstoff in den Beziehungen zu den USA. US-Präsident Donald Trump twitterte zunächst am Sonntag, die Menschen in Iran würden nicht länger hinnehmen, "wie ihr Geld und ihr Wohlstand zugunsten von Terrorismus gestohlen und vergeudet wird". Rohani nannte im Gegenzug Trump am Sonntagabend einen Heuchler. Der US-Präsident konterte am Neujahrstag wiederum per Twitter, das "große iranische Volk" sei über Jahre unterdrückt worden. Seinen Tweet beendete er in Großbuchstaben mit: "ZEIT FÜR EINEN WECHSEL!"

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte am Montag Unterstützung für die Demonstranten in Iran. "Mutige Iraner gehen auf die Straße", sagte Netanjahu in einer Videobotschaft. "Sie wollen Freiheit, sie wollen Gerechtigkeit, sie wollen die grundlegenden Rechte, die ihnen seit Jahrzehnten verweigert werden."

Video: Größte Proteste in Iran seit 2009

STR /EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die iranische Führung verschwende Milliarden, um Hass zu säen, sagte er. "Das Regime hat Angst vor seinem eigenen Volk, deswegen werfen sie Studenten ins Gefängnis, deshalb verbieten sie soziale Medien." Die Demonstranten setzten im Kampf für mehr Freiheit alles aufs Spiel, sagte Netanjahu. "Leider schauen viele europäische Regierungen schweigend zu, wie heldenhafte junge Iraner auf den Straßen geschlagen werden."

anr/Reuters/AFP/dpa

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keine Zensur nötig 01.01.2018
1. Alter Wein in neuen Schläuchen?
die friedliche Opposition erschiesst Polizisten. Man suche nach Mossadegh. Und nein - ich mag religiöse Eiferer nicht - auch nicht die, welche Mammon anbeten.
sylkeheimlich 01.01.2018
2.
Nachdem der Iran hier seit Wochen in den Schlagzeilen steht , wundert es mich nicht, dass es dort zu Ausschreitungen gekommen ist. Ich frage mich dabei, wer an einer Schwächung des Iran Interesse hat.
uforgber 01.01.2018
3. Bravo spon!!!
mal wieder beste Propaganda zur Systemdestabilisierung. Teile des Videos sind eindeutig aus 2009 , blühende Bäume, massenhaft Menschen auf den Strassen aber leider kein Bezug zu den aktuellen Entwicklungen. Und zu guter Letzt taucht auch noch Mahmoud Ahmadinejad auf, ein seit 2013 abgelöster Präsident. Ein Schelm wer böses dabei denkt... Mal im Ernst, wäre es nicht an der Zeit einmal wieder über freien Journalismus nachzudenken anstatt manipulativ Gift unters Volk zu streuen???
Keyany 01.01.2018
4. Wie geht es im Iran weiter?
Seit Niederschlagung der Grünen Revolution 2009 im Iran sind die Unmut und Unzufriedenheit der Menschen zugenommen. Die Iraner wissen fast alle, dass dieses Regime keine Basis an der Bevölkerung besitzt und nur durch Unterdrückung und Gewalt an der Macht bleibt. Das Regime hat nur 2 Alternative, entweder lässt es zu, dass die Iraner friedlich demonstrieren, oder wie bislang mi Drohung und Gewalt versuchen, gegen die Menschen vorzugehen. Wie ich das Mullah Regime kenne, werden wie bis heute den zweiten Weg wählen, da bei geringste relative Freiheiten im Iran innerhalb paar Stunden Millionen Menschen auf der Straße gehen. Deswegen befürchte ich, dass die Lage sich radikalisiert. Es gibt schon Polizisten im Iran, die sich Vermummt in sozialen Netzwerken mit den Demonstranten sympathisieren. Es wird aufgrund aufgestauten Aggressionen gegen das Regime schwierigen Tagen dem Iran bevorstehen. Die EU und Deutschland tuten gut daran, die iranische Führung dazu bewegen, eine freie Referendum oder freie Wahlen zuzulassen, was die iranische Opposition seit Jahren verlangt. Die Mullahs setzen seit Jahren auf einen Pulverfass, das jede Zeit zu explodieren beginnen kann.
rjb26 01.01.2018
5. nicht verwunderlich
wenn man hinter diesen Aktionen Befehle aus dem Pentagon vermutet. Da war doch mal was. damals ging es um die Anglo..... Oil, heute geht es wieder ums Öl....und weitergehend natürlich auch die russischen Rohstoffvorkommen
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