Iran: Regime meldet Test neuer Kurzstreckenraketen

Teheran hat nach eigenen Angaben erfolgreich Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 300 Kilometern gestestet. Die Straße von Hormus, ein Nadelöhr des Ölhandels, kann so erreicht werden. Die Situation an der Meerenge spitzt sich zu.

Start einer Fateh-110: Die Straße von Hormus kann mit der Rakete getroffen werden Zur Großansicht
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Start einer Fateh-110: Die Straße von Hormus kann mit der Rakete getroffen werden

Teheran - Es ist mehr als Säbelrasseln. Im Konflikt um Irans Atomprogramm hat das Regime erneut seine militärische Macht demonstriert und nach eigenen Angaben verbesserte Kurzstreckenraketen erfolgreich gestestet. Die neue Reichweite der Rakete Fateh-110 liege bei 300 Kilometern, zitierte die Nachrichtenagentur Isna den iranischen Verteidigungsminister Ahmad Wahidi am Samstag. Teheran werde seine Flugkörper nur im Verteidigungsfall einsetzen, sagte Wahidi weiter. Seinem Land gehe es um Abschreckung.

Israel kann von der Rakete nicht erreicht werden - wohl aber die Straße von Hormus. Der Iran hat angesichts verschärfter Sanktionen des Westens mit einer Blockade dieser Meerenge gedroht. Durch das Nadelöhr befördern Tanker bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls - unter anderem nach Europa, Fernost und in die USA. Die USA haben ihre militärische Präsenz in der Golf-Region verstärkt. Vor wenigen Wochen hatte Iran Mittelstreckenraketen getestet.

Wahidi sagte, der Test habe bewiesen, dass die Fateh-110 dank des Lenksystems Ziele ohne Abweichung getroffen habe. Alle neu gebauten Raketen des Verteidigungsministeriums würden künftig mit dem System ausgestattet. Wahidi fügte hinzu, die Rakete werde nur zur Verteidigung "gegen Aggressoren und diejenigen eingesetzt, die die Interessen des Landes und die territoriale Integrität bedrohen".

Vorgängerversionen der Rakete wurden seit 2001 getestet hatten eine Reichweite von 150 bis 250 Kilometern. In den Rüstungsbeständen des Iran sind die Raketen die einzigen Waffen, die wirkungsvoll Ziele jenseits der eigenen Landesgrenzen treffen könnten. Die iranische Luftwaffe oder Marine wären dazu nach Einschätzung von Experten nicht in der Lage.

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Straße von Hormus: Streit zwischen Iran und dem Westen
Genaue Zahlen über den iranischen Raketenbestand liegen nicht vor. Westliche Experten gehen davon aus, dass der Iran über mehrere Dutzend Raketen verfügt, die in der Lage wären, Ziele in Israel oder US-Einrichtungen in der Region zu treffen. Der Westen verdächtigt Teheran, heimlich am Bau der Atombombe zu arbeiten. Israel und die USA schließen Angriffe gegen iranische Atomanlagen nicht aus, sollten die diplomatischen Bemühungen zum Stopp des iranischen Atomprogramms scheitern.

Zuletzt hatten die USA ihre Militärpräsenz in der Region um die Straße von Hormus deutlich ausgeweitet. Die Vereinigten Staaten haben mehrere Minenräumboote und Kampfflugzeuge in Stellung gebracht.

lei/dpa/AFP/Reuters

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1.
Atheist_Crusader 04.08.2012
Zitat von sysopTeheran hat nach eigenen Angaben erfolgreich Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 300 Kilometern gestestet. Die Straße von Hormus, ein Nadelöhr des Ölhandels, kann so erreicht werden. Die Situation an der Meerenge spitzt sich zu.
Was ist daran eine Zuspitzung? Der Iran hat schon längst Raketen, die weit mehr als 300 Kilometer schaffen. Auch mit diesen Tests können sie jetzt nichts, was sie nicht schon vorher konnten.
2. Spitzt sich zu??
brinom 05.08.2012
Zitat von Atheist_CrusaderWas ist daran eine Zuspitzung? Der Iran hat schon längst Raketen, die weit mehr als 300 Kilometer schaffen. Auch mit diesen Tests können sie jetzt nichts, was sie nicht schon vorher konnten.
Genau! Die Lage würde sich zuspitzen, wenn der Iran solche Raketen nicht hätte.. Da würden sich selbst Polen und Australier verpflichtet fühlen, für die Freiheit der Iraner kämpfen zu müssen!! Siehe rechts und links von Iran was in Irak und Aghanistan passiert ist!
3. Der Iran hat nur eine Chance.
Coroner 05.08.2012
Militärische Stärke zu demonstrieren. Und sein militärisches Bündnis mit Russland und China zu festigen. Sonst wird er binnen kurzer Zeit vom Westen genauso zerstört, wie der Irak.
4. Amerikas Freunde
heinzko 05.08.2012
Da rächt sich die dumme Politik der letzten 50 Jahre !Statt schon früh die Demokraten im Iran zu stützen ( wie zum Beispiel Hr.Mossadeq ) hat man mit viel Geld den Schah aufgerüstet.Und wäre die Revolution nicht gekommen ,hätte Iran die Atombombe schon - ganz legal wie Indien und Pakistan !Dann hat man einen Saddam Hussain unterstützt - bei seinem Überfall auf Irans Ölquellen und dadurch die Mullahs an der Macht gehalten ! Wer macht schon eine Revolution ,wenn der Feind das Erbe unserer Kinder rauben will ? Als dann der "iranische Gorbatschow" Katami ins Amt kam ,ließ man ihn auflaufen.Dafür ist jetzt ein Ahmadinedjad an der Macht.Dagegen rüset man die Saudis mit modernsten Waffen auf ! Auch in den Golfstaaten sollen jetzt Atomreaktoren gebaut werden - wie im Iran -nur zu friedlichen Zwecken ! Wie lange wollt Ihr uns noch verarschen ?
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Staatsoberhaupt und Religionsführer:
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Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
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Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei, und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad.
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Iran hat rund 72 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 84 (Deutschland ist auf Platz 22). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 79 Jahren).
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Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
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Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
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