Anschläge in Iran Revolutionsgarden geben Saudi-Arabien die Schuld

Angreifer haben mit zwei Anschlägen Irans Hauptstadt Teheran erschüttert. Der IS reklamiert die Taten für sich. Die Revolutionsgarden aber machen Erzfeind Saudi-Arabien verantwortlich.

Mitglieder der Iranischen Revolutionsgarden (Archivaufnahme)
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Mitglieder der Iranischen Revolutionsgarden (Archivaufnahme)

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Die sieben Männer kamen bei Tageslicht, um zu morden. Ihr Ziel waren das Parlament in Teheran und das Herz Irans - das Mausoleum von Revolutionsführer Ajatollah Khomeini.

Die erste Angreifergruppe - vier Männer, angeblich als Frauen verkleidet - schoss auf Besucher und Mitarbeiter im Abgeordnetenhaus. Ein Attentäter soll sich dort zudem selbst in die Luft gesprengt haben. Kurze Zeit später kam es zu einem weiteren Selbstmordanschlag im Mausoleum.

Bei dem Doppelanschlag am Mittwochvormittag sind nach bisherigem Stand mindestens zwölf Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt worden. Sechs der sieben Terroristen sollen tot sein, einer verhaftet.

Das Geheimdienstministerium erklärte, eine dritte Gruppe von "Terroristen" sei vor den Angriffen ausgeschaltet worden. Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli berief eine Krisensitzung ein. "Dieser Angriff wird die Haltung unseres Volkes gegen den Terror stärken", sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bei einem Besuch in Ankara.

Koordinierter Anschlag im Fastenmonat Ramadan

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamiert die Taten für sich. Sollte sich das bestätigen, wäre es der erste erfolgreiche Anschlag des IS in Iran.

Der koordinierte Anschlag während des heiligen Fastenmonats Ramadan ist eine Zäsur. So oder so.

Die Führung in Teheran steht unter Schock. Bisher hatten sich die Menschen dort sicher gefühlt: Das Morden fand in der arabischen Welt statt, die Kriege spielten sich außerhalb des Landes ab - in Syrien, im Jemen und im Irak. Die mehrheitlich von Schiiten bewohnte Islamische Republik Iran kämpft dort mit ihr treu ergebenen Milizen indirekt gegen wechselnde Feinde, die alle eines gemeinsam haben: sie sind Sunniten.

REUTERS/ Tasnim News Agency

Die Revolutionsgarden gaben am Nachmittag denn auch den Saudis die Schuld für die Attentate: Die Anschläge hätten sich nur eine Woche nach dem Besuch von Donald Trump in Riad ereignet. Trump hatte Iran für die Instabilität im Nahen Osten verantwortlich gemacht. Er forderte auch die Führer der arabischen Welt auf, radikale Islamisten zu bekämpfen. Riad schmiedete daraufhin eine Allianz der Autokraten und nahm Katar ins Visier. Das Bündnis wirft dem Zwergstaat die Unterstützung von Terrororganisationen vor und - gute Kontakte zu Iran.

Auch, dass der IS sich umgehend zu den Anschlägen bekannte, sei ein "Beweis", dass Saudi-Arabien in die Attentate verwickelt sei, hieß es in dem Statement der Garden weiter. Die Terrormiliz sieht in Schiiten vom Glauben abgefallene Menschen.

Zuvor hatte niemand von der Führung in Teheran die Regierung in Riad, also das saudische Königshaus, offiziell direkt für den Angriff verantwortlich gemacht. Doch die "Inspiration" der salafistischen Dschihadisten komme aus Saudi-Arabien, der sunnitischen Hegemonialmacht auf der Arabischen Halbinsel. So formulierte es ein hochrangiger iranischer Diplomat.

Saudi-Arabien und Iran hatten immer ein schwieriges Verhältnis. Doch seit dem Nuklearabkommen zwischen Teheran und dem Westen 2015 und mit dem Krieg in Syrien wurden sie zu erbitterten Feinden.

Saudi-Arabien fühlt sich von Iran eingekreist. Das Königreich kämpft im eigenen Land, im Osten, wo eine schiitische Minderheit lebt, aber auch im Jemen, in Bahrain und Syrien darum, den Einfluss Teherans zurückzudrängen.

"Wir werden daran arbeiten, dass die Schlacht in Iran stattfindet"

Anfang 2016 erreichten die Beziehungen einen Tiefpunkt, als in Saudi-Arabien ein prominenter schiitischer Geistlicher hingerichtet wurde. Daraufhin stürmte eine aufgebrachte Menge die saudische Botschaft in Teheran.

Saudi-Arabien und mehrere Verbündete brachen daraufhin ihre Beziehungen zur Islamischen Republik ab. Iranern wurde der Besuch heiliger Stätten im sunnitischen Königreich verboten, in dem der besonders radikale Wahhabismus Staatsreligion ist. In der Folge konnten sie die für Muslime verpflichtende Pilgerreise, die Hadsch, nicht mehr unternehmen.

Viele Iraner vermuten möglicherweise deshalb Saudi-Arabien hinter dem Terror. Anfang Mai hatte Vizekronprinz Mohammed bin Salman gedroht: "Wir werden daran arbeiten, dass die Schlacht in Iran stattfindet."

Am Mittwochmorgen verbreitete die Nachrichtenagentur al-Arabiya mit Sitz in Dubai diese Worte des saudischen Außenministers: "Iran muss für seine Einmischung und für seine Unterstützung von Terrorismus in der Region bestraft werden." Das war wenige Stunden vor Beginn des Terrors von Teheran.

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