Iran Präsident Rohani erklärt Atomstreit zur Chefsache

Kommt Bewegung in den Atomstreit mit Iran? Der neue Präsident Rohani schlägt eine Kursänderung vor: Die Verhandlungen mit dem Westen sollen künftig über Teherans Außenministerium geführt werden.

Irans Präsident: Rohani war früher selbst Verhandlungsführer im Atomstreit
AP

Irans Präsident: Rohani war früher selbst Verhandlungsführer im Atomstreit


Teheran - Der neue iranische Präsident Hassan Rohani will mehr Einfluss auf die für September geplante Fortsetzung der Atomverhandlungen mit dem Westen nehmen. Die Atompolitik sei nun Chefsache, sagte der neue iranische Atomchef Ali Akbar Salehi laut Medienberichten am Sonntag. Rohani müsse entscheiden, ob die Verhandlungen demnächst übers Außenministerium oder weiterhin über den Nationalen Sicherheitsrat laufen sollen.

Eine Änderung des Verhandlungsmodus sei beim ersten Telefongespräch der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton mit dem neuen iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zur Sprache gekommen. Laut unbestätigten Presseberichten soll bis zur Umsetzung des neuen Modus der Reformer und ehemalige Handelsminister Mohammed Schariatmadari als provisorischer Atomchefunterhändler agieren.

Rohani will unbedingt einen schnellen Durchbruch im Atomstreit, um die durch internationale Sanktionen verursachte Wirtschaftskrise im Land rasch zu beenden. Zahlreiche westliche Staaten werfen Iran seit langem vor, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet die Vorwürfe.

1000 Zentrifugen moderner Bauart

Iran verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über 18.000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung. Dabei handele es sich um 17.000 Geräte der älteren Generation IR-1, von denen 10.000 in Betrieb und 7000 betriebsbereit seien, sagte der scheidende Chef der iranischen Atombehörde, Ferejdun Abbaisi-Davani, am Samstag der Nachrichtenagentur Irna.

Hinzu kämen 1000 Stück neuerer Bauart, die einsatzbereit seien und es Iran erlauben würden, Uran deutlich schneller anzureichern als mit den älteren Geräten. Die Uno-Atomaufsicht hatte im Mai berichtet, Iran habe zu dem Zeitpunkt 16.600 Geräte vom Typ IR-1 installiert.

Bei den Atomverhandlungen traf sich der Sekretär des iranischen Sicherheitsrats in den vergangenen Jahren mit Ashton und den Generaldirektoren der fünf Uno-Vetomächte und Deutschlands. Diese Verfahrensweise führte jedoch zu keinem Durchbruch im Atomstreit. Daher wolle Rohani, falls auch der Westen damit einverstanden wäre, die Atomgespräche entweder auf Außenministerebene oder gleich direkt mit den USA führen, hieß es in Teheran.

sto/dpa/Reuters



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insgesamt 17 Beiträge
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Sabi 18.08.2013
1. bisher
Bisher war es auch nicht anders. Formal laufen die Verhandlungen über das Außenministerium , aber das letzte Wort und Veto-Recht hat seine graue Eminenz... Sie wissen schon !..... same procedure es ever !
beckhambauer 18.08.2013
2. Geht nur um eines
Zeit. Die Iraner machen mal einen Schritt nach vorn, dann wieder zwei zurück. Und basteln nebenbei weiter fleißig an ihrem Atomprogramm. Die Welt-Gemeinschaft lässt sich derweil für dumm verkaufen, und nimmt jede positive Absichtserklärung aus Teheran für bare Münze.
joG 18.08.2013
3. Es wäre schön....
....wenn Europa keine weitere Atommacht in seiner Nachbarschaft bekäme. Man ist zwar gut darin zu verschleiern, was das für Konsequenzen hätte. Aber es ist kaum zu übersehen, dass Proliferation folgen würde und wie wir alle wissen, Fehler passieren und Menschen verkalkulieren sich. Auch sind Extremisten im Iran nicht unbekannt und haben in mächtigen Stellungen teilweise Mehrheiten. Sie unterstützen Terroristen, die auch Europa nicht sehr mögen.
smoussaaref 18.08.2013
4. es ist deren Recht als ...
freier Staat, der frewillig den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat, so zu handeln. Mir wäre lieber alle Mächte die Uran anreichen sind gezwungen den Vertrag zu unterschreieben. Das wäre Rechtschaffenheit.... solange der Westen eine Doppelmoral lebt, wir sich hier nichts ändern....
ein anderer 18.08.2013
5. ...
Zitat von sysopAPKommt Bewegung in den Atomstreit mit Iran? Der neue Präsident Rohani schlägt eine Kursänderung vor: Die Verhandlungen mit dem Westen sollen künftig über Teherans Außenministerium geführt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-rohani-erklaert-atomstreit-zur-chefsache-a-917192.html
Schade, dass die Meldungen immer mit abstrakten und für den Laien kaum nach zu vollziehenden Informationen gespickt sind. Anstatt nur die Anzahl Zentrifugen zu nennen könnte man doch auch mal einen Experten zu Wort kommen lassen der z.B. was über die Kapazität dieser vielen Zentrifugen erzählt. Oder deutlich macht wieviel Kg Uran zu 5 oder 20% innerhalb einer Woche damit angereichtert werden kann. Noch besser wie lange der Iran bräuchte falls er tatsächlich das 20%ige zu waffenfähigem Uran machen möchte um genügend Material für eine Bombe zu haben? Wie lange die Vorwarnzeit wäre falls die Überwachungsgeräte der IAEA auf über 20%iges Uran anschlagen würden? usw.
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