Proteste in Iran Russland und Türkei warnen USA vor Einmischung

US-Präsident Trump begrüßt die Proteste gegen die Regierung in Iran und wünscht sich einen Machtwechsel. Moskau und Ankara kritisieren das mit deutlichen Worten.

Russlands Vizeaußenminister Sergej Ryabkov
imago/ ITAR-TASS

Russlands Vizeaußenminister Sergej Ryabkov


Nach harscher Kritik von US-Präsident Donald Trump an Iran hatte das Land den USA die Schuld an den andauernden Protesten gegen das Mullah-Regime gegeben. Nun stehen Russland und die Türkei Iran zur Seite.

Die USA solle sich nicht in "inneriranische Angelegenheiten" einmischen, sagte Russlands Vizeaußenminister Sergej Ryabkov in Moskau. Aus der Türkei hieß es, auch wenn die Menschen in Iran das Recht auf Demonstrationen hätten, sollten sich ausländische Mächte mit Kommentierungen zurückhalten. Bereits am Mittwoch hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron die markigen Wortmeldungen aus Washington als Gefahr für den Frieden kritisiert.

Trump hatte die Proteste gegen die iranische Staatsführung in den vergangenen Tagen mehrfach gelobt und die Regierung in Teheran als "brutal und korrupt" bezeichnet. Irans Regierung versage "auf ganzer Linie", es sei "Zeit für einen Machtwechsel". Zudem erwägen die USA neue Sanktionen gegen Vertreter der iranischen Regierung und ihre Unterstützer, um die Gewalt gegen Demonstranten zu ahnden.

Die Proteste in mehreren Landesteilen dauern seit einer Woche an. Sie begannen mit Kritik an der wirtschaftlichen Misere im Land, richten sich aber mehr und mehr gegen die ultrareligiöse Staatsführung unter Ajatollah Ali Khamenei. Seit vergangenen Donnerstag gingen täglich Tausende Demonstranten auf die Straßen, immer wieder wurde auch "Tod dem Diktator" skandiert.

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Proteste gegen das Regime: Gewalt auf Irans Straßen

Unklar ist , wie viele Menschen sich an den Protesten bislang beteiligt haben, auch weil iranische Medien nicht über die Demonstrationen berichten. Nur über soziale Medien dringen Informationen spärlich nach außen.

Laut iranischem Innenministerium lag die Teilnehmerzahl landesweit bei gut 40.000 Menschen. "Die relevanten Behörden haben uns berichtet, dass es höchstens 42.000 Menschen waren und das ist kein hohe Anzahl", sagte Innenminister Abdulurea Rahmani der Nachrichtenagentur Insa am Donnerstag.

An vom Staat orchestrierten Pro-Regierungsmärschen nahmen am Mittwoch und Donnerstag nach Regierungsangaben mehrere Hunderttausend Menschen teil. Es handelte sich dabei allerdings vor allem um Mullahs, Staatsbedienstete und Schüler, die von ihren Lehrern zu den inszenierten Protesten geschickt wurden.

Irans Regierung sucht die Schuldigen im Ausland: In einer offiziellen Beschwerde an die Vereinten Nationen schrieb Irans Uno-Botschafter, die USA mischten sich "in grotesker Weise" in die inneren Angelegenheiten seines Landes ein. Explizit attackierte das Regime darin US-Präsident Donald Trump. Dessen offene Unterstützung für den Protest und seine "absurden Tweets" hätten die Lage eskalieren lassen.

cht/AP/Reuters

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
bigroyaleddi 04.01.2018
1. Irgendwie spassig -
- die Russen und die Türken sind - wieder mal - einer Meinung. Und klar, unterstützt wird alles, was der eigenen auritären Machtfülle dienlich ist. Ein demokratischerer und von fundamentalen Religiösen befreiten Iran kann man da derzeit auch gar nicht brauchen. Die halten die Amis doch so richtig im retorischen Schwitzkasten.
bigroyaleddi 04.01.2018
2. Irgendwie spassig -
- die Russen und die Türken sind - wieder mal - einer Meinung. Und klar, unterstützt wird alles, was der eigenen auritären Machtfülle dienlich ist. Ein demokratischerer und von fundamentalen Religiösen befreiten Iran kann man da derzeit auch gar nicht brauchen. Die halten die Amis doch so richtig im retorischen Schwitzkasten.
Carabus 04.01.2018
3. Einen Bärendienst...
....leistet Trump den Demonstranten. Dies wird dem Regime in Teheran den Vorwandt liefern, dass die Demonstrationen von feindlichen Mächten (den USA und Israel) gesteuert werden. Dann darf auf sie geschossen werden, die Unterdrückung legitimisiert sich mit dem Kampf gegen diese Mächte und das Unterdrückeregime wird aus der Sache gestärkt hervorgehen und noch mehr Freiheiten kassieren. Die Gefängnisse werden sich füllen, Regimekritiker als feindliche Spione und Agenten hingerichtet. Dank Trumps Dummheit geht der Schuss nach hinten los...
Normaler Wutbürger 04.01.2018
4. Üblich
Da muss man nicht viel drauf geben. Immerhin mehr oder weniger Verbündete, da ist das wohl normal. Eine aktive Einmischung ist selbstverständlich zu unterlassen. Aber sagen, kann der Präsident der USA ja wohl noch was er will. Und dass sich die USA seit langem einen Machtwechsel im Iran "wünschen" ist ja nichtmal ein Geheimnis. Es ist schon etwas lustig, wenn das iranische Regime meint, dass die USA (also das erklärte und verhasste Feindbild der Muslime) angeblich durch die Aussagen von Trump (haha ausgerechnet Trump) die Proteste angestiftet und/oder noch verschärfen könnte ...
dunnhaupt 04.01.2018
5. Putin mischt sich in alles ein
Was hat die US-Iran Diskussion mit Moskau zu tun?
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