Irans geistliches Oberhaupt Chamenei teilt verbal gegen Trump aus

Mit Verbalangriffen auf die USA bereitet sich Iran auf die neue Runde der US-Sanktionen vor. Trump habe "Schande über die Überreste von Amerikas Ansehen gebracht", erklärte das geistliche Oberhaupt Chamenei.

Ayatollah Ali Chamenei
DPA/ Office of the Iranian Supreme Leader

Ayatollah Ali Chamenei


Die USA wollen am Montag auch die letzten Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft setzen, die im Zuge des internationalen Atomabkommens Anfang 2016 schrittweise aufgehoben worden waren. Dazu gehört auch ein Ölembargo. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei sendet kurz vorher scharfe Worte in Richtung Washington: US-Präsident Donald Trump habe "Schande über die Überreste von Amerikas Ansehen und dem der liberalen Demokratie gebracht", erklärte Chamenei via Twitter.

Weiter schrieb er, der Streit zwischen Washington und Teheran dauere bereits seit 40 Jahren an. In dieser Zeit hätten die USA "zahlreiche Anstrengungen" gegen Iran unternommen - "militärische, wirtschaftliche und mediale Kriegführung". Allerdings seien in diesem Kampf die USA die "Besiegten". Die US-Sanktionen der vergangenen Jahrzehnte hätten eher dazu geführt, dass Iran viele Waren selbst herstelle und daher unabhängiger und selbstständiger geworden sei.

Auch das iranische Außenministerium hatte am Freitag erklärt, auf die erweiterten Sanktionen vorbereitet zu sein und sich keine Sorgen zu machen. Ähnliche Aussagen gab es auch schon von Präsident Hassan Rohani und anderen Politikern. Allerdings steckte das Land schon vor der für Montag angekündigten Wiedereinführung weiterer Sanktionen in einer akuten Finanzkrise. Die nationale Währung Rial hat mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Anders als von der iranischen Führung dargestellt, machen sich die Menschen sehr wohl Sorgen, wie sich die Wirtschaftskrise nach dem 5. November weiterentwickeln wird.

Auch Unternehmen aus Drittstaaten betroffen

Die USA wollen ihren Intimfeind mit den schwersten Wirtschaftssanktionen in der Geschichte treffen, nachdem sie sich im Mai aus dem internationalen Atomabkommen von 2015 zurückgezogen hatten. Erste Sanktionen gegen Iran wurden im August wieder in Kraft gesetzt. Von den neuen Sanktionen sollen nun vor allem die Ölindustrie, aber auch der Finanzsektor und die Transportbranche mit den wichtigen Häfen getroffen werden.

Betroffen sind auch Unternehmen aus Drittstaaten, die mit Iran Geschäfte machen. Allerdings soll es Ausnahmeregelungen für acht Drittländer geben; EU-Staaten sind nicht darunter.

Die Europäische Union, die das Abkommen wie China ebenfalls unterzeichnet hat, bemüht sich seit Monaten darum, die Iran-Sanktionen zumindest teilweise auszuhebeln. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien bedauerten den Rückzug der USA und die Verhängung der Sanktionen "zutiefst". Das Atomabkommen "funktioniert und erfüllt seine Zielsetzung", betonten sie.

vks/dpa/AFP/Reuters



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fortelkas 03.11.2018
1. Ja die Methoden,
....die die USA im August 1953 im Iran anwendeten, als der CIA den Premierminister Mossadegh stürzen half, funktionieren eben nicht mehr so einfach. Es folgte die Zeit des verbrecherischen Regimes des Schah Reza Palavi. Die Europäische Union tut gut daran, diese Sanktionen der USA zu unterlaufen (ist aber auch nicht so einfach). Und warum sollte man sich nicht mit China verbünden? Je stärker der politische Druck auf die USA, desto besser. Erwin Fortelka
christine.rudi 03.11.2018
2. Die USA sind geschichtlich am Ende
es hat nur noch keiner gemerk(el)t. ... Oder will es nicht merk(el)n. Nach Jahrhunderten des militärischen und wirtschaftlichen Kolonialismus steht Trumpf mit dem Rücken zur Wand und setzt alles auf eine Karte. ... Aber er WIRD verlieren. Trumpfs Trümpfe stechen nicht. Sprechen wir in 5-10 Jahren nochmals.
genervtneu 03.11.2018
3. Das Erbe der neoliberalen Auswüchse
Klar ist das eine Schande, und leider hat dass ja noch nicht mal was mit Würde und Selbstachtung zu tun, sondern damit, dass es den deutschen Konzernen so geht wie den Wutbürgern, man nimmt die Vorteile einer stabilen demokratischen Gesellschaftsordnung gerne, leicht schmollend in Anspruch, tut nichts dafür und meckert ständig darüber. Eine Kolonie wären wir, wenn die Regierung direkte Befehle bekommen würde, aber die sind ja garnicht nötig, denn es herrscht vorauseilender Gehorsam vor, weil sonst der Vorstand oder die Aktionärsversammlung meckert, warum man nicht noch ein besseres Geschäft bei irgendeiner miesen Diktatorenbande mitgenommen hat. Da sich ja der neukonservative Möchtegernkanzler Spahn schon mit dem undiplomatischen Außendienstvertreter Trump, Grenell angefreundet hat soll wohl auch die Politik bald auf Linie gebracht werden. Ich glaube, was Konzerne, Trumpisten und Neukonservative am meisten stört, ist diese blöde Demokratie .....
Darwins Affe 03.11.2018
4. Grossmachtträume?
1) Nur weiter grosse Töne spucken, wo nix dahinter ist: Deutschland hat ja schon mal den Amis den Krieg erklärt (1941). Die Folgen sind hinlänglich bekannt. 2) Die Fakten: Keine Firma muss seinen Handel mit dem Iran abbrechen --- sofern sie auf den US-Markt verzichten will. Auch kein Arbeitgeber muss in einer Firma arbeiten, der seine Handelsbeziehungen zu dem totalitären System in Teheran abbricht. 3) Nebenbei: Am 31.10. forderte übrigens auch Dänemark wegen eines geplanten iranischen Terroranschlags Sanktionen gegen die Ajatollahs in Teheran.
hugahuga 03.11.2018
5.
Stimmt - dem Wirken der US Politik, mit allen "Nebenwirkungen" (höhere Kriegslasten, Einsatz von deutschen Soldaten in weiteren Gebieten, etc) nahezu hilflos ausgesetzt, ergibt sich ein Bild wie "Herr und Sklave". Dazu kommt die Macht von Google, Amazon, Apple und Microsoft - die mit viel Geld auf den deutschen Markt drängen. Die sich in unseren Unis breit machen und entsprechend ihrer Geldmacht dort in ihrem Sinne für Nachwuchs sorgen. Von den bekannten think tanks - wie Atlantik Brücke, Trilaterale Kommission etc etc gar nicht zu reden. Das Ergebnis könnte ein Herr Merz sein - der uns dann den Weg zeigt, den wir zu gehen haben. Noch regt sich in den Medien zu wenig bis gar nichts - das sollte sich dringend ändern, da ansonsten mehr Bürger, als man sich je hätte vorstellen können, auf die Straße gehen werden.
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