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Neues Marine-Manöver: Iran schickt Kriegsschiffe in den Atlantik

Kriegsschiffe "Sabalan" (vorne), "Khark" (hinten) in Bur Sudan (Archiv): Auf erster Atlantik-Mission Zur Großansicht
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Kriegsschiffe "Sabalan" (vorne), "Khark" (hinten) in Bur Sudan (Archiv): Auf erster Atlantik-Mission

Es soll eine Machtdemonstration sein: Teheran hat nach Angaben des Staatsfernsehens zwei Kriegsschiffe in den Atlantischen Ozean entsandt. Es ist der erste Einsatz dieser Art in der Geschichte der Islamischen Republik - das genaue Ziel hält das Regime aber geheim.

Teheran - Drei Monate sollen die beiden iranischen Kriegsschiffe unterwegs sein: Das Regime in Teheran hat den Zerstörer "Sabalan" und den Hubschrauber-Träger "Khark" in den Atlantischen Ozean geschickt, meldete das Staatsfernsehen am Dienstag. Es ist das erste Mal, dass die Islamische Republik solch ein Manöver startet.

Allerdings macht Teheran ein Geheimnis aus dem genauen Ziel der Schiffe. Sie sollten auf ihrer Mission Schiffsrouten sichern, zitierte die Nachrichtenagentur Fars Irans Marine-Chef Habibollah Sayyari. Zudem sollten auf dem Einsatz neue Soldaten trainiert werden, kündigte der Admiral an. An Bord seien neben der regulären Mannschaft 30 Kadetten, berichtete der Staatssender. Bereits vor zwei Jahren hatte die iranische Führung angekündigt, Kriegsschiffe in internationale Gewässer nahe der US-Küste entsenden zu wollen.

Für das Regime geht es wohl vor allem um die symbolische Wirkung des Einsatzes: Teheran will so Macht nach außen demonstrieren und nach innen den Nationalstolz befördern. Iran ist ein wichtiges Land mit Einfluss im Mittleren Osten - nicht nur in der Frage über einen Frieden im Bürgerkriegsland Syrien.

Bisher hatte Teheran seine Schiffe regelmäßig in den Golf von Aden vor die afrikanische Ostküste geschickt, um Piraterie zu bekämpfen und Handelsschiffe zu schützen. Der Einsatz im Atlantik ist auch eine Reaktion auf das US-Engagement im Persischen Golf. Die 5. Flotte der US-Marine ist in Bahrain stationiert - in unmittelbarer Nähe zu Iran.

Die iranische Regierung von Präsident Hassan Rohani steht innenpolitisch stark unter Druck. Am Montag war bekannt geworden, dass Teheran seine Urananreicherung drosselt - und damit begonnen hat, seinen Teil des Aktionsplans mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland einzuhalten.

Die USA und die Europäische Union setzten daraufhin einen Teil der Wirtschaftssanktionen aus. Die Sanktionen hatten das Land in eine Wirtschaftskrise geführt. Ohne Aufhebung der Sanktionen bis zum persischen Neujahr Ende März wäre der Reformkurs des Präsidenten, besonders im Atomstreit, gefährdet gewesen.

heb/AP

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1.
marinero7 21.01.2014
Zitat von sysopREUTERSEs soll eine Machtdemonstration sein: Teheran hat nach Angaben des Staatsfernsehens zwei Kriegsschiffe in den Atlantischen Ozean entsandt. Es ist der erste Einsatz dieser Art in der Geschichte der islamischen Republik - das genaue Ziel hält das Regime aber geheim. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-schickt-erstmals-zwei-kriegsschiffe-in-den-atlantik-a-944648.html
Naja, Zerstörer. "Sabalan" ist nach europäischen Maßstäben allenfalls eine Korvette. Warum nicht gleich eine Überschrift wie "Iran schickt Flottenverband mit Flugzeugträger in den Atlantik"
2. Wunderbar.
auweia 21.01.2014
Zitat von sysopREUTERSEs soll eine Machtdemonstration sein: Teheran hat nach Angaben des Staatsfernsehens zwei Kriegsschiffe in den Atlantischen Ozean entsandt. Es ist der erste Einsatz dieser Art in der Geschichte der islamischen Republik - das genaue Ziel hält das Regime aber geheim. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-schickt-erstmals-zwei-kriegsschiffe-in-den-atlantik-a-944648.html
In den Foren zu Iran und China wird ja immer spekuliert, was die USA wohl täten, wenn die Iraner oder Chinesen in der Nähe der US-Küste herumfahren würden. Es könnte also spannend werden - Bekommen die Iraner beim Hafenbesuch ein Bier ausgegeben? Dürfen sie es trinken?
3. oho..
fisschfreund 21.01.2014
...ganze ZWEI Kriegsschiffe. Da werden jetzt aber alle gewaltig beeindruckt sein von dieser geballten Macht. Hat die iranische Marine überhaupt mehr Schiffe?
4. naja...
schäfer_peinlich 21.01.2014
Janes listet den Hubschrauberträger als Versorger. Die 3! mitführbaren Hubschrauber sind unbewaffnet. Der Zerstörer ist in Wirklichkeit eine ältere (1972) und kleine (1.200 tns) Fregatte. Insgesamt keine beeindruckende Streitmacht. Das Ganze klingt mehr nach Übungsmission. Kann ja nie schaden, mal einen etwas lebhafteren Ozean zu befahren und auch länger unterwegs zu bleiben. Nützt der Seefestigkeit und dem Zusammenhalt der Besatzung.
5. Geheime Ziele ?
testi 21.01.2014
Für mich ist es glasklar, warum Iran Kriegsschiffe in den Atlantik schickt. Es muss der Kampf gegen den Terrorismus sein. Damit lässt sich heutzutage doch alles erklären.
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Staats- und Regierungschef:
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Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.
Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.


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