45 Grad Hitze Schüsse bei Unruhen wegen Wassermangel in Iran

In Iran herrscht extreme Hitze - und es gibt Probleme mit der Trinkwasserversorgung. In Teheran und im Südwesten des Landes sind deshalb Proteste eskaliert. Regimegegner wollen dies für sich nutzen.

Teheran
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Chorramschahr hat mehr als 120.000 Einwohner und hatte bei Temperaturen von mehr als 45 Grad Celsius tagelang kein Trinkwasser: In Teheran und anderen Teilen Irans gehen die Menschen daher seit Tagen auf die Straße.

Die Proteste gegen die Probleme mit der Wasserversorgung sind dabei an einigen Orten in gewalttätige Unruhen umgeschlagen. Innenminister Abdulresa Rahmani Fasli bestätigte einen Polizeieinsatz mit Schusswaffen bei Demonstrationen in der südwestlichen Provinz Chusestan.

Augenzeugen berichteten von Toten nach Schüssen der Polizei. "Es gab einen Verletzten, aber keinen Toten", sagte hingegen Minister Fasli laut der Nachrichtenagentur Fars. Mit Protestdemonstrationen habe das Innenministerium keine Probleme, die Polizei sei aber gezwungen einzugreifen, wenn diese "außer Kontrolle" gerieten. Ursache des Wassermangels soll der Bruch einer Leitung sein.

Kritik vor Rohanis Europa-Reise

In Berichten in sozialen Medien hieß es, bei den Protesten seien auch Parolen gegen die Regierung und das islamische System laut geworden. Auch in Paris kamen am Wochenende Zehntausende iranische Regimegegner zusammen.

Die Finanzkrise in Iran und der massive Verfall der nationalen Währung um mehr als 50 Prozent hatte Anfang der Woche zu Massenprotesten im Großen Basar in der Hauptstadt Teheran geführt. Tausende Händler protestierten gegen die aus ihrer Sicht konfuse Devisenpolitik der Regierung des iranischen Präsidenten Hassan Rohani. Iranische Hardliner fordern wegen der Finanzkrise und der Unruhen den Rücktritt Rohanis. Das lehnt dieser aber ab - und macht die Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump für die Krise verantwortlich.

Die Veranstalter der Demonstration in Paris riefen zum Sturz der religiösen Führung in Iran auf. Der Zustand der Gesellschaft sei explosiv, die Revolutionsgarden litten unter Desertionen und die Führung könne nicht mehr auf die USA als Vertreter einer Beschwichtigungspolitik zählen. An der Veranstaltung nahm unter anderem der frühere französische Außenminister Philippe Douste-Blazy teil.

Rohani reist am morgigen Montag in die Schweiz, um mit der Regierung über die Folgen des US-Ausstiegs aus dem Atomabkommen mit Iran zu sprechen. Weiteres Thema ist die Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen unter dem Eindruck der US-Sanktionen gegen Iran. Am Mittwoch reist Rohani zum Treffen mit ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz nach Österreich weiter.

apr/dpa/AP



insgesamt 4 Beiträge
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ronald1952 01.07.2018
1. Es dürfte erst der Anfang sein,
von etwas was auf uns alle zurollen wird. Wassermangel und das Welt weit. Man bedenke das es auf unserem Planeten zwar jede Menge Wasser gibt, aber davon sind nur etwa 3% Süßwasser und davon ist auch nur ein 'Teil für uns Genießbar. Leider sind wir Menschen so derart Maßlos in unserem Tun, daß wir immer wieder Vergessen das wir in einer Welt leben die Endlich ist. Dabei Vergiften wir auch noch alles in unserer Umwelt ohne Rücksicht auf Verluste.Als würde sich nie etwas Ändern, aber es ändert sich alles mit der Erwärmung der Erde mit von uns selbst Verursacht. Sollte es so weitergehen dann werden die Flüchtlingsströme Flüsse werden auf der Suche nach dem was wir alles am meisten Brauchen, Wasser. Und nichts wird Sie aufhalten können nicht mal Gewehre oder Kanonen. schönen Tag noch,
hugahuga 01.07.2018
2.
Extreme Hitze in Iran und deshalb herrscht Wassermangel. Mag sein, dass die Regierung nicht alles getan hat, um die Versorgung der Bevölkerung, überall und trotz der extremen Wetterlage, sicherzustellen. Daran, dass das hier zum Thema gemacht wird ist nichts auszusetzen. Allerdings würde man sich wünschen, dass das ebenso gehandhabt würde, wenn es um das Versagen US amerikanischer Politiker im trockenen Westen der USA geht.
UtopiSchulze 02.07.2018
3. Syrien, next station: Iran
Das Aufstacheln der syrischen Oposition hat nicht den erwünschten Effekt ("Regime-Change" durch den Welt-Hegemon) gezeitigt außer, dass das Land verwüstet, tausende Menschen in Tod, Verstümmelung, Entwurzelung und Verzweifelung gestürzt wurden; die EU in Aufruhr und Xenophobie versetzt wurde, durch die Opfer des US-Komplotts was ja schon ein toller Erfolg ist; das "Schwarze Meer" den Russen aber leider nicht entrissen werden konnte. Jetzt also Iran, der nächste "Coup" um die Amis unter Waffen zu halten. Sie können es einfach nicht lassen: Tausende Menschen umbringen, nur um ihre Waffengeilheit austoben zu können. It's your turn Kim Jong-Un: Ashes to ashes! - Just my opinion!
tom555 02.07.2018
4.
Ist ja toll, Terrororganisationen wie Al Qaida und Isis werden zumindest öffentlich geächtet, terrororganisationen wie die Volksmujahedin, die sich in kaum zu überbietender Heuchelei als Kritiker des religiösen Systems ausgeben, selbst aber stalinistische Islamisten sind (ja in diesem fall kein Widerspruch) unnd zumindest weitaus erfolgreicher, indem sie allein in einem jahr den iranischen Ministerpräsidenten, Staatspräsidenten und mehr als 70 parlamentsmitglieder getötet haben werden vom französischen Außenminister hofiert. Und dann wird noch mit der Wasserknappheit der ohnehin schon unter den Sanktionen leidenden iranischen Bevölkerung eine miese Politik betrieben. Da kann ich nur noch sagen gute Nacht Abendland.
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