Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Iran: Sechs Deutsche tricksen sich in Holocaust-Leugner-Konferenz

An der scharf kritisierten Konferenz zum Thema Holocaust in Teheran nehmen auch sechs Deutsche teil - deutlich mehr als eingeladen waren. Die Diskutanten wollen auf angeblich wissenschaftlicher Basis den Millionenfachen Mord an Juden in Frage stellen.

Teheran - Außenminister Manutschehr Mottaki eröffnete die Konferenz am Morgen in der iranischen Hauptstadt Teheran. An der Konferenz nehmen nach offiziellen Angaben mehr als 60 ausländische Gäste aus 30 Ländern teil. Hierbei handele es sich nur um Wissenschaftler und Meinungsforscher, nicht jedoch um Neo-Nazis, betonen die Veranstalter.

Aus Deutschland wurden offiziell zwei Gäste eingeladen. Ein Sprecher des iranischen Außenministerium sagte, es seien jedoch deutlich mehr Bundesbürger zu der Konferenz gekommen: Sechs weitere Deutsche seien als einfache Touristen nach Teheran gekommen und hätten ihr Visum am Flughafen erhalten. Wer die sechs sind, sei dem Außenministerium unbekannt, erklärte der Sprecher. Dem ehemaligen Chef der rechtsextremen NPD, Günther Deckert, war seine Teilnahme von deutschen Gerichten verwehrt worden. Er musste seinen Reisepass abgeben.

Ebenfalls aus dem westlichen Ausland kommt der frühere französische Literaturprofessor Robert Faurisson, der wegen Leugnung des Massenmordes am jüdischen Volk während der NS-Zeit mehrfach verurteilt worden war. Auch sein Landsmann, der Schriftsteller Georges Thiel, nimmt daran teil. Er hatte den nationalsozialistischen Massenmord an den rund 6 Millionen Juden zwischen 1933 und 1945 als "riesige Lüge" bezeichnet.

Auch mindestens fünf jüdische Rabbis nehmen an der Konferenz teil. "Wir sind hergekommen, um den Standpunkt der orthodoxen Juden zu vertreten", sagte der britische Rabbi Ahron Cohen am Morgen. "Wir sagen natürlich, dass es den Holocaust gegeben hat. Wir haben ihn durchlebt. Aber das kann in keiner Weise dafür herhalten, das ungerechte Verhalten gegenüber den Palästinensern zu rechtfertigen." Andere Rabbis kämen aus den USA und Österreich, hieß es.

Ein israelischer Araber, der in Nazareth das einzige arabische Holocaust-Museum leitet, darf nach eigenen Angaben nicht an der Konferenz teilnehmen. Der Rechtsanwalt Khaled Kasab Mahameed habe sich vergeblich um ein Visum für den Iran bemüht, schreibt die israelische Tageszeitung "Jerusalem Post" heute.

"Wir wollen nur überprüfen, was wirklich passiert ist"

Die iranische Regierung behauptet, das wahre Ausmaß der Judenermordung während des Nationalsozialismus erkunden zu wollen. "Wir wollen nur einen Teil der Geschichte im Zweiten Weltkrieg klarstellen, aber dafür werden wir vom Westen als Unterstützer der Nazis und als Antisemiten dargestellt", sagte Mottaki in seiner Eröffnungsrede. "Wir wollen nur überprüfen, was damals wirklich passiert ist, da der Holocaust schließlich dazu geführt hat, dass ein Land ohne Volk und ein Volk ohne Land (Palästina) entstanden sind", so Mottaki weiter. Der Außenminister bezeichnete die Konferenz als ein Novum in der sachlichen Untersuchung des Holocausts, das in Zukunft auch zur Bildung einer sogenannten Tatsachenfindungs-Kommission zu dem Thema führen könnte.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad nahm an der Eröffnungszeremonie nicht teil, will aber entweder heute Abend oder morgen die Teilnehmer persönlich empfangen. Er hatte in der Vergangenheit mit Äußerungen, der Holocaust sei "ein Märchen", und der Forderung, Israel nach Europa zu verlegen, weltweit für Empörung gesorgt.

Einer Ende November vom iranischen Außenministerium herausgegebenen Erklärung zufolge stehen auf der Agenda der Konferenz unter anderem die Themen "Antisemitismus, Nazismus und Zionismus", "Nazismus und Zionismus: Kollaboration oder Kooperation" sowie "Die Gaskammern: Verleugnung oder Bestätigung".

Es gibt auch vereinzelt Kritik in Iran an der Veranstaltung: Die Konferenz beleidige die jüdische Gemeinschaft, sagte Moris Motamed, der einzige jüdische Abgeordnete im Parlament. In der Islamischen Republik Iran leben rund 25.000 Juden.

Die US-Regierung hatte die Veranstaltung im Vorfeld verurteilt. Bei diesem Treffen stünden Leute im Mittelpunkt, die den Holocaust leugneten, sagte US-Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington. Zuvor hatte auch die Bundesregierung die Konferenz scharf kritisiert und den Geschäftsträger der iranischen Botschaft in Berlin ins Außenministerium einbestellt.

ler/dpa/ AFP/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Holocaust-Leugner: Dubiose Konferenzteilnehmer

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: