Nach Protesten Tausende Regierungsanhänger demonstrieren in Iran

Am Tag nach den Protesten gegen die Regierung sind Tausende regimetreue Iraner auf die Straße gegangen. Ein Berater des Präsidenten warnt jedoch davor, den Unmut in der Bevölkerung zu ignorieren.


Nach zahlreichen Protesten in Iran sind am Samstag Tausende Anhänger der Regierung auf die Straße gegangen. Das Staatsfernsehen zeigte große Menschenmengen schwarzgekleideter Regierungsanhänger in Teheran, der zweitgrößten Stadt Maschhad und weiteren Städten. Die Kundgebungen fanden zum Jahrestag der Niederschlagung der letzten großen Protestwelle im Iran im Jahr 2009 statt.

Am Donnerstag waren bei regierungskritischen Protesten in Maschhad mindestens 52 Menschen festgenommen worden. Die Proteste richteten sich ursprünglich gegen die hohe Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen, später jedoch auch gegen die Regierung als Ganzes.

Am Freitag hatten die Proteste auf die Hauptstadt Teheran und weitere Städte übergegriffen. Videos im Internet zeigten Hunderte Demonstranten bei einem Protestmarsch in der Pilgerstadt Kum. Dabei wurden Parolen wie "Tod dem Diktator" und "Freiheit für politische Gefangene" skandiert. Größere Demonstrationen gab es laut Onlinevideos auch in Rascht, Hamedan, Kermanschah, Kasvin und weiteren Orten. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

"Das Volk hat das Recht, dass seine Stimme gehört wird"

Die US-Regierung verurteilte das kompromisslose Vorgehen der iranischen Sicherheitsbehörden. Präsident Donald Trump forderte Teheran auf, die Rechte der Bürger auf freie Meinungsäußerung zu respektieren. Auf Twitter schrieb US-Präsident Donald Trump: "Unterdrückende Regime können nicht ewig bestehen und der Tag wird kommen, an dem das iranische Volk vor einer Entscheidung stehen wird. Die Welt schaut zu."

Während sich das Staatsfernsehen am Samstag auf die regierungstreuen Kundgebungen konzentrierte, warnten Regierungsvertreter davor, den Unmut der Bevölkerung zu ignorieren. "Das Land steht mit Arbeitslosigkeit, hohen Preisen, Korruption, Wassermangel, sozialen Unterschieden und einer unausgewogenen Verteilung von Haushaltsmitteln großen Herausforderungen gegenüber", schrieb Präsidentenberater Hesamoddin Aschena auf Twitter. "Das Volk hat das Recht, dass seine Stimme gehört wird."

Politische Proteste sind selten in Iran. Meist entzündet sich die Kritik an ungezahlten Löhnen oder an Entlassungen von Arbeitern. 2009 hatte der Verdacht, dass die Revolutionsgarden die Präsidentenwahl zugunsten des damaligen konservativen Kandidaten Mahmoud Ahmadinejad manipuliert hätten, zu monatelangen Unruhen im Land geführt. Gedenkmärsche für die Demonstrationen regierungstreuer Iraner werden jedes Jahr abgehalten. Dieses Jahr sollen sie in mehr als 1200 Städten und Dörfern stattfinden, berichtete das staatliche Fernsehen.

cte/AFP/Reuters

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