Moral in Iran Teenagerin musste sich für Tanzvideo entschuldigen

Sie tanzte in einem Video ohne Hidschab, dafür musste sie im iranischen Staatsfernsehen Reue zeigen: Mit Maedeh Hojabri habe Irans Sittenwächter erneut eine junge Frau öffentlich bestraft.


Sie tat, was Abertausende Teenager tun, und kam damit ins staatliche iranische Fernsehen - allerdings sehr zu ihrem Nachteil: Maedeh Hojabri, 17 oder 18 Jahre alt, hatte auf Instagram zahlreiche Videos von sich veröffentlicht, in denen sie zu Popliedern tanzt. Ihr folgen auf mehren Social-Media-Kanälen etliche Zehntausend Menschen.

Nun wurde die junge Frau aus Teheran offenbar festgenommen und musste im iranischen Staatssender IRIB Reue zeigen. Dort entschuldigte sie sich für ihre Social-Media-Beiträge, mit denen sie moralische Normen verletzt habe. Unklar ist bislang, ob sie nach dem Fernsehinterview im Gefängnis oder wieder frei ist.

Das offenbar erzwungene Interview und die mutmaßliche Verhaftung der Teenagerin haben im Internet für viel Empörung gesorgt, bei regierungskritischen Aktivisten in Iran genauso wie bei Dissidenten weltweit.

Nach den Kriterien des iranischen Gottesstaats gelten Tänze als sittenwidrig. Auch hat Hojabri in dem Video die Haare nicht mit einem Hidschab bedeckt, was Frauen in der Öffentlichkeit in Iran verboten ist. Die öffentliche Kritik richtete sich sowohl gegen Irans Justiz und die Moralwächter des Landes, als auch gegen den staatlichen Sender, wie das Nachrichtenportal Ensafnews berichtet.

Iran geht immer wieder hart gegen Social-Media-Nutzer vor

Anfang des Jahres hatten sich weltweit Menschen mit der 31-jährigen Vida Movahed solidarisiert. Sie hatte Ende 2017 in der Innenstadt von Teherangegen den Kopftuchzwang protestiert, indem sie ein Kopftuch an einen Stab knüpfte und sich damit auf einen Verteilerkasten stellte.

Wegen in den Folgetagen aufgeflammter Demonstrationen gegen die Regierung, bei denen ihr Foto zum Symbol wurde, wurde Movahed festgenommen. Ende Januar kam sie wieder frei.

Menschenrechtsaktivisten von Amnesty International berichteten einen Monat danach, allein in Teheran seien 35 Nachahmerinnen von Movaheds Protest festgenommen und in Haft wegen ihrer Teilnahme an Anti-Kopftuch-Protesten misshandelt worden.

Soziale Netzwerke wie Instagram, Twitter und Facebook werden für das islamische Establishment in Iran zu einem Problem, da sich viele Perser dort so ausleben, wie es ihnen in der Öffentlichkeit eigentlich verboten ist. Ende April hatte Irans Regierung den Messenger-Dienst Telegram verboten. Er soll in Iran 40 Millionen Nutzer haben.

Begründet wurde die Maßnahme mit "zahlreicher Beschwerden" gegen Telegram durch iranische Bürger. "Auf Verlangen der Sicherheitsbehörden" habe sich das Justizministerium entschieden, die "illegalen Aktivitäten" von Telegram zu beenden, hieß es.

cht/dpa/AP



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