Elektronische Überwachung: Ajatollahs setzen alles auf eine Karte

Von Kian Badrnejad

Irans Regierung führt einen biometrischen Ausweis ein, der gleichzeitig als Zugangskarte zum Web fungieren soll. Ohne Anmeldung per "Smart-Card" bleibt das Internet für die Bürger geschlossen - eine perfide Strategie zur Überwachung der Opposition im Internet.

Irans "Smart-Card": "fälschungssicher und mit eindeutigen Identifikationsmöglichkeiten"Zur Großansicht

Irans "Smart-Card": "fälschungssicher und mit eindeutigen Identifikationsmöglichkeiten"

Teheran - Das iranische Regime unternimmt einen weiteren Schritt auf dem Weg zur totalen Überwachung seiner Bürger. In Anwesenheit von Präsident Ahmadinedschad und zahlreichen Würdenträgern stellte Projektleiter Mohammad Ebrahim in der Stadt Ghom, dem wichtigsten Zentrum der schiitischen Geistlichkeit des Landes, den neuen elektronischen Ausweis "Nationale Smart-Card" vor. Die "kluge Karte", so die wörtliche Übersetzung aus dem Persischen, speichert alle persönlichen Daten, diverse biometrische Eigenschaften und den Fingerabdruck ihres Inhabers. Mit ihr sollen sich die Iraner in Zukunft ausweisen.

Anfang kommenden Jahres wird die "Smart Card" in einem Pilotprojekt an die Bürger der Provinz Ghom ausgegeben, innerhalb von fünf Jahren sollen alle Iraner ab 15 Jahren den digitalen Ausweis erhalten. Die Identifizierung soll durch eine Kombination aus dem Fingerabdruck und den auf der Karte gespeicherten und verschlüsselten persönlichen Informationen erfolgen, die online mit einer zentralen Datenbank abgeglichen werden.

Eines der Vorbilder für die "Smart-Card" ist die Ausweiskarte, die von der Einwanderungsbehörde in Singapur auf Wunsch an regelmäßige Besucher ausgegeben wird. Diese arbeitet ebenfalls mit Fingerabdrücken, wird aber lediglich zur eindeutigen Identifizierung von Personen bei der Ein- und Ausreise genutzt. Auch der deutsche Personalausweis bietet - auf Wunsch - die Möglichkeit, sich im Internet eindeutig auszuweisen und so zum Beispiel Behördengänge online zu erledigen.

"Fälschungssicher und mit eindeutigen Identifikationsmöglichkeiten"

Die Anwendungsmöglichkeiten der iranischen Karte sind deutlich weitreichender, wie Projektleiter Ebrahim bei der Präsentation erklärte. Nicht nur bei ihrer Ein- und Ausreise, sondern auch bei Geschäften im Internet, der Nutzung der Online-Auftritte der Behörden, bei eHealth-Anwendungen und der Verteilung von subventionierten Gütern wie Benzin müssen sich die Iraner künftig elektronisch ausweisen.

"Wie ein Schlüssel", so die staatliche Nachrichtenagentur IRNA, soll der neue "Smart-Card"-Ausweis den iranischen Bürgern den Eintritt in die digitale Welt ermöglichen, und zwar "fälschungssicher und mit eindeutigen Identifikationsmöglichkeiten".

Doch genau wie ein Schlüssel kann die neue Karte Türen nicht nur öffnen, sondern auch verschließen. Immer wieder kündigt das iranische Regime an, ein geschlossenes nationales "Halal-Intranet" einzuführen, das nur noch den Zugriff auf nach iranisch-islamischem Recht einwandfreie Seiten erlaubt. Erst Ende September hatte der britische "Guardian" berichtet, dass Forscher der Universität Pennsylvania auf eine funktionierende Testversion des "Halal"-Netzes gestoßen waren. Sollte Teheran seine Vision verwirklichen, könnte es von den Bürgern verlangen, sich bei jeder Online-Nutzung mit der neuen Karte zu identifizieren.

Seiten wie Facebook oder Twitter sind offiziell gesperrt

Die Folgen wären fatal: Der virtuelle Raum war in den vergangenen Jahren der wichtigste Organisations- und Rückzugsort für iranische Oppositionelle. Ohne die Nutzung des Internets hätte sich die "Grüne Bewegung" nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009 wohl nie formieren können. Seiten wie Facebook oder Twitter sind zwar offiziell gesperrt, über Proxy-Server im Ausland können die Iraner aber trotzdem auf die Dienste zugreifen. Mit den biometrischen Daten der "Smart Card"-Ausweise könnten in einem iranischen "Halal-Intranet" die Verfasser von Online-Texten einwandfrei und problemlos identifiziert werden, kritische Beiträge kämen einer Selbstanzeige gleich.

Bereits seit dem 18. Januar müssen iranische Internetcafés Name, Anschrift und Telefonnummer der Nutzer sowie die IP-Adresse und sämtliche besuchte Websites sechs Monate lang speichern. Derzeit kann die Regelung mit Hilfe von falschen Personalien noch relativ leicht umgangen werden. Mit der neuen "Smart Card" wäre das unmöglich. Außerdem könnten die Daten elektronisch zentral erfasst werden, der Zugriff auf missliebige Nutzer wäre deutlich einfacher. So ist laut IRNA denn auch einer der größten Vorteile der neuen Karte der Schutz vor "Identitätsdiebstahl".

Welches Schicksal Online-Kritikern des Regimes droht, konnte man in der vergangene Woche sehen. Kaleme.com, die Internetseite des Oppositionspolitikers und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawi, hatte gemeldet, dass der Blogger Sattar Beheshti, 35, nach Folter und Verhören im berüchtigten Kahrizak-Gefängnis gestorben war. Beheshti hatte geahnt, in welcher Gefahr er schwebte. Vor seiner Festnahme hatte er noch gebloggt: "Sie haben mich gewarnt: Wenn ich meinen Mund nicht halte, wird meine Mutter bald Schwarz tragen."

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insgesamt 109 Beiträge
Hinrich7 24.11.2012
als 1980 vor den Ajatollas gewarnt wurde, ja da wurden alle ausgelacht - heute lachen die Durchmarschierer der Alt68er nur noch über ihr dickes Gehalt, ihre dicke Rente. Was haben sie uns nicht alles beschert ?
als 1980 vor den Ajatollas gewarnt wurde, ja da wurden alle ausgelacht - heute lachen die Durchmarschierer der Alt68er nur noch über ihr dickes Gehalt, ihre dicke Rente. Was haben sie uns nicht alles beschert ?
...Studenten damals - heute Anwälte, Lehrer, Kunstgeschichtler und co. Mit zu den Umstürzen in Persien beigetragen haben.
...Studenten damals - heute Anwälte, Lehrer, Kunstgeschichtler und co. Mit zu den Umstürzen in Persien beigetragen haben.
b399y 24.11.2012
Das wird doch hier auch alle Nase lang von Feinden der Verfassung gefordert. Ist Vorratsdatenspeicherung was anderes?
Das wird doch hier auch alle Nase lang von Feinden der Verfassung gefordert. Ist Vorratsdatenspeicherung was anderes?
knnknn 24.11.2012
Das kommt noch bei uns im Westen auch. Guten Tag, Oberpolitkorrektor Meier am Apparat! Wir hätten da eine Frage zu Ihrem Forumsposting von vor einer Stunde. Da behaupten Sie, ich zitiere "Das durchschnittliche weibliche [...]
Das kommt noch bei uns im Westen auch. Guten Tag, Oberpolitkorrektor Meier am Apparat! Wir hätten da eine Frage zu Ihrem Forumsposting von vor einer Stunde. Da behaupten Sie, ich zitiere "Das durchschnittliche weibliche Gehirn ist ca. 100 g leichter als das durchschnittliche männliche". Wir rufen Sie an, um abzuklären, aus welchem Grund Sie keine Ironie-Tags gesetzt haben. aus: Guten Tag, Genderpolizei! (http://bloganddiscussion.com/hee/543/guten-tag-genderpolizei/)
cour-age 24.11.2012
Wer heute ind hier auf Seiten des Iran steht und diesen verteidigt, der sollte selbst eine solche Karte benutzen müssen.
Zitat von sysopIrans Regierung führt einen biometrischen Ausweis ein, der gleichzeitig als Zugangskarte zum Web fungieren soll. Ohne Anmeldung per "Smart-Card" bleibt das Internet für die Bürger geschlossen - eine perfide Strategie zur Überwachung der Opposition im Internet. Iran: Überwachung der Bürger mit biometrischem Ausweis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-ueberwachung-der-buerger-mit-biometrischem-ausweis-a-868076.html)
Wer heute ind hier auf Seiten des Iran steht und diesen verteidigt, der sollte selbst eine solche Karte benutzen müssen.
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  • Samstag, 24.11.2012 – 07:18 Uhr
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Mahmud Ahmadinedschad

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Chronik
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.





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