Nuklearprogramm Um diese Atomanlagen streitet die Welt mit Iran

Reaktoren, Zentrifugen, Uranvorräte - im Streit um die iranischen Atompläne bahnt sich ein Kompromiss an. Auf welchem Stand ist das Programm? Um welche Anlagen geht es? Der Überblick.

Kernkraftwerk Buschehr (Archivbild): Iran und das Uran
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Kernkraftwerk Buschehr (Archivbild): Iran und das Uran


Der Countdown läuft - und ein Kompromiss im gefühlt endlosen Atomstreit scheint endlich greifbar. In Lausanne werden sich die Diplomaten Irans mit den Vertretern Deutschlands und der Uno-Vetomächte wohl auf einen Deal einigen. Der erwartete Kompromiss: Teheran verzichtet auf den Bau von Kernwaffen, dafür fallen Handelssanktionen gegen Iran. Aber wie steht es eigentlich um dessen Atomprogramm, über wie viele Anreicherungsanlagen und Zentrifugen verfügt das Land? Der Überblick:

Wie viele Reaktoren und Zentrifugen stehen in Iran?

Seit 2011 ist in der Hafenstadt Buschehr das einzige Atomkraftwerk Irans in Betrieb, dessen Bau Deutschland vor der iranischen Revolution 1979 unterstützt hatte. Seit 1992 erweitert Russland das 1000-Megawatt-Werk schrittweise, zuletzt haben beide Länder einen erneuten Ausbau vereinbart. In den kommenden Jahren sollen noch zwei Meiler entstehen, darunter der umstrittene Schwerwasserreaktor in Arak. In Teheran und Isfahan betreibt Iran Forschungsreaktoren und in der Ortschaft Partschin eine militärische Atomanlage. Insgesamt verfügt das Land nach Angaben seines Top-Diplomaten Majid Takht Ravanchi über etwa 20.000 Zentrifugen, von denen die Hälfte nukleares Material produziert.

Wofür braucht Teheran diese Technik?

Grundsätzlich beharrt Iran darauf, die Atomkraft zivil nutzen zu wollen. Doch mehrere Staaten und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) werfen Teheran vor, insgeheim an einer Atombombe zu bauen - diesen Verdacht nährte die iranische Führung selbst: Jahrelang verschwieg sie der Atomenergiebehörde mehrere Urananreicherungs- und Schwerwasserprojekte, die grundsätzlich zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium geeignet sind. Daher soll nun ein Abkommen mit den sogenannten 5+1-Staaten unter anderem vorsehen, dass iranische Atomanlagen künftig generell von der IAEO kontrolliert werden.

Wie reichert das Land sein Uran an?

Teheran reichert seit 2010 Uran an und verfügt dafür über zwei Anlagen. Besonders modern ist die Technik in Natanz, wo laut der iranischen Führung in 180 modernen Zentrifugen Uran auf fünf Prozent angereichert wird - diese Brennstoffe können vor allem zur Stromerzeugung genutzt werden. In der unterirdischen Anlage Fordo, deren Betrieb nach Abschluss der derzeitigen Gespräche in Lausanne eingestellt werden soll, reichert das Land Uran auf 20 Prozent an. Damit lässt sich medizinisches Material herstellen, so hoch angereicherter Brennstoff ermöglicht aber auch den Bau von Nuklearwaffen.

Über wie viel angereichertes Uran verfügt Teheran?

Der aktuelle Stand der iranischen Uranvorräte ist nicht genau bekannt. Teheran reichert jedoch schon seit Jahren deutlich mehr Uran an, als das Land für die Erzeugung von Atomstrom oder für Forschungszwecke braucht. 2012 soll Iran einem US-Thinktank zufolge mehr als sechs Tonnen auf mindestens 3,5 Prozent angereichertes Uran besessen haben, im Februar 2013 verfügte das Land laut IAEO über 167 Kilogramm auf 20 Prozent angereichertes Uran. 80 Prozent dieses Vorrats wurden der Behörde zufolge jedoch allein in der ersten Jahreshälfte 2014 abgebaut. Für den Bau einer Atombombe benötigte Iran mindestens 240 Kilogramm hoch angereichertes Uran.

Gibt es noch weitere atomwaffenfähige Technik in Iran?

Neben Reaktoren und Urananreicherungsanlagen verfügt Iran etwa über ein eigenes Raketenbauprogramm, das nicht Teil der aktuellen Verhandlungsrunde ist. Kritiker fürchten allerdings, dass Teheran diese Flugkörper eines Tages als Träger für Atomwaffen nutzen könnte.

Welche Auswirkung ein Kompromiss auf den Nahen Osten hätte, lesen Sie hier.

Aus US-Sicht wird das Thema in diesem Kommentar beleuchtet.

Der Streit um Irans Atomprogramm im Überblick:

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Seite 1
navidus 31.03.2015
1. Korrekturen
1. Mit 20% angereichertem Uran kann man keine Atombombe bauen. Dazu braucht man rund 90%. 2. Dass der Iran Anreicherungsanlagen "verschwiegen" hat, ist Unsinn. Die Frage ist, wann es meldepflichtig ist. Der Iran hat die Fristen des Atomwaffensperrvertrages eingehalten, aber nicht die engeren des Zusatzprotokolls. Letzteres hat der Iran zwar unterschrieben, aber nie ratifiziert und später explizit gekündigt. Nach permanenten Drohungen aus Israel, solche Anlagen zu zerstören, zögert der Iran diese Meldung natürlich solange hinaus, wie es geht.
Thomas McKean 31.03.2015
2. Amateur Poker
Iran das trotz seinem Ölreichtum Benzin importiert weil Raffinerien fehlen muss unbedingt in Nuklearforschung und Raketentechnologie investieren. .. und nein, kommerziell verfügbare Brennstäbe oder Raketen reichen nicht, Grundlagenforschung ist angesagt. Ganz bestimmt nicht wegen Atomwaffen, nein es sind super berechtigte Gründe weshalb das Drittweltland seine knappen Ressourcen dorthin investiert. Das der Westen bei dieser Scharade mitmacht ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten.
johnnypistolero 31.03.2015
3. falsch!!!
hier streitet nicht die welt, hier streiten die usa zusammen mit ihren vasallen...und der iran hat längst eingelenkt, hier ging es gar nicht um die nukleare bedrohung, hier ging es nämlich um die bedrohung des dollars, denn der iran lies in den vergangenen, sein öl in den jeweiligen landeswährungen begleichen...
pb-sonntag 31.03.2015
4. was ich nicht verstehe, ist ...
... da wird herum gejammert, weil der Iran angeblich eine Atomaufbereitungsanlage haben soll und damit Atombomben herstellen könnte. Jammert irgendeiner hier auch darüber, dass Indien, Israel, Bangladesch, und und und, auch die Bombe haben?
casa123 31.03.2015
5. So ist es!
Zitat von johnnypistolerohier streitet nicht die welt, hier streiten die usa zusammen mit ihren vasallen...und der iran hat längst eingelenkt, hier ging es gar nicht um die nukleare bedrohung, hier ging es nämlich um die bedrohung des dollars, denn der iran lies in den vergangenen, sein öl in den jeweiligen landeswährungen begleichen...
Danke für diesen Beitrag. Genau so ist es. Endlich jemand der die Zusammenhänge sieht.
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