Trotz US-Sanktionen Iran präsentiert Kampfjet

"Wir wollen niemanden angreifen": Iran hat einen neuen Kampfjet aus angeblich eigener Produktion vorgestellt. Doch das Flugzeug ist der Nachbau eines US-Modells, das vor über einem halben Jahrhundert erstmals geflogen ist.

AFP/ IRANIAN DEFENCE MINISTRY

Irans Präsident Hassan Rohani hat den ersten angeblich selbst gebauten Kampfjet in der Geschichte des Landes präsentiert. "Wir leben nun einmal in einer Region, wo wir uns stets auf Verteidigung einstellen müssen", sagte Rohani bei einer Zeremonie zum Tag der nationalen Verteidigungsindustrie. Er sei nicht an einem militärischen Konflikt interessiert.

Das Flugzeug mit dem Namen "Kosar" wurde am Dienstag in Anwesenheit Rohanis vorgestellt und den Angaben zufolge auch bereits erfolgreich getestet. "Wir haben alles selbst gemacht, vom Motor bis zum präzisen Radarsystem. Das macht uns stolz", sagte Rohani. An der neuen Maschine sei jahrelang gebaut worden.

Allerdings handelt es sich bei dem Flugzeug, das auf Bildern des iranischen Staatsfernsehens zu sehen war, eindeutig um einen Nachbau der F-5 "Tiger" des US-Konzerns Northrop. Der Kampfjet wurde bereits 1962 in Dienst gestellt und in den Sechzigerjahren auch an Iran geliefert. Später ließ das iranische Mullah-Regime die F-5 weitgehend kopieren und nannte sie "Azarakhsh". Dieser Typ soll laut öffentlich verfügbaren Informationen bis auf einige äußere Details und eine modernisierte Elektronik identisch mit der F-5 sein.

Bei der "Kosar" wiederum, die nun angeblich präsentiert wurde, handelt es sich eigentlich um ein neues Ausbildungs- und leichtes Bodenkampfflugzeug - und damit um etwas gänzlich anderes als einen leichten Jäger wie die F-5. Warum die iranische Regierung nun versucht, die "Azarakhsh" als "Kosar" zu verkaufen, ist unklar. Der maltesische Autor und Luftfahrtexperte Babak Taghvaee etwa schrieb auf Twitter, der geplante Testflug mit der "Kosar" sei wegen technischer Probleme kurzfristig abgesagt worden.

Irans Präsident Rohani sagte, angesichts der internationalen Sanktionen wolle sich Iran vom Ausland unabhängig machen und eine eigene Rüstungsindustrie aufbauen. Die iranische Luftwaffe besteht bislang hauptsächlich aus russischen Flugzeugen oder US-Modellen aus der Zeit vor der Islamischen Revolution im Jahr 1979.

"Wir wollen niemanden angreifen, weil dies gegen unsere Verteidigungsdoktrin ist", sagte der Präsident. Das Land habe in den vergangenen 40 Jahren keinen Militärkonflikt begonnen. Stattdessen gehe es um den Schutz des eigenen Landes. Dafür brauche Iran seine eigenen Kampfflugzeuge, Raketen und Abwehrsysteme. Die militärische Aufrüstung Irans solle den regionalen Frieden sichern. Solange der Iran militärisch stark sei, sei kein Land - nicht einmal die USA - an einem Konflikt mit Teheran interessiert, sagte Rohani.

Die Islamische Republik hatte bereits im Jahr 2013 einen neuen Kampfjet mit der Bezeichnung "Qaher 313" vorgestellt, der im Inland entwickelt worden sein soll. Dessen Präsentation wurde jedoch zur Blamage, gleich mehrere Militärexperten entlarvten den Jet als nicht einsatzfähig - so fehlten beispielsweise Verkabelung und Radarschirm im Cockpit. Neben der Luftwaffe soll auch die iranische Marine aufgerüstet werden. Mehr dazu lesen Sie hier.

kmy/mbe/dpa

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