Konflikt mit Israel: Iran und Hisbollah fordern Waffenhilfe für Hamas
Die USA und die Uno ringen um einen Waffenstillstand in Gaza, aber radikalislamische Palästinenser setzen ihre Raketenangriffe auf Israel fort. Jetzt erhalten sie Rückendeckung von Iran und der Hisbollah: Teheran und die Islamisten aus dem Libanon rufen zu Waffenlieferungen auf.
Gaza/Jerusalem/Beirut - Der seit sieben Tagen schwelende Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gaza-Streifen spitzt sich trotz internationaler Vermittlungsbemühungen weiter zu. Militante Palästinenser setzten ihre heftigen Raketenangriffe auf Israel am Dienstag fort. Zahlreiche Raketen seien auf israelische Städte abgefeuert worden, darunter die Küstenstädte Aschdod und Aschkelon, berichtete der israelische Rundfunk.
In Beerscheva sei ein Haus direkt getroffen worden. In der Negev-Wüste sei ein Israeli von Granatsplittern schwer verletzt worden. Ein Hubschrauber brachte ihn den Angaben zufolge in eine Klinik. Eine Armeesprecherin sagte, seit Dienstagmorgen seien etwa 30 Raketen abgefeuert worden, israelische Medien nannten höhere Zahlen. Auch Jerusalem wurde am Dienstag angegriffen, die Rakete schlug nach Polizeiangaben außerhalb der Stadt ein und verletzten niemanden. Israels Militär reagierte mit weiteren Luftangriffen auf die Attacken der Hamas.
Die radikal-islamische Organisation erhielt jetzt auch Unterstützung von Iran und der libanesischen Hisbollah: Die Palästinenser im Gaza-Streifen müssten "ausgerüstet" werden, um sich verteidigen zu können, sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums. Iran gilt seit Jahren als wichtiger Unterstützer der Hamas. Auch die radikale libanesische Hisbollah rief zur Hilfe für die Hamas auf. In einer TV-Ansprache sagte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, dass die Führer arabischer Länder "mehr Raketen an den palästinensischen Widerstand im Gaza-Streifen" schicken sollten.
Derzeit bemüht sich die internationale Gemeinschaft um eine Vermittlung in dem Konflikt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) traf am Dienstag in Ramallah im Westjordanland mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammen. Das Gespräch ist Teil der Bemühungen Westerwelles, eine weitere Eskalation der Gewalt in der Region zu verhindern und möglichst einen Waffenstillstand zwischen Israel und dem von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen zu erreichen. Allerdings ist der Einfluss von Abbas auf die mit ihm verfeindete Hamas gering.
Westerwelle hatte zuvor am Morgen in Jerusalem den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu getroffen. Dabei bekräftigte der Außenminister die Solidarität Deutschlands mit Israel: "Deutschland steht an der Seite Israels, Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung", sagte Westerwelle laut Auswärtigem Amt. Jetzt aber müsse diskutiert werden, "wie ein Waffenstillstand möglich werden kann". Voraussetzung dafür sei ein Ende des Raketenbeschusses aus dem Gaza-Streifen auf Israel. Westerwelle begrüßte zudem, dass Israel zu einer diplomatischen Lösung bereit sei. Der Außenminister reiste am Dienstagnachmittag überraschend nach Kairo weiter. Dort ist ein Treffen mit Außenminister Mohammed Amr geplant.
Das Weiße Haus erklärte am Dienstag, dass US-Außenministerin Hillary Clinton in den Nahen Osten reisen werde, um in der Krise zu vermitteln. Geplant sind demnach Gespräche in Jerusalem, Ramallah und Kairo.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte in der ägyptischen Hauptstadt Kairo alle Konfliktparteien zu einer sofortigen Waffenruhe auf. "Alle Parteien müssen sofort das Feuer einstellen. Jede erneute Eskalation gefährdet die gesamte Region", sagte Ban am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi. Al-Arabi teile seine "tiefe Sorge" angesichts der Gewalt, sagte Ban, der von einer "alarmierenden Situation" und "sinnloser Gewalt" sprach.
Ban warnte, dass die Situation sich im Fall einer israelischen Bodenoffensive weiter verschärfen werde. Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter sagte jedoch am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP, alle Planungen für eine Bodenoffensive im Gaza-Streifen seien vorläufig ausgesetzt worden, um den ägyptischen Bemühungen um einen Waffenstillstand eine Chance zu geben.
Israel greift seit vergangenem Mittwoch aus der Luft und von See aus Ziele im Gaza-Streifen an, hat bisher aber keine Bodentruppen eingesetzt. In der Nacht zu Dienstag beriet Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mit seinen neun wichtigsten Ministern über einen ägyptischen Vorschlag für eine Waffenruhe mit der Hamas, doch gaben sie anschließend keine Entscheidung bekannt. Seit Beginn des Einsatzes wurden bereits 111 Palästinenser getötet, drei Israelis starben durch Raketenbeschuss der Hamas.
hen/dpa/AFP/dapd
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