Iran und Saudi-Arabien Im Hass vereint

Iran und Saudi-Arabien sind seit Jahrzehnten die beiden großen Antipoden in der muslimischen Welt. Diese Rivalität hat politische, wirtschaftliche und religiöse Gründe - die Jahrhunderte zurückreichen.

Ajatollah Ali Khamenei in Teheran
AP/ Office of the Iranian Supreme Leader

Ajatollah Ali Khamenei in Teheran

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"Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes." Auf diese Formel können sich alle Muslime einigen. Bei der Frage, wer der rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed ist, hört die Einigkeit aber schon auf.

Die Mehrheit der Muslime nennt dann drei arabische Namen aus grauer Vorzeit: Abu Bakr, Umar und Uthman. Die Mehrheit, das sind Sunniten. Sie verehren die drei Männer, die dem Propheten nach dessen Tod im Jahr 632 folgten, als rechtgeleitete Kalifen.

Eine Minderheit der Muslime lehnt diese Tradition ab - die Schiiten. Für sie ist der vierte Kalif, ein Schwiegersohn und Vetter des Propheten, dessen einzig rechtmäßiger Nachfolger. Ali ist sein Name. Mohammed soll ihn persönlich zu seinem Nachfolger ernannt haben, glauben die Schiiten. Er wurde in den Wirren des Frühislams von Widersachern ermordet.

Alles alte Geschichten? Keineswegs. Alles brandaktuell. Denn: Irans Revolutionsgarden beschuldigen Saudi-Arabien hinter dem koordinierten Doppelanschlag in Teheran am Mittwoch zu stecken. Ein Vorwurf, hinter dem auch die jahrhundertealten Glaubensfragen stecken.

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Iran: Anschläge auf Parlament und Mausoleum

Iran ist ein mehrheitlich von Schiiten bewohntes Land. In Saudi-Arabien, wo sich auch die für alle Muslime heiligen Stätten von Mekka und Medina befinden, leben hingegen vor allem Sunniten. Die Führung in Teheran beansprucht für sich die Führung aller Schiiten auf der Welt, das Königshaus in Riad die Führung der Sunniten.

Iran bezeichnet sich selbst als Islamische Republik. Das Land ist seit der Revolution von 1979 de facto ein Gottesstaat, in dem Sunniten Bürger zweiter Klasse sind. Nicht viel anders in Saudi-Arabien - nur andersherum: Dort kann nur der sunnitische Islam saudi-arabischer Lesart frei gelebt werden. Das ist der Wahhabismus, eine puritanische und gleichsam radikale Auslegung des Islam. Die Sunniten in Riad - aber auch andernorts in der muslimisch geprägten Welt - verachten Schiiten als Ungläubige.

Katar und Iran kooperieren wirtschaftlich

Doch Iran und Saudi-Arabien bekämpfen sich nicht nur in Glaubensfragen. Auch wirtschaftlich geben sich die beiden Kontrahenten nichts. Riad und Teheran sind beide in der OPEC, der Organisation erdölexportierender Länder.

Irans Staatshaushalt ist in hohem Maße von den Erdöleinnahmen abhängig. Saudi-Arabien drückte deshalb in den vergangenen Jahren immer wieder den Ölpreis und piesackte damit den lange international sanktionierten Gegenspieler am Golf.

Der wirtschaftliche Zweikampf spielt auch in dem zu Wochenbeginn eskalierten Streit zwischen Saudi-Arabien und dem schwerreichen sowie sunnitisch geprägten Katar eine Rolle. Der Grund: Das kleine Emirat ist im Besitz des größten Gasfelds der Erde: "North Field". Katar beutet das Gasfeld aber nicht allein aus, sondern auch Iran ist beteiligt, das seinen Teil "South Pars" nennt. Eine solche schiitisch-sunnitische Gaskooperation stößt in Saudi-Arabien auf Ablehnung. Am Mittwoch hieß es aus Katars Innenministerium, Iran sei zu Hilfslieferungen an das isolierte Katar bereit.

Feind-Feind-Freund-Logik

Unabhängig vom umstrittenen und für Saudi-Arabien inakzeptablen Nuklearabkommen zwischen Iran und der westlichen Welt im Jahr 2015 beharken sich die Antipoden Teheran und Riad darüber hinaus seit Jahren in anderen Ländern gegenseitig. Im kleinen Bahrain etwa, in dem die von Saudi-Arabien protegierte sunnitische Herrscherfamilie über eine mehrheitlich schiitische Bevölkerung regiert. Iranische Politiker erheben hingegen immer wieder Anspruch auf Bahrain, das einstmals von den alten Persern beherrscht wurde.

Indirekt provozierte Iran das Königshaus in Riad in den vergangenen Jahren auch durch seine Unterstützung der palästinensische Hamas. Die Schiiten-Autokratie verfolgte in diesem Fall das Prinzip "Der Feind meines Feindes ist mein Freund".

Denn: Die im Gazastreifen herrschende Hamas ist keine schiitische, sondern eine sunnitische Gruppe. Da sie aber ein Ableger der von Saudi-Arabien verhassten Muslimbruderschaft ist, praktizierte Iran ganz pragmatisch diese Politik der Nadelstiche im fernen Palästina. Nach einer Phase der Entfremdung soll es in den vergangenen Woche und im Zuge der jüngsten Verwerfungen im Nahen Osten nun wieder zu einer Annäherung zwischen der Palästinenserorganisation und Iran gekommen sein.

Stellvertreterkriege im Jemen und in Syrien

Der Kalte Krieg zwischen Riad und Teheran wird darüber hinaus in zwei Stellvertreterkriegen sichtbar. Im Jemen führt Saudi-Arabien seit März 2015 eine Militärallianz gegen die von Iran unterstützte Huthi-Miliz an. Die Huthis hatten den von Riad protegierten Präsidenten Hadi im Jahr zuvor aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben.

Den Machthaber zu vertreiben, das ist auch das Ziel der Rebellen in Syrien. Dort koordinieren die Revolutionswächter Teherans die ihnen treu ergebene libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah an der Seite von Baschar al-Assad im Kampf gegen die mehrheitlich sunnitischen Aufständischen. Saudi-Arabien hingegen unterstützt Teile der Rebellen, darunter die salafistische Rebellentruppe Ahrar al-Scham.

Iran und Saudi-Arabien sind also politisch, wirtschaftlich und religiös seit Langem im Hass vereint. Der Doppelanschlag im Herzen der Islamischen Republik wird die Hardliner auf beiden Seiten stärken, die Rivalität zwischen den muslimischen Erbfeinden weiter verfestigen.

insgesamt 10 Beiträge
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Alkyone 08.06.2017
1. Thema
Der Autor sollte sich nochmals mit der Geschichte Irans und SA auseinandersetzen. ---------- Diese Rivalität hat politische, wirtschaftliche und religiöse Gründe - die Jahrhunderte zurückreichen. --------- Gründungsjahr SA = 1932
Lua-Lua 08.06.2017
2. Guter Bericht
danke für diesen Bericht. Soweit ich das beurteilen kann, fundiert und sachlich. Suggeriert dem Leser nicht die eigene Meinung da erfreuliche Wortwahl. Weiter so, Herr Peters. Denke Ihre Akkreditierung hätte RTE verlängert :)
W/Mutbürger 08.06.2017
3. Eine Staatsgründung
Zitat von AlkyoneDer Autor sollte sich nochmals mit der Geschichte Irans und SA auseinandersetzen. ---------- Diese Rivalität hat politische, wirtschaftliche und religiöse Gründe - die Jahrhunderte zurückreichen. --------- Gründungsjahr SA = 1932
sagt nichts über die Dauer der Konflikte aus. Denken Sie, der Islam wurde den Persern mit Liebe überbracht oder war schon immer deren Glauben? Schauen Sie selber mal ins Geschichtsbuch.
syracusa 08.06.2017
4.
Zitat von AlkyoneDer Autor sollte sich nochmals mit der Geschichte Irans und SA auseinandersetzen. ---------- Diese Rivalität hat politische, wirtschaftliche und religiöse Gründe - die Jahrhunderte zurückreichen. --------- Gründungsjahr SA = 1932
Oh Gott, ein Möchtegernbesserwisser. Es gab auch schon vor Gründung Saudi Arabiens Menschen in diesem Land. Die ethnischen Konflikte zwischen Arabern und Persern reichen nicht nur Jahrhunderte, sondern Jahrtausende zurück.
Ardashir 08.06.2017
5.
Die Iraner waren bis zum Fall der sassanidischen Dynastie die dominierende Macht am Persischen Golf. Die iranische Achaemenidendynastie, begründet von Kyros II fand mit Alexander dem Großen ihr Ende. Ihr folgte aber die parthische und schließlich die sassanidische Dynastie, welche als Großmacht und Gegenpol zu Rom bzw. Ostrom bis zum 7. Jahrhundert existierte. Als dann das Reich gegen die einfallenden islamischen Araber fiel, gelang es dem Iran, der Assimilation ins Arabische zu widerstehen. Während andere alte Kulturnationen, wie zb. Ägypten oder Syrien die arabische Sprache annahmen, behielten die Iraner ihre Sprache und Kultur bei. Die Araber verloren schließlich ihre Dominanz und Führerschaft an die osmanischen Türken, welche Sunniten waren. Um sich von diesen abzugrenzen, ordnete der iranische Schah Ismail an, dass das zu diesem Zeitpunkt ebenfalls sunnitische Iran sich in ein schiitisches Reich wandelte. Damit erreichte er, dass die religiöse Führerschaft über das iranische Volk nun vom Iran aus geleitet wurde und die Proklamationen sunnitischer religiöser Führer - egal ob Osmanen oder Araber - von den Iranern ignoriert werden konnten. Im Gegenteil: Die Iraner beanspruchten nun selber die Führerschaft über den Islam. Und darin liegt das Problem, welches bis heute anhält. Die sunnitischen Saudis haben keinen religiösen Einfluss auf den schiitischen Iran. Dies kommt in den Augen der orthodoxen wahabitischen Saudis der Ketzerei gleich. Kein Wunder also, dass die von den Saudis erschaffenen wahabitischen ISIS-Kämpfer den Iran ebenfalls verteufeln und entsprechend bekämpfen. Was auch umgekehrt der Fall ist: Lange vor 9/11 hat der schiitische Iran die sunnitische Taliban und Al Kaida bekämpft (welche von SA und auch den USA unterstützt wurden). Wie sagte Trump so schön: Wer Terroristen unterstützt, geht das Risiko ein, dass diese einen selber angreifen. Ob er dabei an 9/11 und den einst von den USA unterstützten Bin Laden gedacht hatte?
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