Atomprogramm Erste Hoffnung nach Gesprächen mit Iran

Ein Jahr lang lagen die Atomgespräche mit Iran auf Eis, jetzt sind sie wieder aufgenommen worden - und verliefen offenbar erfolgreich: Vertreter der Islamischen Republik und den Vetomächten der Uno plus Deutschland zeigten sich nach einem ersten Treffen zufrieden. Weitere Runden sollen folgen.  

Irans Unterhändler Jalili nach den Atomgesprächen: "Unterschiedliche Meinungen"
REUTERS

Irans Unterhändler Jalili nach den Atomgesprächen: "Unterschiedliche Meinungen"


Istanbul - Die Regierung in Teheran hat die Atomgespräche mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland wieder aufgenommen. Die Verhandlungen am Samstag in Istanbul seien konstruktiv verlaufen, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Auch der iranische Unterhändler Saeed Jalili äußerte sich positiv nach dem Treffen. Es habe trotz unterschiedlicher Meinungen Fortschritte gegeben, sagte er. Am 23. Mai soll eine neue Runde in Bagdad folgen.

Ziel sei nun, den Streit um das iranische Atomprogramm "Schritt für Schritt" beizulegen, sagte Ashton. Grundlage der Gespräche solle der Atomwaffensperrvertrag sein, wobei die 5+1-Gruppe - Deutschland, China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA - das Recht Irans auf die friedliche Nutzung der Atomenergie achten werde. Die Gespräche gelten als letzte Chance, mögliche Militärschläge Israels gegen iranische Atomanlagen abzuwenden.

Nach Angaben aus der iranischen Delegation schlug die Regierung aus Teheran vor, ihr höher angereichertes Uran unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) selbst zu Brennstäben zu verarbeiten. Nach eigenen Angaben verfügt Iran über knapp 100 Kilogramm Uran, das auf 20 Prozent angereichert wurde.

"Der Weg ist mühsam"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sah nach der Wiederaufnahme der Atomgespräche Chancen für eine politische Lösung. "Der Verlauf der Gespräche zeigt, dass dieser Weg mühsam ist. Aber er muss gegangen werden. Das Wichtigste ist, dass es die Verabredung für ein Folgetreffen und den Willen gibt, in einen substanziellen Prozess einzusteigen", sagte Westerwelle der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. "Wir wollen eine politische Lösung."

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte im Vorfeld der Gespräche gesagt, sie erwarte ein klares Bekenntnis Teherans zur Abkehr von seinem mutmaßlichen Atomwaffenprogramm. Trotz Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats sowie des Westens lehnt Iran den Stopp seiner umstrittenen Atomaktivitäten ab.

Die letzten Atomgespräche zwischen der internationalen Gemeinschaft und Iran waren vor mehr als einem Jahr ohne Ergebnis abgebrochen worden, nachdem sich die Regierung um Präsident Mahmud Ahmadinedschad geweigert hatte, das Thema Urananreicherung auf die Agenda zu setzen. Seitdem hat der Westen seine Sanktionen gegen Iran wiederholt verschärft. Ende Januar dieses Jahres beschloss die Europäische Union ein Ölembargo, das schrittweise bis zum 1. Juli umgesetzt werden soll.

vks/dpa/dapd/AFP

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brinom 15.04.2012
1. Endlich...
Zitat von sysopAFPEin Jahr lang lagen die Atomgespräche mit Iran auf Eis, jetzt sind sie wieder aufgenommen worden - und verliefen offenbar erfolgreich: Vertreter der Islamischen Republik und den Vetomächten der Uno plus Deutschland zeigten sich nach einem ersten Treffen zufrieden. Weitere Runden sollen folgen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827607,00.html
.... scheint der Westen, es kapiert zu haben, dass Drohungen und Sanktionen allein bei einem Land wie Iran nicht ziehen. Jahre lang war die Vorbedingung, Iran solle erst die Anreicherung stoppen, der Grund dafür, dass es keine brauchbaren Verhandlungen gab. Und dass, weil es allen Regeln der konstruktive Verhandlung von vorherein widersprochen hat. Nun wird sogar eine Anreicherung bis 5,5% akzeptiert! ;-) Klasse finde ich auch das Bild im Hintergrund. Iranische Landkarte und dazu fett geschrieben "Persian Gulf"!! ;-) Aber am erfreulichsten finde ich es, wie der Ton von Spon sich auf einen Schlag geändert hat. Immerhin heisst es nicht mehr "das Regime in Teheran" sondern "die Islamische Republik". Klasse, weiter so. Wenn der Westen auf Augenhöhe bleibt, dann wird sich der Iran auch dazu bewegen, konstruktive Schritte zu unternehmen. Sanktionen, Drohungen ...... scheinen den Iran nicht zu interessieren. Das wundert mich auch nicht. Man sollte hierzu einfach die persische Geschichte lesen! Einen schönen Sonntag noch.
tinosaurus 15.04.2012
2. Spiel auf Zeit
Nach meinem Eindruck ist es einfach nur das bekannte Spiel, um Zeit zu gewinnen. Solange Gesprächsbereitschaft signalisiert wird, muss sich Israel zurückhalten und dumm sind die Mullahs auch wieder nicht. Letztendlich wird sich aber nicht viel ändern. Wenn nichts passiert, wird Iran früher oder später seine A-Bombe bekommen. Von Einsicht und Vernunft ist das Regime noch weit entfernt.
cour-age 15.04.2012
3. es ist...
Zitat von brinom.... scheint der Westen, es kapiert zu haben, dass Drohungen und Sanktionen allein bei einem Land wie Iran nicht ziehen. Jahre lang war die Vorbedingung, Iran solle erst die Anreicherung stoppen, der Grund dafür, dass es keine brauchbaren Verhandlungen gab. Und dass, weil es allen Regeln der konstruktive Verhandlung von vorherein widersprochen hat. Nun wird sogar eine Anreicherung bis 5,5% akzeptiert! ;-) Klasse finde ich auch das Bild im Hintergrund. Iranische Landkarte und dazu fett geschrieben "Persian Gulf"!! ;-) Aber am erfreulichsten finde ich es, wie der Ton von Spon sich auf einen Schlag geändert hat. Immerhin heisst es nicht mehr "das Regime in Teheran" sondern "die Islamische Republik". Klasse, weiter so. Wenn der Westen auf Augenhöhe bleibt, dann wird sich der Iran auch dazu bewegen, konstruktive Schritte zu unternehmen. Sanktionen, Drohungen ...... scheinen den Iran nicht zu interessieren. Das wundert mich auch nicht. Man sollte hierzu einfach die persische Geschichte lesen! Einen schönen Sonntag noch.
es ist das immer wieder gleiche Spiel der religiösen Mullhas... einfach zu durchschauen. Darauf fällt schon lange niemand mehr rein.
taban 15.04.2012
4. Schritt für Schritt zum Atommacht!
Die Mullahs wollten als einer Atommacht mit der Welt Dialoge führen. Jetzt tun sie es und dominieren alles. Dies war schon längst die Wille der Führung im Iran, und gewinnt sie es nun geschenkt. Hierfür gibt es keine politische Lösung. Jeder ernsthafte und verantwortliche Politiker soll es endlich wissen, dass gerade für die Vermeidung eines Kriegs das System im Iran geändert werden soll. Es ist jetzt leicht zu begreifen, dass die Mullahs nie auf Atomare Rüstung verzichten werden. Es geht um Existenzfrage für die Mullahs. Aber iranische Bevölkerung will nicht mehr die Mullahs haben.
king_pakal 15.04.2012
5.
Zitat von cour-agees ist das immer wieder gleiche Spiel der religiösen Mullhas... einfach zu durchschauen. Darauf fällt schon lange niemand mehr rein.
Dagegen fallen immer noch viele auf die westlichen Geospielchen und Doppelzüngigkeit rein. Oft fehlt es auch an Courage den Mund aufzumachen und gegen diese Kriegspolitik ds Westens zu protestieren.
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