Beziehungen zum Westen Iraner streiten über "Tod den USA"

Irans neuer Präsident Rohani bemüht sich um eine Verbesserung der Beziehungen zum Westen. Verteufelungen Amerikas passen nicht zu diesem Kurs. In Teheran wird deshalb gestritten, wie zeitgemäß die "Tod den USA!"-Parolen noch sind.

DPA

Wenn man sich um Diplomatie mit dem Westen bemüht, sind öffentliche "Tod den USA!"-Verfluchungen nicht ratsam. Das scheint auch die Meinung der Führung in Teheran zu sein, wo ein Vertrauter des neuen Präsidenten Hassan Rohani dazu eine Debatte angestoßen hat.

Als "wenig nützlich" hatte der frühere Präsident und Rohani-Verbündete Ali Akbar Haschemi Rafsandschani solche Rufe vergangene Woche bezeichnet. In einem Interview über seine Memoiren, das er auf seiner Webseite veröffentlichte, legte Rafsandschani nahe, dass die USA-Verwünschungen antiquiert seien. Dies sei auch die Meinung des 1989 gestorbenen Revolutionsführers Ruhollah Chomenei gewesen. Früher habe man auch "Tod Russland!" gerufen und allen möglichen iranischen Politikern den Tod gewünscht, das habe man ja schließlich auch abgelegt.

Seit Gründung der Islamischen Republik erschallt der Slogan "Tod den USA!" regelmäßig in Freitagsgebeten und steht als Graffiti an Häuserwänden. Die öffentlich zelebrierte Feindschaft mit der US-Regierung ist bislang ein wesentliches ideologisches Element - die Islamische Republik feiert sich selbst als Hort des Widerstandes gegen den Imperialismus. Washington wurde einst von Ajatollah Chamenei auch als "Großer Satan" bezeichnet.

Irans Präsident hofft eine Lockerung der Sanktionen

Jedes Jahr am 4. November wird in Teheran die Erstürmung der US-Botschaft 1979 gefeiert. Dabei werden stets US-Flaggen verbrannt und Washington lauthals der Niedergang gewünscht. Dieses anstehende Datum hatte wohl auch Rafsandschani vor Augen, als er vorschlug, den Slogan nicht mehr zu verwenden.

Irans neuer Präsident Hassan Rohani und sein Team haben einen in der Geschichte der Islamischen Republik noch nie dagewesenen Versöhnungs-Initiative gestartet. Rohani will dadurch eine Lockerung der Sanktionen erreichen, die im Streit über Teherans Atomprogramm verhängt wurden - und der Wirtschaft und den Iranern schwer zu schaffen machen. Wenn nun im November lauthals Washington der Untergang gewünscht wird, passt das nicht zum Bild eines freundlichen, neuen Iran, das Rohani international präsentieren will.

Doch an Teherans Politik hat sich in Wahrheit nichts verändert. Denn den Kurs bestimmt nicht der Präsident, sondern Ajatollah Ali Chamenei, der wichtigste Mann im Staat. Dementsprechend hält auch Rohani fest an Irans Recht auf ein ziviles Atomprogramm.

Allerdings unterscheidet sich der Stil des neuen Präsidenten wesentlich von dem seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad. Rohani hat im Wahlkampf immer wieder erklärt, dass man mit diplomatischem Geschick mehr erreichen könne als mit Ahmadinedschads Hasstiraden. Dessen Konfrontationskurs habe dem Land nur geschadet.

Doch unumstritten ist Rohanis neuer Stil keineswegs: Vor der Uno-Generalversammlung im September war spekuliert worden, ob möglicherweise Rohani scheinbar zufällig US-Präsident Barack Obama im Gang über den Weg laufen könnte. Es wäre das erste Zusammentreffen eines iranischen Präsidenten mit seinem amerikanischen Kollegen seit Gründung der Islamischen Republik gewesen.

Selbst ein solcher Small Talk wäre offenbar für Irans Hardliner zu viel gewesen. Es kam zwar nicht zum Zusammentreffen. Stattdessen führten Rohani und Obama ein kurzes Telefonat. Bei seiner Rückkehr nach Teheran wurde Irans Präsident dafür aber von wütenden Hardlinern mit Eiern beworfen.

Hardliner haben Widerstand angekündigt

Bis sich die amerikanisch-iranischen Beziehungen so weit normalisieren, dass es in Teheran wieder eine US-Botschaft gibt oder die "Tod den USA"-Slogans von den Wänden geputzt werden, dürfte es noch ein sehr weiter Weg sein. Mit Großbritannien, das erst 2011 seine Botschaft in Teheran geschlossen hat, als Demonstranten diese attackierten, ist es weniger kompliziert - über eine Wiedereröffnung der Botschaft wird bereits nachgedacht. Statt Botschafter entsendet man so lange erst einmal Beauftragte, die diplomatisch niedrigere Stufe.

Auch in der Debatte um die "Tod den USA"-Rufen haben die Hardliner bereits ihren Widerstand angekündigt. Massud Dschasajeri, stellvertretender Generalstabschef der iranischen Armee, sagte: "Um unser Land und die Weisheit des Volkes, den Feind zu erkennen, zu stärken", werde am 4. November "der Ruf 'Tod den USA und dem Zionismus' in allen Städten und Dörfern des Islamischen Iran erklingen".

Wer sich in der Debatte durchsetzen wird, ist unklar. Denkbar ist, dass am 4. November mit einem Trick sowohl die Hardliner als auch Rohanis Team zufriedengestellt werden. Auf Farsi würde man den Ruf belassen wie bisher. Allerdings könnte man ihn in der englischen Übersetzung auf den Plakaten anpassen. Statt der martialischen Tod-Verwünschung ließe sich das persische "Marg Bar Amrika" auch als "Nieder mit den USA!" korrekt übersetzen.

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britneyspierss 12.10.2013
1. Eine Revolution hält länger.
Für gewöhnlich! Es ist erst weniger als 40 Jahren her seit der fundamental eingestellte Plebs die gebildete persische Elite verjagte,ermordete,einsperrte oder sie selber auswanderte.Solch eine drastische Umwälzung der Führungselite eines ganzen Landes kann nicht mit einigen kuscheligen Worten eines neu gewählten Präsidenten wett gemacht werden. Außerdem:Die Mehrheit des Landes befürwortet die sogenannte islamische Revolution des verrückten chomeini und der Kuschelkurs rührt von einer erheblichen Verschlechterung der Lebenssituation des armen Volkes her.Und er ist der tragende Pfeiler der sogenannten islamischen Republik.
ohnelos 12.10.2013
2. einseitig wie immer
"tot den usa" slogans an hauswänden und in freitagsgebeten gibt es in tehran nicht, einzig "down with usa" kann man am eingang zur u-bahn station bei der ehemaligen amerikanischen botschaft bewundern. auch laufen dort nicht ständig schwarz verhüllte frauen vor den graffitis umher so wie es die bilderstrecke suggerieren soll sondern modern gekleidete menschen. auch hat die anzahl der usa feindlichen graffitis im allgemeinen in den letzten jahren (auch schon unter ahmedinedschad) kontinuierlich abgenommen, der grossteil wurde schon vor jahren überpinselt, einzig eben bei der ex botschaft sind die graffitis auf den mauern noch gut erhalten. der grossteil der bevölkerung ist eh westlich orientiert und gerade im gespräch mit jüngeren leuten wird schnell klar dass relegion für sie nur noch eine untergeordnete rolle spielt. in diesem kontext in der bilderstrecke nur streng konservative leute beim demonstrieren oder umherlaufen vor den graffitis zu zeigen ist schon sehr einseitig. aus grösserer distanz oder mit weitwinkel fotografiert, zeigt man seinen lesern eindrücklich dass die streng konservativen in der unterzahl sind, umgeben von zb jeansträgern (guten morgen nethanjau), modisch gestylten frauen in engen hosen und sehr engen mäntelchen. und das alles ohne irgend ein anzeichen einer "relegionspolizei"
ypw 12.10.2013
3.
Ich verachte das iranische Regime. Die Parole an sich ist auch Schwachsinn, keine Frage. Aber in ihr steckt ein Fünkchen ironische Wahrheit. Man bedenke, dass es die USA waren, die einen demokratisch gewählten iranischen Premierminister abgesetzt haben. Von daher ist die Wut auf die USA vollkommen berechtigt, allerdings in vollkommen anderer Weise als es von den Unterdrückern des Volkes skandiert wird ;-)
ein anderer 12.10.2013
4. ...
Es hat keineswegs jedes Jahr am 4. November seit 1979 "Tod den USA" geheissen. Im Jahr 2001 gab es von September an für Monate keine Predigt und keine Aufrufe die den USA den Tod oder sonstwas negatives wünschten. Leider hat Bush jr. diese historische Chance verpasst als er und seine Hardliner den Konflikt mit dem Iran wieder anheitzten. Überhaupt ist es bezeichnend, dass nur die Hardliner im Iran ständig erwähnt werden aber nichts über die in den USA. Denn in beiden Ländern gibt es Widerstand gegen eine Verbesserung der Beziehungen. Nur sind die in den USA nicht so laut sondern arbeiten leise und im Dunkeln. Aber deren Spuren sieht man. Wie z.B. im Iran thread reduction act.
monolithos 12.10.2013
5. Tatsächlich nicht mehr zeitgemäß
ist der Ruf, aber man darf auch nicht vergessen, dass die USA gerade eine Wandlung durchmachen, die es anderen Staaten erschwert, pro-US-amerikanisch zu werden. Während sich der Iran also auf die USA zubewegt, entfernen sich die USA zunehmend selbst von ihrem Ideal. Das Timing ist schlecht. Außerdem wird die Entwicklung Zeit brauchen. Niemand kann ernsthaft erwarten, dass der Iran plötzlich USA-freundlich ist und alle so tun, als sei nichts gewesen. Hier muss erst neues Vertrauen aufgebaut werden und dabei sind auch die USA massiv in der Pflicht, nicht nur der Iran. Das Gelingen dessen von einem Mann zu erwarten, der seit 1989 eigentlich das Gegenteil propagiert hat, ist sicher etwas zu viel verlangt. Gebraucht wird ein "Eisbrecher" oder ein höheres Ereignis, das dem Iran und den USA mal die Gelegenheit gibt, am gleichen Strang zu ziehen. Die Gelegenheit wird vielleicht so schnell nicht günstiger als sie derzeit ist, trotz dass noch Machtkämpfe ausgefochten werden müssen. Und allen Iranbashern, die noch kommen, sei gesagt, dass die Fahnenverbrenner vielleicht die Macht im Iran haben, aber nicht die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.
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