Hamburg - Bereits am Dienstag ist die Journalistin Roxana Saberi nach Angaben ihres Vater in den Hungerstreik getreten. Fünf Tage seien es jetzt, und sie werde weitermachen, "bis sie frei ist". Das sagte Reza Saberi am Samstag Nachrichtenagenturen. Seine Tochter habe ihn aus dem Gefängnis angerufen: "Sie isst gar nichts. Ich bin sehr besorgt", so der Vater. Ihrer Stimme nach zu urteilen scheine sie "sehr schwach".
Saberis Anwalt hat am Samstag Berufung gegen das fragwürdige Urteil eingereicht. Reza Saberi hatte bereits am Dienstag gesagt, er glaube, dass sich seine Tochter zu Tode hungern werde, wenn auch ein Berufungsgericht das Urteil aufrechterhalte.
Roxana Saberi, 31, war in einem höchst umstrittenen Gerichtsverfahren zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Sie hat die amerikanische wie die iranische Staatsbürgerschaft und wurde Ende Januar verhaftet. Die Vorwürfe wechselten: Erst hieß es, sie habe versucht, eine Flasche Wein zu kaufen, was in dem streng islamischen Land verboten ist. Dann legte man ihr zur Last, unter dem Deckmantel ihrer journalistischen Arbeit für die USA spioniert zu haben.
Prozess hinter verschlossenen Türen
Saberi lebt seit 2003 in Iran und war unter anderem freiberuflich für den öffentlichen US-Radiosender NPR, den Fernsehsender Fox News und die britische BBC tätig. Nach Angaben ihres Vaters arbeitete sie zuletzt an einem Buch über Kultur und Menschen in Iran. Ein Sprecher des Außenamtes sagte, Saberi sei 2006 ihre Akkreditierung entzogen worden, so dass ihre Berichterstattung aus Iran seitdem illegal gewesen sei.
Die juristischen Standards bei iranischen Gerichten sind weit entfernt von rechtsstaatlichen Prinzipien in Europa oder Amerika, Willkürurteile nicht selten. So ist eine Möglichkeit der Verteidigung gegen eine Anklage nicht selbstverständlich; im Spionageprozess gegen Saberi verhandelte das "Revolutionsgericht" hinter verschlossenen Türen.
Der Fall belastet das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen den USA und Iran. US-Präsident Barack Obama hatte in einer öffentlichen Botschaft der iranischen Führung einen Neubeginn in den Beziehungen beider Länder angeboten. Die amerikanische Regierung bemüht sich, vor allem im Streit um das iranische Atomprogramm eine Lösung in Gesprächen zu finden.
Nobelpreisträgerin Ebadi als Anwältin
Die US-Regierung setzt sich für die Freilassung Saberis ein. "Sie war eine US-Iranerin, die sich für das Land interessiert hat, aus dem ihre Familie kam, und sie sollte entsprechend behandelt und freigelassen werden", sagte Obama. Auch die EU zeigte sich "tief besorgt" über das Urteil. Der Prozess habe nicht den "Anforderungen eines fairen und transparenten Verfahrens" entsprochen.
Zuletzt ordnete die iranische Justiz Anfang dieser Woche ein Berufungsverfahren an, nachdem Präsident Mahmud Ahmadinedschad gefordert hatte, die Urteile gegen Saberi und gegen einen iranisch-kanadischen Blogger zu überprüfen. "Sie müssen tun, was nötig ist, um durch die Prüfung der Strafen für diese Leute Gerechtigkeit zu gewährleisten", erklärte Ahmadinedschads Stabschef Scheicholeslami in einem Schreiben an den Staatsanwalt. Die beiden sollten "alle rechtlichen Freiheiten" bekommen - ebenso wie das Recht, sich selbst gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Auch Justizchef Mahmud Haschemi Schahrudi sagte, die Berufung müsse "fair, präzise und rasch" vonstatten gehen.
Saberis Verteidiger Abdolsamad Choramschahi kündigte an, dass seiner Mandantin im neuen Verfahren auch die Menschenrechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi zur Seite stehen werde. Er rechnet mit einem Verfahren vor dem Berufungsgericht bereits in der kommenden Woche.
Haft im berüchtigten Evin-Gefängnis
Saberi ist iranisch-japanischer Abstammung, wurde in den USA geboren und wuchs im Bundesstaat North Dakota auf. Wegen ihres iranischen Vaters erhielt sie die iranische Staatsangehörigkeit, die man nicht aus freien Stücken wieder ablegen kann - das sieht das iranische Recht nicht vor.
Derzeit sitzt Saberi im Evin-Gefängnis. In dieser berüchtigten Haftanstalt am nördlichen Rand der Metropole Teheran werden neben anderen Häftlingen auch viele politische Gefangene festgehalten. Aam 10. Juli 2003 starb dort die kanadische Fotojournalistin Zahra Kazemi, etwa zwei Wochen, nachdem sie eine Demonstration fotografiert hatte. Die Todesursache lautete Gehirnblutung und Schädelbruch infolge schwerer Schläge auf den Kopf.

Nach Aussagen eines iranischen Arztes, der Kazemi nach ihrer Einlieferung in die Notaufnahme ins Krankenhaus eingeliefert hatte und später politisches Asyl in Kanada fand, wurde sie im Polizeigewahrsam gefoltert und vergewaltigt.
Zunächst hatten iranische Behörden versucht, den gewaltsamen Tod von Zahra Kazemi zu vertuschen. Der Prozess gegen einen Geheimdienstmitarbeiter endete aber mit einem Freispruch; Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hatte als Anwältin die Mutter der Fotografin vertreten.
jol/AP/Reuters
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