Spionagevorwurf Iran verurteilt Britin zu fünf Jahren Gefängnis

Eine Mitarbeiterin einer britischen Journalistenstiftung ist in Iran verurteilt worden. Das Regime wirft Nazanin Zaghari-Ratcliffe vor, einen "sanften Sturz der Islamischen Republik" vorbereitet zu haben.

Nazanin Zaghari-Ratcliffe (Archivbild)
AP

Nazanin Zaghari-Ratcliffe (Archivbild)


Ein Gericht in Teheran hat eine seit zehn Monaten in Iran inhaftierte Britin zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Das gab Justizsprecher Gholamhussein Mohseni Edzehi am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars in Teheran bekannt. Nazanin Zaghari-Ratcliffe war im April 2016 wegen Spionage- und Umsturz-Vorwürfen verhaftet worden und sitzt seitdem im Gefängnis.

Die 37-Jährige, die auch die iranische Staatsangehörigkeit besitzt, arbeitet als Projektmanagerin für die Thomson-Reuters-Stiftung. Im März des Vorjahres besuchte sie ihre Familie in der südostiranischen Stadt Kerman. Als sie Anfang April nach England zurückkehren wollte, wurde sie am Flughafen in Teheran verhaftet.

Nach Ansicht der iranischen Staatsanwaltschaft soll Zaghari-Ratcliffe versucht haben, sich für westliche Geheimdienste in das politische System einzuschleusen. Sie soll an einem "sanften Sturz der Islamischen Republik" beteiligt gewesen sein.

Die Thomson-Reuters-Stiftung, die weltweit Journalisten ausbildet, bezeichnete die Vorwürfe gegen ihre Mitarbeiterin als haltlos: "Sie hat bei ihrer Arbeit nichts mit Iran zu tun", sagte die Stiftungsvorsitzende Monique Villa bereits in der vergangenen Woche.

Auch der Ehemann der Angeklagten erklärte, die Vorwürfe seien "komplett absurd". Seine Frau habe mit der gemeinsamen Tochter nur ihre Familie in Iran besuchen wollen. Seinen Angaben zufolge befand sich Zaghari-Ratcliffe 45 Tage in Isolationshaft.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte sich vergangenen August in einem Telefonat mit Irans Präsident Hassan Rouhani besorgt über Zaghari-Ratcliffes Verhaftung geäußert.

ssu/AP/dpa



insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
HeisseLuft 22.01.2017
1. Klare Warnung an alle Reisende
... sie können jederzeit im Iran aus irgendwelchen Gründen verhaftet werden. Es reicht, wenn Mullahs und Pasdaran es als sinnvoll ansehen, eventuelle Annäherungen an den Westen zu hintertreiben.
Paul-Merlin 22.01.2017
2. Die Realität holt die Polit-Träumer ein ...
In Teheran ist ein Terror-Regime am Werk. Vereinbarungen mit diesem Regime sind das Papier nicht wert auf dem sie stehen. Allenfalls ist bei dem Regime mit "Deals", bei dem Geben und Nehmen unmittelbar zusammenhängen eine Zusammenarbeit vorstellbar. Den Briten ist zu wünschen, dass sie ihre Staatsbürgerin aus den Klauen dieser religiösen Fanatiker herausbekommen.
mohsensalakh 22.01.2017
3. Thompson-Reuters Aktivitäten sind nicht viel anders als NSA
Thompson-Reuters sammelt Daten Weltweit und führt eine gründliche Analyse durch. Solche Agenturen sind sehr wohl in der Lage die Stabilität eines Landes in Gefahr zu bringen. Wenn man bedenkt, wie viele von solchen britischen und amerikanischen Agenturen in Syrien Assads Umstruz mit organisiert haben, dann wundert es einem nicht, dass der Iran mit solchen Organisationen vorsichtiger umgeht als sonst. Wenn ich das Ergebniss der westlichen Einmischungen in Syrien, Irak und Afghanistan heute anschaue, dann bin ich dafür, dass alle Vorkehrungen trifft, um ein weiteres Blutvergießen in der Region zu verhindern, von dem nur England, USA und Israel profitieren können.
langenscheidt 22.01.2017
4. Vielleicht...
... war sie nicht nur in Kerman sondern auch weiter östlich in der Provinz Kerman. Das ist lt. iranisches Außenministerium heisses Pflaster.
m.mossadegh 22.01.2017
5. Was soll der Quatsch?
"Iran verurteilt Britin zu fünf Jahren Gefängnis" FALSCH Iran verurteilt Iranerin zu fünf Jahren Gefängnis. Im Iran ist es wurscht ob man deutsche, mexikanische, britische ,... Staatsbürgerschaft hat. Wenn man sich im Iran befindet und iranische Staatsbürgerschaft hat wird man wie Iraner behandelt. So einfach ist es.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.