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Aufstand gegen Assad: Iran warnt Syrien vor Chemiewaffeneinsatz

Teheran ermahnt seinen Verbündeten: Die iranische Regierung hat an Syriens Machthaber Assad appelliert, keine Chemiewaffen gegen die Rebellen einzusetzen - in diesem Fall wäre es mit der Unterstützung für Damaskus vorbei.

Kämpfer der Aufständischen in Aleppo: Heftige Gefechte mit Regierungstruppen Zur Großansicht
REUTERS

Kämpfer der Aufständischen in Aleppo: Heftige Gefechte mit Regierungstruppen

Teheran - Iran hat die Führung in Damaskus vor dem Einsatz von Chemiewaffen im Kampf gegen die Aufständischen gewarnt. Während einer Veranstaltung des Council on Foreign Relation in New York sagte Außenminister Ali Akbar Salehi, Teheran unterstütze kein Land, das Chemiewaffen einsetze. In diesem Fall "wäre alles zu Ende", antwortete der Minister auf die Frage aus dem Publikum, wie Teheran auf einen eventuellen Chemiewaffengebrauch durch seinen syrischen Verbündeten reagieren würde. Jede Regierung hätte damit ihre "Legitimität" verwirkt.

Die Führung in Damaskus hatte im Juli erstmals den Besitz von Chemiewaffen eingeräumt. Sie drohte, sie werde sie im Falle einer militärischen Intervention des Westens im syrischen Bürgerkrieg einsetzen, nicht jedoch gegen die eigene Bevölkerung.

Unterdessen ist ein Video von dem seit Mitte August in Syrien vermissten US-Journalisten Austin Tice aufgetaucht. Die knapp einminütigen Aufnahmen zeigen einen stark mitgenommenen Mann mit verbundenen Augen, wie er von einer Gruppe von Männern unter "Gott ist groß"-Rufen auf einen Hügel gebracht wird. Die "Washington Post" und die Mediengruppe McClatchy Newspapers, für die Tice als freier Reporter und Fotograf arbeitet, bestätigten, dass es sich vermutlich um den 31-Jährigen handelt. Seine Arbeitgeber und das US-Außenministerium gehen davon aus, dass Tice von der syrischen Regierung festgehalten wird.

Ägypten soll Delegation nach Syrien geschickt haben

In Syrien herrscht weiter Gewalt. Aktivisten berichteten von heftigen Kämpfen im gesamten Land. In Aleppo, wo Rebellentruppen kürzlich eine erneute Offensive gestartet hatten, kam es demnach zu heftigen Auseinandersetzungen. Dort seien mindestens 40 Menschen getötet oder verletzt worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Örtlichen Koordinationskomitees gaben die Zahl der Todesopfer mit mindestens 95 an. Zwölf Menschen seien ums Leben gekommen, als Regierungstruppen eine Moschee beschossen hätten, sagte der in Aleppo ansässige Aktivist Mohammed Said.

Bei einem Luftangriff auf die nördliche Stadt Salkin wurden den Angaben zufolge mindestens 21 Menschen getötet, darunter fünf Kinder. Zahlreiche Menschen seien schwer verletzt worden. Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigte mehrere verstümmelte Leichen in einem Kleintransporter. Die Authentizität der Aufnahmen konnte aber nicht unabhängig bestätigt werden. Das syrische Staatsfernsehen berichtete von Dutzenden "Terroristen", die in Salkin getötet worden seien. Darunter seien auch ausländische Kämpfer gewesen, hieß es.

Die ägyptische Regierung schickte am Montag offenbar eine Delegation zu Verhandlungen nach Syrien. Wie Mitarbeiter des Flughafens von Kairo mitteilten, handelte es sich um hochrangige Beamte, die zu dem Besuch nach Damaskus aufbrachen. Aus Sicherheitskreisen in der ägyptischen Hauptstadt hieß es, es lägen keine Informationen über eine entsprechende Mission vor, den Angaben wurde aber auch nicht widersprochen. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist ein ausdrücklicher Kritiker des Assad-Regimes. Zur Lösung des Konflikts in Syrien hatte Mursi im September gemeinsam mit der Türkei, dem Iran und Saudi-Arabien eine neue Initiative angekündigt.

anr/AFP/dpa/dapd

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Assads Alternative
michael2273 02.10.2012
Assad hätte sich seinen Untergang zwar redlich verdient. Assads Alternative « Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/09/26/assads-alternative/) Leider würde er damit wohl die christlichen und alawitischen Minderheiten mit ins Verderben reißen, die nach einem langen blutigen Bürgerkrieg der Rache der sunnitischen Mehrheit ausgesetzt wären.
2.
lifeguard 02.10.2012
Zitat von michael2273Assad hätte sich seinen Untergang zwar redlich verdient. Assads Alternative « Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/09/26/assads-alternative/) Leider würde er damit wohl die christlichen und alawitischen Minderheiten mit ins Verderben reißen, die nach einem langen blutigen Bürgerkrieg der Rache der sunnitischen Mehrheit ausgesetzt wären.
das ist gewaltherrschern wie assad egal. die handeln nach dem motto "nach mir die sintflut". man denke an das ende des letzten großen krieges, als ein diktator in den trümmern seiner hauptstadt sagte, sein volk wäre ihm egal, es hätte seinen untergang verdient. ( ich spreche von adolf hitler) :-) überrascht bin ich aber schon von den iranern, das sie eine so klare warnung aussprechen. also handeln sie eher pragmatisch als ideologisch
3. Wie merkwürdig !
uweuwersen 02.10.2012
Zitat von sysopREUTERSIran knüpft seine Unterstützung für Syriens Machthaber Assad an Bedingungen: Teheran unterstütze grundsätzlich kein Land, dass Chemiewaffen einsetze. Jede Regierung, die diesen Schritt gehe, hätte ihre "Legitimität" verwirkt, sagte Irans Außenminister Salehi - und warnte damit Damaskus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-warnt-syrien-vor-chemiewaffen-einsatz-a-859078.html
Da darf ein Iraner vor dem Council on Foreign Relation in New York sprechen!? Wenn das wirklich stimmt, dann kann man jetzt endgültig davon ausgehen das die ganze Iran-Atomgeschichte mit Iranischen "Politikern" abgesprochen ist! Und bitte jetzt nicht von Verschwörungstheorie sprechen, das ist mittlerweile ein Uralter Hut, vor allem wenn man keine vernünftigen Gegenargumente mehr hat! Das ist das gleiche wenn man unbequeme Personen als Nazis bezeichnet! Man sollte immer für alles offen sein, ob man das dann schlußendlich wirklich glaubt, ist eine ganz andere Sache.
4. ...
ein anderer 02.10.2012
Zitat von michael2273Assad hätte sich seinen Untergang zwar redlich verdient. Assads Alternative « Aron Sperber (http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/09/26/assads-alternative/) Leider würde er damit wohl die christlichen und alawitischen Minderheiten mit ins Verderben reißen, die nach einem langen blutigen Bürgerkrieg der Rache der sunnitischen Mehrheit ausgesetzt wären.
Die Christen und die Alawiten wären auch ohne Bürgerkrieg unter Druck geraten. Denn die von Saudi-Arabien finanzierten syrischen Muslimbrüder sind weit extremer als die Muslimbrüder in Ägypten. Schon während den "friedlichen" Protesten wurden die Alawiten mit Protestchören als ungläubige verleumdet. Von Anfang an wurden die Proteste mancherorts mit religiösen Motiven durchsetzt (die Muslimbrüder in Ägypten hatten das bewusst vermieden).
5. .
frubi 02.10.2012
Zitat von uweuwersenDa darf ein Iraner vor dem Council on Foreign Relation in New York sprechen!? Wenn das wirklich stimmt, dann kann man jetzt endgültig davon ausgehen das die ganze Iran-Atomgeschichte mit Iranischen "Politikern" abgesprochen ist! Und bitte jetzt nicht von Verschwörungstheorie sprechen, das ist mittlerweile ein Uralter Hut, vor allem wenn man keine vernünftigen Gegenargumente mehr hat! Das ist das gleiche wenn man unbequeme Personen als Nazis bezeichnet! Man sollte immer für alles offen sein, ob man das dann schlußendlich wirklich glaubt, ist eine ganz andere Sache.
Es gäbe gute Argumente dafür (Rüstungsfirmen verdienen daran, die Ölkonzerne verdienen an einer angespannten Lage etc.) aber ein solchen diplomatischen Coup traue ich den Iranern nicht zu. Ich gehe aber davon aus, dass in den höchsten diplomatischen Kreisen in Israel, in den USA und im Iran die Gewissheit besteht, dass es zu keinem bewaffneten Konflikt kommen wird und die Israelis bereits damit leben, dass der Iran die A-Waffe bekommen wird.
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Fotostrecke
Bilder des Krieges: Blutiger Alltag in Syrien

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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