Aufstand gegen Assad: Iran warnt vor Giftgaseinsatz im Syrien-Krieg

"Wir verdammen Chemiewaffen": Irans Außenminister Salehi richtet im SPIEGEL-Interview deutliche Worte an die syrischen Bürgerkriegsparteien. Der Verbündete des Assad-Regimes warnt vor dem Einsatz von Giftgas. Die USA sprechen von "starken Beweisen" für die Verwendung der Kampfstoffe.

Syrischer Soldat in Schutzanzug: Iran warnt vor Giftgaseinsatz im Bürgerkrieg Zur Großansicht
Corbis

Syrischer Soldat in Schutzanzug: Iran warnt vor Giftgaseinsatz im Bürgerkrieg

Hamburg/Washington/Moskau - Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi warnt die Kriegsparteien in Syrien vor weiteren Chemiewaffeneinsätzen. Iran sei im Krieg mit Irak selbst mit Giftgas angegriffen worden, so Salehi in einem Gespräch mit dem SPIEGEL: "Wir verdammen Chemiewaffen." Auf die Frage, ob Teheran auch das befreundete syrische Regime von Baschar al-Assad fallenlassen würde, sollte es Giftgas benutzen, sagte Salehi: "Wir sind entschieden gegen Massenvernichtungswaffen jeder Art."

Seit Wochen wird über einen möglichen Einsatz von Giftgas in Syrien diskutiert. US-Präsident Barack Obama hatte Chemiewaffen vergangenes Jahr als "rote Linie" bezeichnet: Sollte Syriens Diktator Assad sie einsetzen, dann würden die USA eingreifen. US-Außenminister John Kerry setzt trotz "starker Beweise" für einen Chemiewaffeneinsatz der Regierungstruppen gegen die Aufständischen dennoch auf eine diplomatische Lösung. Wenn sich alle Seiten verantwortungsbewusst und verständigungsbereit zeigten, sei eine friedliche Beendigung des blutigen Bürgerkriegs möglich, sagte Kerry am Freitag in einem vom Internetkonzern Google, dem Sender NBC und dem US-Außenministerium veranstalteten Online-Chat.

"Starke Beweise"

"Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Assad-Regime in diesem Kampf die fürchterliche Wahl getroffen hat und bereit war, 70.000 bis 100.000 seiner eigenen Landsleute zu töten", erklärte der Minister. Die Regierungstruppen hätten "Giftgas eingesetzt, wofür es, wie wir glauben, starke Beweise gibt". Es habe Menschen mit Scud-Raketen und Artillerie getötet. "Doch wenn der politische Wille stark ist und geteilt wird und die Menschen zu einem vernünftigen Kompromiss bereit sind, gibt es einen Weg für eine friedliche Lösung in Syrien", sagte Kerry. Dieser Prozess werde allerdings "sehr, sehr schwierig" sein. Erneut unterstrich er, dass eine Lösung nur ohne den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad möglich sei.

Russland und die USA hatten sich Anfang der Woche auf die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Beendigung des blutigen Bürgerkriegs in Syrien verständigt. Zu der Konferenz in Genf sollen noch in diesem Monat alle an dem Konflikt beteiligten Gruppen aus Syrien kommen.

Ob das Treffen allerdings so zügig wie geplant einberufen werden kann, erscheint zweifelhaft. Am Samstag zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen russischen Offiziellen, wonach Gespräche Ende Mai nicht möglich seien. Nicht geklärt ist demnach die Frage, wer teilnehmen soll.

Sein Land werde sich an der von Moskau und Washington initiierten Syrien-Konferenz beteiligen, sagte Salehi dem SPIEGEL: "Noch haben wir keine Einladung erhalten. Aber natürlich würden wir kommen. Wir könnten Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition in Syrien initiieren."

Salehi gibt sich optimistisch, dass in die Verhandlungen mit dem Westen um das iranische Atomprogramm Bewegung kommen kann: "Ich bin zuversichtlich, wir werden substantielle Fortschritte machen." Am 14. Juni soll in Iran ein Nachfolger für Mahmud Ahmadinedschad gewählt werden. Salehi: "Der nächste Präsident wird auf jeden Fall mit neuem Elan an die Sache herangehen."

suc/Reuters/dpa

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1. weil es nunmal Rückhalt im Volk braucht?
ratxi 11.05.2013
Zitat von sysop"Wir verdammen Chemiewaffen": Irans Außenminister Salehi richtet im SPIEGEL-Interview deutliche Worte an die syrischen Bürgerkriegsparteien. Der Verbündete des Assad-Regimes warnt vor dem Einsatz von Giftgas. Die USA sprechen von "starken Beweisen" für die Verwendung der Kampfstoffe. Iran warnt vor Giftgas-Einsatz im Syrien-Krieg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-warnt-vor-giftgas-einsatz-im-syrien-krieg-a-899221.html)
(Die Regierungstruppen hätten "Giftgas eingesetzt, wofür es, wie wir glauben, starke Beweise gibt".) Möglich. Trotzdem wird die Dramatik der Aussage dadurch deutlich abgeschwächt, dass nahezu identische Worte fielen bzgl. des Besitzes von Massenvernichtungswaffen bei Saddam Hussein. Dass die Behauptung nichts anderes war als strategisches Kalkül---dieses späte Bekenntnis der USA war den westlichen Medien kaum mehr als eine Randnotiz wert. Ist nun alles glaubwürdiger, allein weil Zeit vergangen ist? Oder sollen wir wieder auf Krieg eingeschworen werden, weil es nunmal Rückhalt im Volk braucht?
2. Eine friedliche Beendigung des blutigen Bürgerkriegs möglich?
MeineMeinungist... 11.05.2013
Ich wage das zu bezweifeln, dass es zu einer friedlichen Beendigung kommen wird. Es ist jetzt so viel Hass zwischen den verschiedenen Religionsgruppen entstanden, so dass nach der Beendigung des Bürgerkrieges, Rachefeldzüge geführt werden, so wie im Irak. Es ist ein Armutszeugnis der UNO, dass es ihr nicht geglückt ist, eine Befriedung hinzubekommen und zugesehen hat, dass es außer der Vertreibung von Millionen von Menschen, ca. 80.000 Menschen das Leben gefordert haben soll. Ein Ende ist leider noch lange nicht abzusehen. Es wird wieder ein Staat zurückbleiben, in dem Terror die größte Rolle in den nächsten Jahrzehnten spielen wird. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass außer politischen und wirtschaftlichen Gründen, die größte Rolle die Religionen spielen. Noch nie in der Weltgeschichte haben Religionen zum Frieden beigetragen. Im Gegenteil, die Gewalt setzt sich seit Jahrtausenden immer weiter fort. Sie ist wie ein Krebsgeschwür und läßt sich nicht eindämmen. hbommy
3. Mir tun nur die armen Menschen in Syrien leid,
radeberger78 11.05.2013
Zitat von sysop"Wir verdammen Chemiewaffen": Irans Außenminister Salehi richtet im SPIEGEL-Interview deutliche Worte an die syrischen Bürgerkriegsparteien. Der Verbündete des Assad-Regimes warnt vor dem Einsatz von Giftgas. Die USA sprechen von "starken Beweisen" für die Verwendung der Kampfstoffe. Iran warnt vor Giftgas-Einsatz im Syrien-Krieg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-warnt-vor-giftgas-einsatz-im-syrien-krieg-a-899221.html)
die von den islamistischen Terroristen gepeinigt werden, dazu noch Türken und Israelis die in sogenannter Selbstverteidigung auf syrisches Territorium schießen. Jetzt die Chemiewaffen in deren Hände die Terroisten gekommen sind. Die ganzen Lügen glaubt doch keiner mehr.
4. Wie gehabt
Legacy 11.05.2013
Zitat von sysop"Wir verdammen Chemiewaffen": Irans Außenminister Salehi richtet im SPIEGEL-Interview deutliche Worte an die syrischen Bürgerkriegsparteien. Der Verbündete des Assad-Regimes warnt vor dem Einsatz von Giftgas. Die USA sprechen von "starken Beweisen" für die Verwendung der Kampfstoffe. Iran warnt vor Giftgas-Einsatz im Syrien-Krieg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-warnt-vor-giftgas-einsatz-im-syrien-krieg-a-899221.html)
Erdogan spricht von "Beweisen", Kerry spricht von "Beweisen", Erdogan spricht sich für eine Flugverbotszone über Syrien aus usw. usw. usw. Man kennt das irgendwoher. Bagdad und Hussein lassen grüßen. Haut rein, Jungs. Und wenn ihr dort seid und keine Chemicals findet überlegt euch was ihr der Welt für ein Märchen erzählt, denn ein zweitesmal wird man euch das nicht abkaufen. Nur - dieses Feuer, das ihr dann im Nahen Osten gelegt habt wird Red Adair nicht so schnell löschen.
5.
heinomann 11.05.2013
Zitat von ratxi(Die Regierungstruppen hätten "Giftgas eingesetzt, wofür es, wie wir glauben, starke Beweise gibt".) Möglich. Trotzdem wird die Dramatik der Aussage dadurch deutlich abgeschwächt, dass nahezu identische Worte fielen bzgl. des Besitzes von Massenvernichtungswaffen bei Saddam Hussein. Dass die Behauptung nichts anderes war als strategisches Kalkül---dieses späte Bekenntnis der USA war den westlichen Medien kaum mehr als eine Randnotiz wert. Ist nun alles glaubwürdiger, allein weil Zeit vergangen ist? Oder sollen wir wieder auf Krieg eingeschworen werden, weil es nunmal Rückhalt im Volk braucht?
Es kommt noch hinzu, dass nahezu identische Worte, z.B. von Del Ponte, auch über die Rebellen gesagt wurden. Und das, im Gegensatz zu Kerry, wenigstens mit einem Anschein von Belegen.
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