"Psychologischer Krieg" der USA Iran will trotz Sanktionen im Atomabkommen bleiben

Teheran wirft der US-Regierung "grenzenlose Scheinheiligkeit" vor. Trump führe mit den Sanktionen "einen psychologischen Krieg" und wolle, dass Iran aus dem Atomdeal aussteigt - so weit will es Iran aber nicht kommen lassen.

Irans Präsident Hassan Rohani
Presidential Office Handout/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Irans Präsident Hassan Rohani


Iran will nach Angaben von Präsident Hassan Rohani trotz der US-Sanktionen am Atomabkommen festhalten. "Wir werden trotz der Sanktionen der Welt zeigen, dass wir unser Wort und uns an internationale Verträge halten", sagte Rohani am Montagabend in einem Interview des staatlichen Fernsehsenders IRIB. Die US-Sanktionen bezeichnete er als "einen psychologischen Krieg" der USA gegen Iran. Diesen werde das Land aber mit Solidarität und Einheit innerhalb der politischen Führung und im Volk bewältigen.

US-Präsident Donald Trump habe von Anfang an versucht, Iran dazu zu bringen, auch aus dem Atomdeal auszusteigen, um Teheran wieder vor den UN-Sicherheitsrat zu führen, sagte Rohani. Aber Iran und die anderen fünf Verhandlungspartner hätten rational gehandelt, an dem Deal festgehalten und diesen Plan neutralisiert.

Die Kombination aus neuen US-Sanktionen und gleichzeitigem Verhandlungsangebot von US-Präsident Donald Trump nannte Rohani "unsinnig". Das Gesprächsangebot Trumps ziele nur auf die heimische Wählerschaft vor den Kongresswahlen im November und solle Chaos in Iran schüren.

US-Sanktionen treten am Dienstag in Kraft

90 Tage nach Aufkündigung des Atomabkommens mit Iran durch Trump treten umstrittene US-Sanktionen gegen das Land am Dienstag wieder in Kraft. Die Maßnahmen waren im Zuge des Atomabkommens der UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran vom Juli 2015 ausgesetzt worden. Trump hatte im vergangenen Mai den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomdeal verkündet. Er kritisiert, die Vereinbarung sei untauglich dafür gewesen, den Bau einer Atombombe zu verhindern, und habe die Regierung in Teheran noch dazu mit Geld versorgt.

Außenminister Mohammed Javad Zarif hat Trump "grenzenlose Scheinheiligkeit" vorgeworfen. "Die Trump-Regierung will, dass die Welt glaubt, dass sie sich um das iranische Volk sorgt", teilte er Zarif auf Twitter mit. "Trotzdem haben die allerersten Sanktionen, die sie wiedereingesetzt hat, unter absurden Vorwänden die Lizenz für den Verkauf von mehr als 200 Passagierflugzeugen entzogen." Damit würden gewöhnliche Iraner gefährdet.

Zarif verwies in einer weiteren Twitter-Nachricht darauf, dass die USA das einzige Land seien, dass jemals eine Atomwaffe eingesetzt habe.

Zu den US-Sanktionen gehört, dass Passagierflugzeuge und Flugzeugteile nicht mehr an Iran geliefert werden sollen. Ziel der weitreichenden Strafmaßnahmen sei es, "maximalen wirtschaftlichen Druck" auf das ökonomisch bereits angeschlagene Land auszuüben, teilte Trump mit.

Iraner fürchten Absturz der Landeswährung

Die Sanktionen richten sich gegen Irans Zugang zu US-Banknoten, den Automobilsektor und den Export von Metallen, Agrarprodukten und Teppichen. Der zweite Teil der Sanktionen soll am 5. November in Kraft treten. Dann ist unter anderem der Ölsektor die Zielscheibe. Viele Iraner fürchten einen Absturz ihrer Landeswährung, wenn die Finanz- und Handelsbeschränkungen der USA einsetzen.

Auch gegen Unternehmen aus Drittländern, die Geschäfte mit Iran machen, sind von den Sanktionen betroffen. Mehrere Konzerne wie Total, Peugeot und Renault, die nach dem Abkommen nach Iran zurückgekehrt waren, haben daher bereits ihren Rückzug verkündet.

cop/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marie-Antoinette 06.08.2018
1.
Kürzlich las ich in einem ausländischen Magazin, dass das Atomabkommen von Obama nie unterschrieben wurde, da der Kongress dagegen gestimmt hatte. Außerdem würden USA weiterhin großer Satan und Israel als kleiner Satan dargestellt werden. Wenn man dann sieht, wie seit langem Terrorgruppen in Libanon unterstützt werden, um die Macht zu übernehmen, in Syrien Krieg geführt wird, um sich dort militärisch fest zu setzen, muss das Kopf ab Regime mit den Folgen leben. Die Glaubensbrüderländer können gerne dem armen Land zu Hilfe eilen. Ach ja, es ist auch noch Geld da, um im Jemen Krieg zu führen.
dasmagazin2017 06.08.2018
2. Respekt!
Rohani sagt, wie es ist und erklärt deutlich, dass er das leicht durchschaubare Spiel von Trump- Stimmenfang an der radikal konservativen Basis für die Midterms- nicht mitspielt. Solche klare Ansagen zum Trumptheater wünscht man sich öfters. Tenor: das ist alles Unsinn und deshalb spielen wir da nicht mit. Trumps Versuche werden in die Hose gehen.
ex_berliner 06.08.2018
3.
"Das Gesprächsangebot Trumps ziele nur auf die heimische Wählerschaft vor den Kongresswahlen im November und solle Chaos in Iran schüren." Genau so sieht es aus. Trump ist, das hat er nun oft genug vorgefuehrt, kein ernstzunehmeder Gespraechspartner. Er ist irrational, kleingeistig und unzuverlaessig. Sein Wort ist nichts wert. Den muss die Welt leider aussitzen und sich im Prozess hoffentlich von den USA unabhaengiger machen. Am Ende muss die USA isoliert werden, wenn sie sich auf diesem Kurs weiterbewegt.
john_doo 06.08.2018
4. Kann den Trump ...
... nicht mal jemand zu ner Cabriofahrt an einem sonnigen Herbsttag durch Dallas einladen?! Mit Sanktionen kann man einen etwaigen Gegner dermaßen in Schach halten (vorausgesetzt der Markt hört auf mich), dass dieser daran zugrunde geht und in seiner Region nicht mehr das Sagen hat. Dies könnte Israel wiederum helfen, denn ein destabilisierter Iran ist den USA und Israel lieber als ein Atom-Abkommen an das sich jeder hält. Rohani scheint der besonnenere Staatsmann zu sein. Ist ja auch nicht schwer, wenn sich der Gegenpart aufführt wie Napoleon aus George Orwells "Farm der Tiere"!
bakiri 06.08.2018
5. Wer macht den Fehler?
Es wird Zeit eine Globalisierung ohne die USA zu gestalten. Kulturelle und damit verbunden auch mentale Unterschiede zwischen den Ländern der Welt muss man akzeptieren und sollte lieber nach Gemeinsamkeiten suchen. Wie soll man es denn sonst von Bevölkerungsgruppen in Ländern erwarten, wo wirklich Not gelitten wird und arm nicht bedeutet einfach nur keinen Plasmafernseher zu haben, sondern richtige Existenzangst und Hunger ist. Kriege (die übrigens oftmals aufgrund des unüberlegten Handelns des "Westens" entstanden sind, der es immer angeblich besser weiß und notfalls gewaltsam Demokratie verbreiten will), sollten nicht missverstanden werden. Sie sind zumeist aufgrund von mangelnder Bildung in der Bevölkerung, Ressourcenknappheit und sozialer Probleme entstanden. Mit mehr Druck und Ausgrenzung kommt da keiner weiter, Dialoge müssen das Ziel sein. Selbst die USA sollten mittlerweile gelernt haben, dass kurzsichtige feindseelige Handlungen wenig oder gar das Gegenteil bewirken (Irak? Afganistan? Würde das wirklich noch jemand als Erfolg bezeichnen wollen?). Leider ist die momentane Regierung der USA eher damit beschäftigt die weltpolitische Zeit um 50 Jahre zurück zu drehen. Man kann nur hoffen, dass diese Kleingeistigkeit eine Momentaufnahme bleibt. Frei nach dem Motto: Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser wird. Hoffentlich behalten die anderen Länder einen kühlen Kopf und eine klare Linie. Das kann man sich bei fast allen Baustellen wünschen, die von den USA gerade aufgerissen wird. Das Iranabkommen ist da nur ein Teil des Mosaiks, wenn auch ein trauriges Beispiel für die in den USA herrschende populistische Zerstörungswut.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.